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26.10.2015

20:50 Uhr

Der Werber-Rat

Wahlfreiheit statt Blockaden

VonFranziska von Lewinski

Wen die aufdringliche Werbung auf Youtube stört, kann sie nun endlich loswerden – und das mit nur zehn Dollar im Monat. Musikstreaming und eigene Serien gibt es inklusive: Mit Red startet Youtube ein neues Bezahlangebot.

Youtube-Manager Robert Kyncl stellt das neue Bezahlangebot Red vor. ap

Geld bezahlen für Youtube

Youtube-Manager Robert Kyncl stellt das neue Bezahlangebot Red vor.

Ganz gelassen reagiert meine 12-jährige Nichte, wenn ich sie frage, ob sie Werbung auf Youtube stört. "Ich kann sie ja wegklicken", lautet ihre Antwort. Die Medien- und Content-Industrie ist mitten in der nächsten Phase des Projektes: "Die User ändern, die ich mir selbst erzogen habe." Denn die Kostenlos-Kultur im Web sitzt tief und die bisherigen Ansätze, das zu ändern, scheiterten häufig. Ad-Blocker sind die Folge.

Franziska von Lewinski ist Vorstand der Agentur Fischer-Appelt.

Franziska von Lewinski

Franziska von Lewinski ist Vorstand der Agentur Fischer-Appelt.

User haben aufdringliche Werbung satt und helfen sich selbst. Da wieder herauszukommen, gelingt nur mit Offenheit und Transparenz. Wie jeder Bäcker, jeder Frisör Geld für seine Dienstleistung verlangt, kostet auch jeder Inhalt, der von Menschen erschaffen wurde, Geld. Die jahrelange Monokultur, ausschließlich auf Banner oder Unterbrecherwerbung zu setzen, hat die Leser und Zuschauer mürbe gemacht.

Die Kreation dieser Werbung leider ebenso. Deswegen grassieren Ad-Blocker und die Medien reagieren darauf mit Blockaden und Abmahnungen. Vielleicht würde ein Satz wie: "Inhalte produzieren kostet Geld. Werbung ist nötig, damit Sie diese Inhalte lesen können. Vielen Dank!" helfen statt eines Verbotsschilds. Oder noch besser: Wahlfreiheit.

Google führt in den USA ab Mitte kommender Woche Youtube Red ein. Für 9,99 Dollar gibt es totale Werbefreiheit für alle Videos, Musikstreaming und auch Exklusivinhalte on top. Youtuber und vor allem deren Vermarkter sehen das kritisch. Denn bislang verdienen sie oft mehr mit Produktplatzierung in den Videos als mit klassischer Werbung.

Für den User ist "Red" zweifellos ein gutes Angebot. Denn er hat die Wahl zwischen Youtube mit oder ohne Werbung. Nur eben gegen Bezahlung. Vielleicht ist das auch ein Ansatz für Onlinemedien, zu werbefreien Abos noch weitere Mehrwerte zu addieren. Das Rennen um neue, alternative Paid-Content-Modelle ist eröffnet.

Die Autorin: Franziska von Lewinski ist Vorstand der Agentur Fischer-Appelt. Sie ist eine von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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