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03.09.2014

17:46 Uhr

Der Werber-Rat

Vorbild Flohmarkt

VonTorben Bo Hansen

Wo Menschen persönlich aufeinandertreffen, funktionieren Marktmechanismen erstaunlich gut. Bei allen Errungenschaften der Technik: Vielleicht sollten wir nicht nur in „Customer Journeys“ denken.

Wo Menschen persönlich aufeinandertreffen, funktionieren Marktmechanismen erstaunlich gut, meint Torben Bo Hansen, Mitinhaber der Agentur Philipp und Keuntje.

Wo Menschen persönlich aufeinandertreffen, funktionieren Marktmechanismen erstaunlich gut, meint Torben Bo Hansen, Mitinhaber der Agentur Philipp und Keuntje.

„Hier, pass auf: Wenn du bei dem da was kaufst, zieht er dir das Fell über die Ohren.“ „Ach, er nun wieder, hör nicht auf den. Das, was da wie ein Gipsverband an seinem Arm aussieht, ist nur ein Versteck für seinen Knüppel, mit dem er mich bearbeitet, wenn ich ihm meine Ruten und Rollen nicht schenke.“

Dieser Dialog entspann sich, begleitet von Gegluckse und Gefeixe und bei bester Laune kurz nach acht Uhr, Sonntagmorgen auf einem Sky-Parkplatz in Schleswig. Es war Flohmarkt. Die Protagonisten: ein Standbetreiber mit allerlei Anglerutensilien, ein ihm wohlbekannter Petrijünger und dessen – wohl noch nicht ganz so vertrauter – Angelkumpan.

Torben Bo Hansen ist Mitinhaber der Agentur Philipp und Keuntje.

Der Autor

Torben Bo Hansen ist Mitinhaber der Agentur Philipp und Keuntje.

Ganz im Sinne der ersten These des „Cluetrain Manifests“ – „Märkte sind Gespräche“ – hatte auch zehn Minuten später noch keine Fliege, geschweige denn Rute oder Rolle den Besitzer gewechselt. Aber obwohl so offensichtlich kein akuter Bedarf bestand, wurde die Kundenbeziehung ausgiebig gepflegt – ganz ohne aufwendiges Customer-Relationship-Management-System. Und das Reputation Management im Social Network gelang ohne Dienstleister: Wo nötig, wurde persönlich korrigierend eingegriffen.

Wenig später – beim Versuch, eine bejahrte Kabeltrommel zu ergattern – spürte ich selber unmittelbar die Auswirkungen von Angebot und Nachfrage: Ein Paar hatte direkt vor mir ebenfalls Interesse bekundet, wollte aber zunächst eine Runde über den Platz drehen und abwägen, ob es wirklich 18 Euro dafür berappen sollte. In diese gefühlte Hausse hinein lief mein Angebot über 15 Euro beim Verkäufer ins Leere.

Eine Dreiviertelstunde später waren die Kaufkandidaten dem Trommelbesitzer abhanden gekommen, und ich kam dann doch zum Zuge. Nur um wenig später – auf dem Weg zum Auto hatte ich einen Mangel am Kabel entdeckt – des Händlers Loyalty-Policy bei der geforderten Rückabwicklung auf die Probe zu stellen. Auf seinen guten Ruf bedacht, sträubte er sich nicht lange.

Wo Menschen persönlich aufeinandertreffen, funktionieren Marktmechanismen erstaunlich gut. Bei allen Errungenschaften der letzten Jahre: Vielleicht sollten wir nicht nur in Zielgruppen oder Customer Decision Journeys denken. Sondern gelegentlich auch auf den Flohmarkt gehen.

Der Autor Torben Bo Hansen ist Mitinhaber der Agentur Philipp und Keuntje. Er ist einer von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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