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22.10.2015

09:54 Uhr

Der Werber-Rat

Weibliche Vorbilder gesucht!

VonBritta Poetzsch

Der Kreativbranche fehlen immer noch starke weibliche Persönlichkeiten – und die wenigen Top-Frauen an der Spitze sind fast immer kinderlos. Es fehlen weibliche Vorbilder für den Nachwuchs.

„Es gibt auch immer noch das männlich-machohafte Gehabe in den Agenturen.“ Eine Mitarbeiterin aus der Kreativbranche machte jüngst ihrem Unmut bei Facebook Luft. dpa

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„Es gibt auch immer noch das männlich-machohafte Gehabe in den Agenturen.“ Eine Mitarbeiterin aus der Kreativbranche machte jüngst ihrem Unmut bei Facebook Luft.

Vergangene Woche fand die Jahreshauptversammlung des Vereins statt, in dem ich Mitglied bin. Der Verein heißt Art Directors Club (ADC) und hat das Ziel, die kreative Exzellenz im Bereich Kommunikation in diesem Land zu fördern. Den Verein gibt es schon sehr lange. Über 55 Jahre. Jedes Jahr werden Ehrentitel vergeben.

In 55 Jahren haben es insgesamt drei Frauen geschafft, mit diesen Ehrentiteln ausgezeichnet zu werden. Deshalb hatte jemand dieses Jahr die Idee, doch ganz bewusst sich mal auf die Suche nach Frauen zu begeben, die diese Auszeichnung verdient hätten, und auch nur Frauen zu nominieren.

Die Empörung war groß. Die Diskussionen heftig. Es wurde die Frage diskutiert, ob man als Frau denn diesen Ehrentitel annehmen darf, wenn nur Frauen zur Wahl stehen. Ist dann so ein Titel überhaupt noch was wert? So ganz ohne männliche Konkurrenz im Feld? Die Situation ist, dass nur zehn Prozent des Vereins aus Frauen bestehen.

Und genau da liegt der berühmte Hase im Pfeffer. Machen Frauen die schlechtere Arbeit? Sind sie weniger kreativ? Sicher nicht. Aber ausgerechnet die Branche, die sich auf die Fahnen schreibt, innovativ zu denken, hat die am wenigsten innovativen Arbeitsmodelle für Frauen. Die wenigen, die es an der Spitze der Agenturen gibt, eint vor allem eines: Sie haben fast nie Kinder.

Britta Poetzsch ist Global Creative Director der Agentur Ogilvy.

Britta Poetzsch ist Global Creative Director der Agentur Ogilvy.

„Es gibt sie immer noch: die Anwesenheitspflicht von 9 bis 22 Uhr. Es gibt auch immer noch das männlich-machohafte Gehabe in den Agenturen. Kein Wunder, dass da junge, talentierte Frauen keine Lust zu haben“, schrieb eine Kollegin auf Facebook. Was fehlt, sind weibliche Vorbilder.

Eine Auszeichnung wie die des ADC kann helfen, solche Vorbilder sichtbar zu machen. Es wurden jede Menge fantastischer Frauen nominiert. Mehr als wir auszeichnen können. Übrigens: Sie werden nicht für ihr Geschlecht ausgezeichnet, sondern für ihre Leistungen.

Die Autorin: Britta Poetzsch ist Global Creative Director der Agentur Ogilvy.

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