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22.01.2015

19:03 Uhr

Der Werber-Rat

Was kostet die Welt?

Der teuerste Werbespot hat 60 Millionen Euro gekostet und bewirbt das Luxuskasino „Studio City“ im chinesischen Macau. Sind die immensen Produktionskosten vergeudet – oder klug investiert?

Im chinesischen Macau steht der Gegenstand des teuersten Werbespots der Welt: Das Luxuskasino „Studio City“. ap

Im chinesischen Macau steht der Gegenstand des teuersten Werbespots der Welt: Das Luxuskasino „Studio City“.

Im nächsten Leben möchte ich als Leonardo DiCaprio wiedergeboren werden. Oder als Brad Pitt. Daran würde mir nur nicht gefallen, dass ich dann mit der etwas angespannten Angelina Jolie zusammen sein müsste. Eine neue Existenz als Robert De Niro wäre mir auch recht. Warum? Alle drei treten im teuersten Werbespot aller Zeiten auf.

Mit Hollywoodlegende Martin Scorsese als Regisseur. Der lässt De Niro und DiCaprio um eine sehr begehrte Rolle buhlen. Ort des Geschehens ist das Luxuskasino „Studio City“ im chinesischen Macau. Der Spot, im Stil der Ocean’s-Eleven-Filme, hat 60 Millionen Euro gekostet und bewirbt eben dieses Kasino.

Bämmm! Was für eine Nachricht. Und die ging in kürzester Zeit um die Welt. Medien auf dem gesamten Globus berichteten und zeigten den Trailer. Das hätte kein normaler Spot mit No-Name-Darstellern geschafft, der mit der gleichen Summe Mediageld unterstützt worden wäre. Das Geheimnis ist hier die Geschichte, die aus einer Werbeaktion eine Meldung macht. Die ist natürlich größenwahnsinnig. Genau wie der Anspruch des Macauer Kasinos in einem Atemzug mit Las Vegas genannt zu werden.

Britta Poetzsch ist Global Creative Director der Agentur Ogilvy.

Britta Poetzsch ist Global Creative Director der Agentur Ogilvy.

Umsatzmäßig haben die Chinesen die Wüstenstadt längt überholt. Nur das Image stimmt noch nicht. Anscheinend läuft das Kasinogeschäft ganz gut. Denn 60 Millionen hat man ja nicht gerade in der Kaffeekasse. Jeweils einen Sack mit Goldtalern im Wert von 13 Millionen hat jeder der Stars bekommen. Für zwei Tage Arbeit.

Wenn man schon so viel Kasino-Geld ausgeben kann, dann richtig. Oscar-Gewinner. Superstars. Hollywoods erste Liga. Perfekte Umsetzung auf Spielfilmniveau. Nun muss teuer nicht gleich gut sein. Aber die Nachricht "der zweitteuerste Werbespot aller Zeiten" wäre keine gewesen.

Natürlich kann man sich an dieser Stelle darüber aufregen, was man mit dem Geld alles hätte machen können. Aber aus kommunikativer Sicht haben die chinesischen Auftraggeber alles richtig gemacht. Lieber einen echten Knaller als 100 lauwarme Durchschnittsideen. Lieber die gesamte Medienwelt kostenlos berichten lassen als viel Geld in den Mediaeinkauf stecken. Falls Ihnen jemand einfällt, der mir für zwei Tage Arbeit 13 Millionen zahlt, sagen sie gern Bescheid. Ich komme auch nach Macau.Die Autorin: Britta Poetzsch ist Global Creative Director der Agentur Ogilvy. Sie ist eine von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Die Autorin: Britta Poetzsch ist Global Creative Director der Agentur Ogilvy. Sie ist eine von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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