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02.09.2013

14:04 Uhr

Der Werber-Rat

Wahlkampf der müden Krieger

VonInes Imdahl

Weil die Wahlkampf-Werbung der Politiker im Vorfeld der diesjährigen Bundestagswahlen an Langeweile kaum zu überbieten ist, wächst vor allem eine Partei: die der Nichtwähler. In knapp drei Wochen wird Bilanz gezogen.

huGO-BildID: 32596694 "Willst Du mit mir wählen gehen" steht auf den T-Shirts der Jugendredakteure der Bundeszentrale für Politische Bildung, die am 29.08.2013 in Berlin nach der Vorstellung von SPD-Kanzlerkandidat Steinbrücks 100-Tage-Programm im Foyer der Bundespressekonferenz Werbung für den Wahl-O-Mat machen . Foto: Michael Kappeler/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ dpa

huGO-BildID: 32596694 "Willst Du mit mir wählen gehen" steht auf den T-Shirts der Jugendredakteure der Bundeszentrale für Politische Bildung, die am 29.08.2013 in Berlin nach der Vorstellung von SPD-Kanzlerkandidat Steinbrücks 100-Tage-Programm im Foyer der Bundespressekonferenz Werbung für den Wahl-O-Mat machen . Foto: Michael Kappeler/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Laut Wikipedia ist das direkte Werben von Parteien und Kandidaten um Stimmen „Wahlkampf“. Werbung vor allem als Kampf um Stimmen, Kaufkraft oder andere Ressourcen zu verstehen, ist eine mögliche, wenn auch veraltete Perspektive.

So manch aggressive Preispolitik von Unternehmen legt allerdings nahe, dass Werbeschlachten so zu schlagen sind. Sie „bombardieren“ die Menschen mit ein- und derselben Werbebotschaft, um diese „todsicher“ einzubläuen. Praktiker zeigt, dass weder Preisaggressivität („20 Prozent auf alles“) noch Wiederholung der Botschaft bis zum Erbrechen („außer Tiernahrung“) ein Unternehmen auf die Siegerstraße bringt.

Die Parteien haben diese Lektion nicht gelernt. Sie beschränken ihren Kampf auf ein stupides Wiederholen ihrer zahnlosen Botschaften. Und hängen die immer gleichen Köpfe an Laternenpfähle und Straßenschilder. Der diesjährige Wahlkampf ist jeder Emotion beraubt, er berührt nicht die Werte und Sehnsüchte der Menschen.

Ines Imdahl ist Psychologin und Inhaberin der Marktforschungsagentur Rheingold Salon.

Ines Imdahl ist Psychologin und Inhaberin der Marktforschungsagentur Rheingold Salon.

Langeweile erzeugt Wahlmüdigkeit. Sogar die Durchschnittswählerin in Haßloch will zum ersten Mal nicht wählen. Haßloch, das ist der Ort in Deutschland, den ein führendes Marktforschungsinstitut, die GfK, seit Jahren nutzt, um die Erfolgschancen neuer Produkte für den Markt vorab zu testen.

Weil er so durchschnittlich ist, erhofft man sich allgemeingültige Aussagen. Aber dass immer weniger Menschen wählen gehen wollen, hängt damit zusammen, dass ihre Wünsche quer durch die Parteiprogramme gehen: florierende Wirtschaft mit sozialem Gewissen, Entwicklungschancen für Kinder, Schonung der Umwelt. Das bietet keiner allein, sondern jeder bietet etwas.

Die Parteien und Bürger sollten sich auf etwas verständigen – das gemeinsame Anliegen, etwas zu retten: das Wählen an sich. Vor dem Hintergrund der Geschehnisse in Syrien kann es beinahe egal sein, wer Deutschland regiert, solange es in demokratischer Weise passiert. Es ist das Wählen, das uns funktionierende Strukturen ohne Giftgas oder Bürgerkrieg garantiert. Wir sollten für das Wählen werben. Alle zusammen.

Die Autorin:

Ines Imdahl ist Psychologin und Inhaberin der Marktforschungsagentur Rheingold Salon. Sie ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare (2)

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scharfschuetze

02.09.2013, 18:46 Uhr

Wen wunderts, daß so viele nicht mehr die etablierten Parteien wählen wollen? Hauptthema sind dort Selbstbedienungs-Mentalität, sexuelle Verirrungen (wahrscheinlich aus lauter Langeweile), und ansonsten weiter so wie immer.
Wer will das noch als normaler Mensch?
Aber jetzt gibt es endlich eine ALTERNATIVE!
Geht wieder wählen, Leute!Ich machs auch!

Account gelöscht!

03.09.2013, 10:20 Uhr

Auf den Wahlplakaten müssten mehr knackige junge Männer abgebildet werden, die zu relativ älteren Damen verführerisch lächelnd aufschauen, wobei man nicht so genau erkennen soll, ob das jetzt der Lieblings-Sohn oder noch mal ein anderer Liebling für die verwirrte Dame werden könnte. Die Konsumentinnenwerbung macht das doch schon lange so.

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