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30.01.2015

19:39 Uhr

Der Werber-Rat

Vom Social-Media-Star zum sozialen Vorbild

VonRaphael Brinkert

Musik- und Youtube-Stars, vor allem aber Sportler besitzen heute, im Social-Media-Zeitalter, die stärkste Vorbildfunktion für Jugendliche. Leider nutzen sie diese Möglichkeiten bei gesellschaftlichen Themen zu wenig.

Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger sind sehr aktiv in den sozialen Medien und haben eine starke Vorbildfunktion für Jugendliche. Quelle: Twitter Screenshot

Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger

Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger sind sehr aktiv in den sozialen Medien und haben eine starke Vorbildfunktion für Jugendliche.

Quelle: Twitter

Am Dienstag war ein Tag, der ganz Deutschland zum Nachdenken anregen sollte. Die Befreiung von Auschwitz jährte sich zum siebzigsten Mal. Während die DFL im Rahmen des „Erinnerungstages im deutschen Fußball“ ein flächendeckendes Zeichen setzte, lassen sich Statements von den Stars bislang vermissen. Statt „#NeverForget“ und „#Auschwitz70“ lautet das Motto der Stars „#NeverComment“.

Das Fatale: Sportler und Social-Media-Stars sind die primären Vorbilder der heutigen Jugend. Während früher Lehrer, die eigenen Eltern oder auch Trainer inspirative Ideale darstellten, besitzen heute Musik- und Youtube-Stars, aber vor allem Sportler die stärkste Vorbildfunktion für Jugendliche. Studien belegen, dass speziell Fußballstars für 40 Prozent der Jugendlichen diese Rolle einnehmen. Doch die Personen, die den größten Einfluss auf die Jugend haben und einen Bestandteil der „deutschen Identität“ vermitteln können, wie Bundespräsident Gauck das Wissen um den Holocaust bezeichnete, schweigen, wenn es nicht um Tore und Punkte, sondern um gesellschaftliche Verantwortung geht.

Klar, viele Spitzensportler haben Stiftungen ins Leben gerufen und spenden für diverse Zwecke. Aber es reicht nicht, in den sozialen Medien an der Ice-Bucket-Challenge teilzunehmen. Es geht darum, auch zu prekären Themen seine Stimme zu erheben – ob bei Pegida, nationalen Gedenken oder auch nur zum Thema Alkohol- oder Drogenmissbrauch.

Raphael Brinkert ist Mitinhaber der Agentur Jung von Matt/Sports.

Raphael Brinkert ist Mitinhaber der Agentur Jung von Matt/Sports.

Es ist eine verpasste Mega-Chance für eine bessere Gesellschaft. Denn es war nie einfacher, die Jugend zu erreichen! Was die DFL und die Vereine im Stadion leisten, müssen die Spieler im Social-Media-Zeitalter über ihre eigenen Kanäle liefern. Jeder kann per Tastendruck zum Sprachrohr werden. Eine geplante und geschlossene Aktion erreicht Millionen von Ohren – eine mediale PR-Verzinsung von unschätzbarem Wert.

Es ist der Anspruch an unsere Stars: Werdet von Trendsettern zu Gesellschaftsleadern. Inspirierende Persönlichkeiten sollten nicht nur Trend- sondern auch Gesellschaftsthemen forcieren. Sie haben die Durchschlagskraft, um Botschaften bei den Jugendlichen zu platzieren, die nach Orientierung suchen. Liebe Fußballmillionäre, werdet euer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht!

Der Autor: Raphael Brinkert ist Mitinhaber der Agentur Jung von Matt/Sports. Er ist einer von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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