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17.10.2014

19:57 Uhr

Der Werber-Rat

Wechselfieber

VonChristoph Metzelder

Kaum hat die Bundesligasaison begonnen, da klagen die Trainer über zu viele Verletzte. Eine kleine Regeländerung würde da helfen. Zum Beispiel schont der fliegende Wechsel die Akteure und macht die Spiele spannender.

Die Belastung der Spieler sei zu hoch – auch beim FC Bayern. dpa

Die Belastung der Spieler sei zu hoch – auch beim FC Bayern.

Auch die Regeln des Fußballs stehen im kontinuierlichen Wandel. In regelmäßigen Abständen wird im Fußball das angetastet, was die Pioniere vom FC Sheffield, übrigens der erste Fußballklub der Welt, verbindlich festgelegt hatten. Neben einigen sinnvollen Änderungen wie der Einführung der Rückpassregel, wird aber auch immer wieder über Blödsinn diskutiert: größere Tore, Golden Goals, passives Abseits.

Mit einem Thema hat sich aber bisher noch nie jemand ernsthaft auseinandergesetzt. Die Steilvorlage dafür lieferten in den letzten Wochen die Vereine selbst. Immer wieder hört man aus Bundesliga-Kreisen, dass die Belastung der Spieler zu hoch sei. Der Rhythmus aus Liga, Pokal, Europapokal und Länderspiel sei nahezu unmenschlich. Dabei wird geflissentlich übergangen, dass diese Situation zu weiten Teilen hausgemacht ist. Neben der regulären Belastung, schickt der FC Bayern seine Weltmeister auch mal für einen Kurzeinsatz in die USA.

Die einfachste Behebung dieses Problems könnte eins sein: ein unbegrenztes Ein-und Auswechseln! Bis 1967 durfte im Fußball übrigens niemand ausgewechselt werden, egal ob verletzt oder nicht. Der ehemalige Torwart von Manchester City, Bernd Trautmann errang Legenden-Status in England, als er im Pokalfinale 1956 mit gebrochenem Genick zu Ende spielte und den Sieg sicherte. Erst ab 1995 wurde die 3-Mann Auswechslung institutionalisiert.

Ein Blick auf andere Mannschaftssportarten aber zeigt: hochfrequentierte und fliegende Wechsel gehören dort längst zum Standard! Ob im Basketball, Handball oder Hockey, alle fitten Spieler sind auf der Bank und nehmen am Spielgeschehen teil. Der eine 20 Minuten, der andere nur 2 Minuten, dennoch sind alle beteiligt.

Der Effekt einer Regelumstellung wäre sowohl für den Kader, aber auch für die Zuschauer relevant. Spiele würden an Dynamik gewinnen und jede Spielsituation hätte auf einmal eine ganz eigene Brisanz, wenn neue Akteure eingreifen würden. Jeder einzelne Spieler hätte mehr Profil, mehr Nische. Fußball ist Entertainment pur und in einem Markt, wo gefühlt schon über alles geredet und vieles beworben wird, gibt es immer noch den klassischsten Weg: Innovation am Produkt!

Der Autor:

Christoph Metzelder ist Mitinhaber der Agentur Jung von Matt/Sports. Er ist einer von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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