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28.08.2015

19:54 Uhr

Der Werber-Rat

Warum der VfL Wolfsburg so ruhig blieb

VonChristoph Metzelder

Das Tauziehen um Kevin De Bruyne neigt sich dem Ende zu – der Wechsel des Belgiers wird immer konkreter. Den VfL Wolfsburg würde sein Abgang hart treffen. Doch der Vizemeister und Pokalsieger agiert besonnener denn je.

Nach einer starken Saison kehrt der Mittelfeldstar dem VfL Wolfsburg wohl den Rücken. Im Lager der „Wölfe“ löst das aber keine Panik aus. Vielmehr unterstreicht der VfL durch seine besonnene Reaktion seine mannschaftliche Geschlossenheit. AFP

Kevin De Bruyne

Nach einer starken Saison kehrt der Mittelfeldstar dem VfL Wolfsburg wohl den Rücken. Im Lager der „Wölfe“ löst das aber keine Panik aus. Vielmehr unterstreicht der VfL durch seine besonnene Reaktion seine mannschaftliche Geschlossenheit.

Ein Thema, das die Fußballwelt seit Wochen beschäftigt hat, war Kevin De Bruyne. Der Mittelfeld-Star des VfL Wolfsburg ist begehrt. Jüngst kamen als Interessenten neben Manchester City noch Manchester United, der FC Bayern und Paris St. Germain dazu. In dem ganzen Tohuwabohu blieb eine Partei erstaunlich ruhig: der VfL selbst.

Dass es sich bei der Ablöse um eine Rekordsumme handelt, spielt sicher eine Rolle – vor allem in Hinsicht auf das Reglement Financial Fairplay, das neue Chancen eröffnet.

Spannender ist aber der Zeitpunkt, zu dem der VfL um den besten Spieler der Bundesliga-Saison 14/15 bangt. Im Pokal startet man als Titelverteidiger, in der Liga ist man als Bayern-Verfolger gesetzt und dann wartet auch noch die Champions League. Aus sportlicher Sicht scheint es keinen schlechteren Zeitpunkt zu geben.

Der Poker um de Bruyne

1. August

Klaus Allofs ist sich sicher, dass Kevin De Bruyne zu „zu 99,9 Prozent“ nicht den Verein wechseln wird. „Wir sind kein Verein, der die Transfereinnahmen braucht. Wir würden uns aber mit einem Angebot aus Respekt vor dem Spieler seriös beschäftigen.“

5. August

De Bruyne schließt seinen Wechsel nicht definitiv aus. „Was passiert, kann ich nicht sagen. Ich weiß von keinem Angebot“, sagte der 24-Jährige dem SID. „Ich bin niemand, der sagt, er bleibt und dann ist er in zwei Wochen weg.“

10. August

Manchester City bietet für De Bruyne 66 Millionen Euro. Ein erstes Angebots über knapp 50 Millionen Euro hatte Wolfsburg zuvor abgelehnt. Manager Allofs versucht zu beschwichtigen: „Da werden wirtschaftliche Größenordnungen kolportiert, ich verstehe es, dass Kevin es sich offenhält.“

13. August

FC Bayern hält sich nach eigenen Angaben aus dem Transferpoker heraus. „Wir werden dem VfL Wolfsburg sicher kein Kopfzerbrechen bereiten. Da kann ich Klaus Allofs beruhigen. Der Spieler ist ja auch nicht auf dem Markt. Wir werden da zu 100 Prozent nicht reingrätschen“, sagte Klub-Chef Karl-Heinz Rummenigge.

14. August

Wolfsburg Trainer Dieter Hecking stört sich an den Spekulationen. „Wir können nicht auf jede Reaktion dieder Guardian schreibt, oder Daily Mirror und das Manchester Tageblatt verbreiten, reagieren. Das ist mir eigentlich wurscht, und ich kann als Cheftrainer nicht jeden Tag eine Wasserstandsmeldung abgeben“, sagte Hecking.

17. August (1)

„Ich werde diese Saison auf jeden Fall für den VfL Wolfsburg spielen“, sagte De Bruyne beim Sport-Bild-Award in Hamburg, bei dem er als „Star des Jahres“ ausgezeichnet wurde – allerdings warer zuvor auf der Bühne von Moderator Alexander Bommes aufgefordert worden, diesen Satz zu nachzusprechen.

17. August (2)

„Das werden schwierige Tage für alle Beteiligten werden. Und auch wenn unser gemeinsamer Weg nicht weitergehen sollte, wünsche ich ihm schon jetzt alles Gute“,sagte Hecking im Verlauf einer Laudatio auf den Belgier. In einer kurzen Replik bedankte sich der 24 Jahre alte Mittelfeldspieler und versprach bis auf weiteres „meine Leistung in Wolfsburg zu bringen.“

18. August

De Bruynes Aussage beim Sport-Bild-Award sorgt für Unmut bei seinem Agenten Patrick de Koster. „Ich bin wütend darüber,was in dieser Nacht passiert ist“, wird de Koster bei Sky Sports News HQ zitiert. „Es wurde noch keine Entscheidung über Kevins Zukunft in dieser Transferperiode gefällt. Wir müssennoch abwarten, ob Wolfsburg eine Einigung mit einem anderen Klub erzielt.“

20. August

Die englische Boulevardzeitung Sun berichtet ohne Angabe von Quellen, dass der Mega-Transfer zu Manchester City über die Bühne gehen soll. Dafür werde De Bruyne am Samstag mit dem Privatjet nach Manchester fliegen. „Das treibt seltsame Blüten, wenn schon Abflugzeiten bekannt gegebenwerden und sich das Empfangskomitee in Bewegung setzt“, sagte Allofs am Donnerstag und stellte klar, dass der Belgier in Köln spielen werde: „Natürlich ist er dabei.“

22. August

„Wir sind alle recht gelassen. Die Tatsache, dass Kevin in der Startformation steht, zeigt, dass die ganzen Spekulationen alle zuverfrüht sind“, sagte Allofs vor dem Bundesligaspiel beim 1. FC Köln im Sky-Gespräch: „Wir sind an einem Punkt, an dem wir nicht alles kommentieren. Es ist ein bisschen zu viel Dynamik reingekommen. Wir fahren das jetzt mal runter.“

24. August

Der FC Bayern dementiert einem Bild-Bericht, nach dem De Bruyne zum Rekordmeister wechseln wolle. „Wir werden da definitiv nicht aktiv werden. Das hat der Vorstand schon vor längerer Zeit entschieden“, sagte Mediendirektor Markus Hörwick am Montag auf SID-Anfrage.

25. August

Der Poker um Kevin de Bruyne kann im Extremfall bis zum frühen Dienstagabend dauern. Zwar läuft die Frist für die Meldung von Wechseln zu deutschen Klubs durch die DFL schon am Montag (31. August) um 18.00 Uhr ab, doch ist das Transferfenster im englischen Fußball noch 25 Stunden länger bis Dienstagabend um 19.00 Uhr geöffnet. Spätestens bis zu diesem Zeitpunkt also müsste Englands Ex-Meister Manchester City sowohl mit de Bruyne als auch mit den Wölfen eine Einigung auf einen Wechsel erzielt und den Transfer beim englischen Verband gemeldet haben.

26. August

Der Rekordtransfer von De Bruyne zum englischen Spitzenklub Manchester City steht laut Medienberichten unmittelbar vor dem Abschluss. Wie die Wolfsburger Allgemeine und das Fachmagazin kicker am Mittwochabend meldeten, sei der Durchbruch bei den Verhandlungen kurz zuvor erfolgt. Die Verträge sind noch nicht unterschrieben, schon am Donnerstag soll der Wechsel nach SID-Informationen offiziell verkündet werden.

27. August

VfL-Sportdirektor Klaus Allofs dementierte am Donnerstag Medienberichte über eine Einigung mit Manchester City. „Stand heute ist er Spieler des VfL Wolfsburg“, sagte er.  Allofs bestätigte allerdings Verhandlungen mit dem Club aus der Premier League.

28. August

Kevin De Bruyne sieht den 3:0 Heimsieg des VfL Wolfsburg gegen den FC Schalke 04 von der Tribüne aus. Ein sicheres Zeichen dafür, dass ein Wechsel unmittelbar bevorsteht.

30. August

Deutschlands Fußballer des Jahres wechselt endgültig für die Bundesliga-Rekordsumme von rund 75 Millionen Euro vom VfL Wolfsburg zu Manchester City in die englische Premier League. Am Sonntag bestätigten beide Clubs das gigantische Geschäft.

Die Ruhe des VfL ist wohl in einer Sache begründet: das Vertrauen in ein System. Es gibt wenige Institutionen, die so abhängig von Individuen sind wie der Vereinssport. Auch in der Wirtschaft hängt die Leistung einer Firma oft von Einzelpersonen ab. Man denke an Steve Jobs, Elon Musk oder Bill Gates.

Dies birgt Chancen, aber auch Risiken. Mittelständer haben bis heute große Probleme, die Nachfolge zu regeln. Der VfL will aber größer sein als der Spieler. Dass dies in weiten Teilen möglich ist, hat Borussia Mönchengladbach gezeigt: Das Fohlen-System bleibt stets besonnen, trotz Abgängen wie Reus, Dante oder Kramer.

Wenn Ihr Unternehmen wirklich stark ist, dann muss es auf Sie verzichten können.

Gute Vereins- und Unternehmensführung zeichnen sich nicht nur durch ihre Leuchtfiguren aus, sondern durch eine klare Identität, Kultur und ein kollektives Bewusstsein für Ziel und Richtung. Es ist fast paradox: Große Marken leben von großen Persönlichkeiten. Großartige aber nicht.

Der Autor: Christoph Metzelder ist Mitinhaber der Agentur Jung von Matt/Sports.

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