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12.02.2016

18:31 Uhr

Der Werber-Rat

Was kann der Fußball lernen?

VonChristoph Metzelder

Zeitspiel, Schwalben, Theatralik und unfaire Fouls – das gehört zum Fußball ebenso dazu wie das Tore schießen. In anderen Sportarten wie Handball oder Basketball ist das nicht möglich. Hat der Fußball Nachholbedarf?

Es ist nicht das erste Mal, dass der Niederländer nach einem kleinen Foul schreiend und mit schmerzverzerrtem Gesicht zu Boden geht. Mit Fußball hat das wenig zu tun. dpa

Arjen Robben

Es ist nicht das erste Mal, dass der Niederländer nach einem kleinen Foul schreiend und mit schmerzverzerrtem Gesicht zu Boden geht. Mit Fußball hat das wenig zu tun.

In den letzten Wochen waren wir Tennis-, Handball- und American-Football-Fans. Die Australian Open mit der Sensationssiegerin Angelique Kerber, die Handball-EM mit dem Überraschungscoup des deutschen Teams und die epische Abwehrschlacht der Außenseiter Denver Broncos elektrisierten die Nation, deren Kosmos sich sonst um Fußball dreht. Die neue Euphorie im Sportjournalismus ist groß – und die Zahl der guten Ratschläge hoch.

Auf einmal ist der Handball das Nonplusultra im Sport. Headlines wie „Liebe Fußballer, das könnt Ihr vom Handball lernen!“. Die Thesen: Fußballer legen wenig Wert auf Fairplay und Respekt, sind wehleidig und sind vor allem eins nicht: nahbare Teamplayer. Attribute und Verhaltensmuster, die trotz der physischen Beanspruchung in der Kontaktsportart Handball ganz anders gelebt werden. Handball sei einfach nur Sport für echte Männer – kein selbstdarstellerisches Theater.

Im Fußball gelten andere Bedingungen in Bezug auf das Regelwerk. Die mangelnde Fairness ist Ergebnis der Abstinenz von unmittelbaren Strafen, wie wir sie über Zeitstrafen oder technische Fouls aus dem Handball und Basketball kennen. Gelbe Karten sind eine historische Schwäche des Fußballs, die den Spielern die Freiheit zu Regelbrüchen lässt. Wenn ein 18-jähriger Fußballer Woche für Woche vor 60.000 Zuschauern sein Talent in Leistung umwandelt, ist er alles andere als wehleidig.

Dass der moderne Fußballprofi sich im realen Leben abschottet und Offenheit nur noch digital zeigt, korreliert mit der überladenen Relevanz, die wir alle gemeinsam dem Fußball geben. Dies gilt auch für die Medien, die mit permanenten Beiträgen zum Fußball Sportseiten und -sendungen füllen und Klicks generieren – statt mit der gesamten Sportvielfalt. Man sollte daher nicht den Ast absägen, auf dem man abseits der fußballfernen Highlights das ganze Jahr über sitzt.

Der Autor: Christoph Metzelder ist Mitinhaber der Agentur Jung von Matt/Sports.

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