Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.08.2015

20:23 Uhr

Der Werber-Rat

Was in der Asyldebatte wirklich hilft

VonRaphael Brinkert

Die Asyldebatte beherrscht die Medien und die Politik. Doch wie können die tausenden Flüchtlinge hierzulande integriert werden? Ein Ansatz ist der Sport, meint unser Kolumnist Raphael Brinkert.

Etteas aus Marokko, Barry aus Libyen und Abdul aus Gambia (von links) spielen im Integrationsteam „1903 % Respect“ des VFC Plauen. dpa

Integration durch Fußball

Etteas aus Marokko, Barry aus Libyen und Abdul aus Gambia (von links) spielen im Integrationsteam „1903 % Respect“ des VFC Plauen.

Anfang der 90er-Jahre beherrschte der Balkankonflikt die Medien. Zeitschriften titelten damals vom „Ansturm vom Balkan: Wer nimmt die Flüchtlinge?“, während Asylbewohnerheime Ziele rechtsextremer Anschläge wurden. „Nie wieder Mölln“, war das einhellige Credo von Politik und besorgten Bürgern.

Heute – rund 20 Jahre später - beschäftigt die Flüchtlingsdebatte wieder Medien und Politik. Die Anzahl von Angriffen auf Asyl- und Flüchtlingsheime steigt auf beängstigende Weise an. Jeder Einzelne der 173 Angriffe „rechtsmotivierter Täter“ im ersten Halbjahr 2015 ist einer zu viel. Der FDP-Politiker Hans-Dietrich Genscher fühlt sich gar an die NS-Zeit erinnert.

Raphael Brinkert ist Mitinhaber der Agentur Jung von Matt/Sports.

Raphael Brinkert ist Mitinhaber der Agentur Jung von Matt/Sports.

Die Taten basieren auf vielfältigen sozio-kulturellen Motiven. Eigene Perspektivlosigkeit, Bildungsmangel, Armut, Arbeitslosigkeit und auch eine diffuse Angst gegenüber anderen Kulturen. Ein Teil der Bevölkerung ist auf die neue Entwicklung nicht vorbereitet, die Deutschland auf Jahre prägen wird. Um dies zu ändern, reicht nicht nur der erhobene Zeigefinger.

Der Schauspieler Til Schweiger setzt mit seinem geplanten Flüchtlingsheim in der Asyldebatte dagegen ein klares Zeichen. Auch NDR-Moderatorin Anja Reschke prangert in den „Tagesthemen“ mutig die Hassschreiber in den sozialen Medien an – aber auch die Passivität der Bevölkerung. Beide zeigen klare Haltung und ernten extrem positives Feedback.

Ein weiterer Ansatz wäre der Sport. Er ist die perfekte Plattform, um Menschen zu integrieren. Menschen, unabhängig von Einkommen, Weltanschauung oder Herkunft, kommen dort mit einer gemeinsamen Leidenschaft zusammen. Schon haben erste Vereine eine Initiative gestartet, um die Integration von Flüchtlingen zu erleichtern: durch Spielberechtigungen und Fördermittel. Egal ob Unternehmen, Vereine, Verbände oder Athleten – jeder ist gefragt, in dem Umfeld Vorreiter zu sein.

Der Autor ist einer von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben. Raphael Brinkert ist Mitinhaber der Agentur Jung von Matt/Sports.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×