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14.04.2015

21:24 Uhr

Der Werber-Rat

Von Gurken lernen

VonArmin Jochum

Was hat der schmackhafte Cocktail Moscow Mule von Charles Schumann in München mit aus Recyclingmaterialien hergestellten Fahrrädern aus einer Gefängniswerkstatt zu tun? Mehr, als Sie vielleicht denken.

Aus unterschätzen Haushaltsgurken lässt sich Unvergessliches zaubern. dpa

Gurken

Aus unterschätzen Haushaltsgurken lässt sich Unvergessliches zaubern.

Unlängst hatte ich das Vergnügen, einen Abend in geselliger Runde bei Charles Schumann in München zu verbringen. Als schwäbischer Hanseat galt es zunächst, tapfer zu bleiben und sämtliche Anspielungen auf den Tabellenkeller der Bundesliga mit einer stärkeren Fokussierung des vor mir stehenden Getränks zu zerstreuen.

Die Meisterschaft der Bartender war jedenfalls just in jener Sekunde entschieden: Schumanns Moscow Mule-Version stellt alles in den Schatten und verweist sämtliche Ingwer/Gurken-Ensembles der Republik auf die Ränge. Das ging mir jedenfalls an jenem Abend durch den Sinn, als ich mit meinem, beim unangenehmsten Fahrradverleih Münchens ausgeliehen Fahrrad den Nachhauseweg antrat. Unternehmer und Macher in allen erdenklichen Winkeln der Welt feilen in genau diesem Augenblick am nächsten ganz großen Ding. Manchmal braucht es für den großen Erfolg allerdings gar keine neuen, noch nie da gewesenen Ideen. Sondern nur eine kleine Änderung der Zutaten. So einfach? So einfach.

Bleiben wir am besten gleich beim Fahrrad. Sie wollen eine Manufaktur gründen und überlegen, was die Leute wohl brauchen? Denken Sie lieber an Räder, die niemand braucht. Aber jeder will. Und weil heute Dienstag ist, habe ich gleich zwei Ideen mitgebracht, die zeigen, wie das funktioniert.

Armin Jochum ist Vorstand Kreation und Co-Gründer der Agentur Thjnk.

Armin Jochum ist Vorstand Kreation und Co-Gründer der Agentur Thjnk.

Das erste Unternehmen heißt Schindelhauer, sitzt in Berlin und baut die schönsten Fahrräder der Welt. Die Idee: alles Überflüssige weglassen. Alles Übrige aufs Maximalste veredeln. Das Auge fährt mit.

Oder die Räder der Marke „Fluchthelfer“. Idee dieser famosen Initiative ist es, Gefängnisinsassen auf das Leben nach der Zelle vorzubereiten. Zu diesem Behufe fertigen sie aus Fahrradschrott wieder vorzeigbare Bikes. Beide Marken stehen für eine unverwechselbare Zutat: eine merkfähige Story.

Auch aus unterschätzten Haushaltsgurken lässt sich etwas Unvergessliches zaubern. Marinieren Sie die Gurkenscheiben mit einer Mischung aus schwarzen Senfsamen, Himbeeressig, etwas Dijon-Senf, Salz, Pfeffer und gutem Öl – Sie werden staunen. Nach Feierabend und unter gewissen Umständen kann ein Moscow Mule dazu gereicht werden.

Der Autor: Armin Jochum ist Vorstand Kreation und Co-Gründer der Agentur Thjnk. Er ist einer von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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