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26.05.2014

15:42 Uhr

Der Werber-Rat

Von der heilen Welt zum Heiligen Krieg

VonMarianne Heiß

Wem hilft Social Media, wem schadet es? Protestbewegungen nutzen Facebook, um Despoten zu stürzen. Aber auch die Feinde der Demokratie nutzen digitale Netze für ihre Propaganda – die Konfusion im Netz steigt.

Über Propaganda-Videos wie dieses der al-Malahim Media Foundation, Propaganda-Arm der al-Qaida, werden neue Anhänger für terroristische Vereinigungen rekrutiert. ap

Über Propaganda-Videos wie dieses der al-Malahim Media Foundation, Propaganda-Arm der al-Qaida, werden neue Anhänger für terroristische Vereinigungen rekrutiert.

Osternester im Garten, Strandkörbe auf Sylt, Kinder auf Fahrrädern: Den Familienfotos auf Facebook nach zu urteilen, verliefen die Osterferien friedlich und entspannt. Die andere Seite von Social Media: Djihadis rekrutieren via Social Media neue Terroristen, die bereit sind für den „Heiligen Krieg“.

Social Media hat sich auch als Propaganda-Instrument etabliert. Das ist nicht grundsätzlich schlecht: Ende 2010 haben wir miterlebt, wie sich auch über Facebook und Twitter die Menschen in der Arabischen Welt vereint haben, um sich gegen die dort autoritär herrschenden Regimes aufzulehnen. Und in der Ukraine waren Facebook und Twitter für die Aktivistengruppen wichtige Medien, um sich gegen Viktor Janukowitsch zu verbünden. Welche Rolle spielt also Social Media?

Marianne Heiß ist Finanzchefin der Agentur BBDO Germany.

Marianne Heiß ist Finanzchefin der Agentur BBDO Germany.

Auch fundamentalistische Bewegungen und militante Gruppen nutzen Social Media – als ein Propaganda-Instrument, das sich rasch global ausbreitet. Ethische Grenzen erweisen sich dabei zunehmend als wirkungslos.

Darauf weist auch Nasra Hassan hin. Die ehemalige Direktorin bei den Vereinten Nationen in Wien, deren Spezialgebiet Suizid-Terrorismus in der Islamischen Welt ist, berichtet: „Über Facebook werden Terroristen rekrutiert. Fundamentalisten nutzen Social Media und verbreiten so erfolgreich und schnell ihre Parolen.“

Die Entwicklung von Social Media ist für militante Gruppen von großem Vorteil, weil es trotz internationaler Geheimdienstaktivitäten kaum möglich ist, diese Kommunikation und Nachrichtenverbreitung einzuschränken oder zu unterbinden. Mit keinem anderen Medium können Nachrichten so schnell und global verbreitet werden. Das gilt eben auch für Propaganda, für wirklichkeitsverzerrende, kriegerische Rhetorik. So lassen sich fiktionale Strukturen von Wahrheit generieren: Propaganda als mächtigstes Instrument überzeugender Kommunikation wird in Echtzeit verbreitet – darin liegt eine neue und große Gefahr.

Noch gibt es keine Untersuchungen, ob Social Media mehr den Feinden der Demokratie nutzt oder deren Trägern und Freunden. Social Media jedenfalls ist viel mehr als nur ein medialer Transportweg – hier wird gleichsam das Medium zum Inhalt.

Vielleicht sollten wir im nächsten Jahr vor Ostern ein „Facebook-Fasten“ einlegen.

Die Autorin ist eine von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

26.05.2014, 16:43 Uhr

Ich denke, das Allerwichtigste ist, dass Kinder nicht allein gelassen werden.
Ganz besonders dann nicht, wenn sie im Internet unterwegs sind.
Und das wirksamste Mittel zur "Immunisierung" gegen Verführer jeder Art ist sicher, bei Kindern von Anfang an dafür zu sorgen, dass sie gleichermaßen ein gesundes Selbstwertgefühl wie auch ein Bewusstsein für die Bedürfnisse anderer entwickeln, so dass ihnen im Erwachsenenalter klar ist, dass sie sich von niemandem etwas erzählen lassen müssen (weil sie dann auf ihr eigenes Urteil vertrauen können).

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