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18.02.2016

17:05 Uhr

Der Werber-Rat

Warum Content doch wichtig ist

VonBritta Poetzsch

Menschen interessieren sich nicht für Werbung – Menschen interessieren sich für das, was ihnen gefällt. Das ist eigentlich wahrlich ein alter Hut, weiß Britta Poetzsch. Wie war das noch mit Kaiser Nero?

Content für die Marke „Rom“. dpa - picture-alliance

Gladiatoren

Content für die Marke „Rom“.

Kaum sind die Röcke kurz, fordern die Ersten, dass sie wieder lang werden sollen. So oder so ähnlich kann man die aktuelle Diskussion um das Thema „Content“ in der Kommunikationsbranche verstehen. Um Sie mal kurz abzuholen: Seit Jahren predigen alle, die klassische Werbung sei tot. Marken müssen selbst zu Medien werden. Inhalte bieten, die die Konsumenten sich freiwillig anschauen. Entweder weil sie sich dadurch extrem gut unterhalten fühlen oder weil sie einen echten Nutzen daraus ziehen. Getrieben wird das durch die Digitalisierung.

Die Menschen sind nicht mehr so einfach zu erreichen. Denn sie entscheiden, wann sie was sehen wollen. Werbung wollen sie in den meisten Fällen freiwillig nicht sehen. Alle waren sehr froh, dass sie dafür ein tolles, neues Wort gefunden haben. Dieses Wort heißt „Content“. Nun ist das alles schon nicht mehr so wahnsinnig neu.

Schon in den 1960ern wusste die Werbelegende Howard Gossage: „Niemand liest Werbeanzeigen. Menschen lesen, was sie interessiert. Und manchmal auch Werbeanzeigen.“ Heute liest ja kaum einer mehr. Aber gucken kann der Mensch immer noch.

Britta Poetzsch ist Global Creative Director der Agentur Ogilvy.

Britta Poetzsch ist Global Creative Director der Agentur Ogilvy.

Wenn man ehrlich ist, dann waren Neros Gladiatorenkämpfe auch schon gut gemachter „Content“ für die Marke „Rom“. Wer von Ihnen kann sich noch an Tom Cruise in „Top Gun“ erinnern? Das war in Wahrheit „Content“ für das US-Militär. Die haben den Film mitfinanziert.

Diejenigen, die Content-Marketing gerade wieder begraben wollen, haben sicher recht, dass die Aufmerksamkeit des Menschen und seine Zeit nicht unendlich dehnbar sind. Das ist aber noch lange nicht das Ende dieser schönen und doch schon ziemlich alten Idee. Wir müssen kein trauriges Abschiedslied singen. Die Aufgabe ist, begeisternde Inhalte für Marken zu gestalten. Dafür braucht man immer noch eine ziemlich altmodische Zutat: Kreativität.

Die Autorin: Britta Poetzsch ist Global Creative Director der Agentur Ogilvy. Sie ist eine von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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