Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.09.2013

10:26 Uhr

Der Werber-Rat

Waffen im Wohnzimmer

VonInes Imdahl

Starbucks-Gründer Howard Schultz hat sich nie gescheut, klar Position zu beziehen. Ausgerechnet in der Frage, ob Gäste in die Cafés eine Pistole mitbringen dürfen, lässt er ein klares Wort vermissen.

Starbucks ist Startpunkt oder Rückzugsmöglichkeit, wenn einem die Eigenheiten der Städte oder Länder einmal spanisch oder gar unheimlich vorkommen. Reuters

Starbucks ist Startpunkt oder Rückzugsmöglichkeit, wenn einem die Eigenheiten der Städte oder Länder einmal spanisch oder gar unheimlich vorkommen.

Die Geschichte von Starbucks ist eine beispielhafte Marketingstory. Der ehemalige Marketingchef Howard Schultz kauft den Gründern 1987 die damals 17 Filialen ab und schafft eine weltweite Omnipräsenz in zumeist attraktiven Lagen.

Der Erfolg der Marke hatte bisher auch mit Konsequenz zu tun. Zum einen zeigt sie sich in dem weitestgehend einheitlichen Sofakuschel-Look, der den Menschen ein Stück heimelige Vertrautheit vermittelt.

Starbucks ist Startpunkt oder Rückzugsmöglichkeit, wenn einem die Eigenheiten der Städte oder Länder einmal spanisch oder gar unheimlich vorkommen. Und der Kaffeeduft schafft eine familiäre, verbindende Atmosphäre mit anderen Menschen im Starbucks-Wohnzimmer - man fühlt sich in der Fremde zu Hause.

Ines Imdahl ist Psychologin und Inhaberin der Marktforschungsagentur Rheingold Salon.

Ines Imdahl ist Psychologin und Inhaberin der Marktforschungsagentur Rheingold Salon.

Zum anderen steht Schultz selbst für konsequente Umsetzung seiner Visionen. Als Starbucks strauchelte, kehrte er 2007 vom Aufsichtsrat in die operative Führung zurück und renovierte die Wohnzimmer. Er scheute sich nie, klar Position zu beziehen: gegen Wahlkampfspenden und für die Homo-Ehe. Aber nun ist er an seine persönliche Grenze geraten.

Man muss wohl Amerikaner sein, um zu verstehen, wie es zu einem gemütlichen Gefühl beitragen kann, in Cafés Waffen zu tragen. Starbucks hat dies bisher geduldet. Nun „bittet“ Schultz die Waffenträger, künftig in den Starbucks-Filialen darauf zu verzichten. Eine windelweiche und dennoch ungemütliche Botschaft. Er verärgert die Waffenlobby und stellt die Gegner nicht zufrieden.

Niemand mit Einfluss findet in den USA den Mut, sich gegen diese Lobby zu stellen. Sie darf weiter behaupten, dass mehr Waffen zu weniger Verbrechen führen. Stattdessen sind es täglich bis zu zehn tödliche Unfälle mit und durch Kinder, die sich selbst oder andere erschießen. Schade, dass auch Schultz hier die Waffen streckt. Seine Inkonsequenz dürfte aber Konsequenzen für die Marke haben. Diese mögen im Gegensatz zu den Folgen für die Kinder nicht tödlich sein. Aber es wird unbehaglich im Wohnzimmer. Denn „Open Carrier“ werden der Bitte kaum folgen und sich provoziert fühlen. Und Gegner werden statt Geborgenheit bei Starbucks eher Angst vor Ent-Sicherungen verspüren, wenn sie in gleicher Weise Position beziehen.

Die Autorin:

Ines Imdahl ist Psychologin und Inhaberin der Marktforschungsagentur Rheingold Salon. Sie ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

23.09.2013, 10:50 Uhr

Der Open Carrier kann dieser "Bitte" kaum Folge leisten. Was soll er machen? Die Pistole für den Starbucks-Besuch in den Kofferraum auf dem unbewachten Parkplatz legen? Wie lauten dazu noch einmal die Vorschriften?

Vielleicht sollten die Waffen-Paranoiker sich einfach mal die Statistiken anschauen und begreifen dass es wahrscheinlicher ist vom Blitz getroffen als durch die Kugel eines Open Carriers im Starbucks verletzt zu werden.

ThomasSt.

23.09.2013, 11:15 Uhr

Die Waffenlobby in den USA darf nicht nur behaupten, dass mehr Waffen zu weniger Verbrechen führen, sie haben sogar Fakten auf ihrer Seite. Was für die Verbieter nicht zutrifft. Sie haben lediglich undifferenzierte Zahlen mit denen sie emotionale Reaktionen hervorrufen wollen. Und kommen natürlich bei medial ausschlachtbaren Verbrechen aus ihren Löchern gekrochen um generalstabsmäßig geplant eine Anlassgesetzgebung durchzudrücken.
http://www.independent.org/newsroom/article.asp?id=3568

scharfschuetze

23.09.2013, 11:17 Uhr

Starbucks an sich ist eine völlig überflüssige Erscheinung, wie alle diese amerikanischen fast-Food-and drink-Tempel.
Warum es in der deutschen Presse zum Thema gemacht wird, ob in USA ! (bei uns ist eh alles verboten) einer mit Waffe dort hin gehen darf, ist mir auch ganz und gar schleierhaft. Gibt's denn keine Themen, die für uns hier eine Relevanz haben?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×