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01.04.2015

20:13 Uhr

Der Werber-Rat

Weniger Ego, mehr Empathie

VonTorben Bo Hansen

Die Rolle des CEO im Wandel: Die unnahbaren Patriarchen haben ausgedient. Moderne Führungskräfte suchen die Nähe zu Mitarbeitern und Kunden. Sie sehen sich gerne als empathische Moderatoren.

Heute sind die Top-Etagen oft im Erdgeschoss angesiedelt und Selbstbild und Erfolgsmodell der Vorturner haben wenig Feldherrenhaftes an sich. dpa

Die neue Chef-Rolle

Heute sind die Top-Etagen oft im Erdgeschoss angesiedelt und Selbstbild und Erfolgsmodell der Vorturner haben wenig Feldherrenhaftes an sich.

Fällt der Begriff „Konzernlenker“, malen viele vor dem inneren Auge wohl noch immer Abziehbilder unnahbarer Persönlichkeiten, denen Charismatisches aus allen Poren quillt. Und Charismatiker in Top-Jobs gibt es natürlich - auch nach dem Tod von Steve Jobs - immer noch. Schnell fallen einem Sir Richard Branson von Virgin oder der Flügel-Verleiher Dietrich Mateschitz mit seiner Erfolgsgeschichte Red Bull ein.

Sie haben nur nichts mit den Patriarchen vergangener Epochen gemein, die sich meist abschotteten und ihren Status maßgeblich über eine Aura der Unfehlbarkeit, Unnahbarkeit und ritualisierte althergebrachte Zugangsbarrieren kultivierten.

Heute sind die Top-Etagen oft im Erdgeschoss angesiedelt und Selbstbild und Erfolgsmodell der Vorturner haben wenig Feldherrenhaftes an sich. Egal ob eher aus der Schule derer, die ihre eigene Person hinter die Marke zurücknehmen (wie Mateschitz), oder eher vom Typ Rampensau, der schlicht die Marke lebt (wie Branson) - das Modell des aufgeschlossenen, an Mitarbeitern und Kunden wahrhaft Interessierten scheint den Anforderungen der Zeit besser gerecht zu werden.

Torben Bo Hansen ist Mitinhaber der Agentur Philipp und Keuntje.

Der Autor

Torben Bo Hansen ist Mitinhaber der Agentur Philipp und Keuntje.

Beide Erfolgsmuster finden sich nicht nur bei Firmeninhabern, sondern - immer öfter - auch bei angestellten Spitzenkräften. Mein dänischer Landsmann Kasper Rorsted, dessen Entwicklung zum Vorstandsvorsitzenden von Henkel ich aus der Ferne beobachten konnte, ist ein Vor-Ort-Gestalter: Jährlich an über 160 Tagen auf Reisen zu Niederlassungen in aller Welt, nimmt er Witterung auf - mit Kunden in Supermärkten, bei Handelsgesprächen und in Treffen mit Mitarbeitern. Ohne Entourage - dafür mit Rollkoffer und einer offensichtlich starken Kondition. Dabei stets darauf bedacht, keine Personality-Show abzuziehen: Ein Facebook- oder Twitter-Profil sucht man vergebens.

Ganz anders John Legere, CEO von T-Mobile USA. Der Mann hat nicht nur eine eigene Puppe, die Legere-Doll. Er verfügt auch über 1,2 Millionen Twitter-Follower und lässt Gott und die Welt wissen, was er gerade mit Kunden und Mitarbeitern zusammen erlebt. Auch wenn der Mann viel sendet - ähnlich wie Rorsted ist er dennoch mehr Moderator, weniger Sender. Und beide eint überdies ihr Interesse an anderen.

Der Autor: Torben Bo Hansen ist Mitinhaber der Agentur Philipp und Keuntje.

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