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22.12.2015

21:32 Uhr

Der Werber-Rat

Weniger Verpackung, mehr Inhalt

VonArmin Jochum

Die Aura von profanem Luxus reicht längst nicht mehr – das Produkt muss einen zusätzlichen Mehrwert liefern. Stimmt aber dabei die Haltung des Unternehmens? Kann ich mich überhaupt guten Gewissens daran erfreuen?

Zum Jahresende präsentieren sich viele Champagnermarken mit einer schönen Verpackung. dpa

Luxus

Zum Jahresende präsentieren sich viele Champagnermarken mit einer schönen Verpackung.

Das Schätzchen im gläsernen Gewand lacht mich an. Eine Rotweinflasche, die schon erstaunlich viele Jahre auf dem Buckel hat, das kellergraue Etikett weiß allerhand zu erzählen. Das Ritual, den alten, bröseligen Korken behutsam zu entfernen, ist eine feierliche Prozedur. Mann gegen Kork. Und Vorfreude auf den Moment, wenn der erste Schluck den Gaumen in einen sensorischen Ausnahmezustand versetzt.

Armin Jochum ist Vorstand Kreation und Co-Gründer der Agentur Thjnk.

Armin Jochum ist Vorstand Kreation und Co-Gründer der Agentur Thjnk.

Das Jahresende naht. Für viele eine Zeit des Schenkens und sich selbst Belohnens, nicht wenige gönnen sich rund um die Feiertage eine Ausnahme vom Alltag. Eine famose Gelegenheit für Luxusmarken, neue Wege zu gehen, neue Kunden zu erobern.

Luxus ist Luxus. Und deshalb für die meisten eine nicht alltägliche Angelegenheit. Natürlich sind die Leute heute sehr wählerisch und zuweilen sehr, sehr anspruchsvoll. Das Geschenk für andere oder sich selbst soll allerhand Erwartungen gerecht werden. Die Aura von profanem Luxus reicht längst nicht mehr - das Produkt muss einen zusätzlichen Mehrwert liefern. Stimmt die Haltung des Unternehmens? Kann ich mich guten Gewissens daran erfreuen?

Unlängst begegnete mir eine erstaunliche Verpackung. Die Champagnermarke Veuve Clicquot präsentiert sich dieser Tage nämlich in einem schmucken Karton aus recycelten Trauben-Resten, der zu 100 Prozent biologisch abbaubar ist. Er unterscheidet sich auf den allerersten Blick durch eine besonders reduzierte und gelungene Gestaltung: Recycling-Karton mit Schwarz-Weiß-Kopie. Und auf den zweiten Blick mit einer schönen Geschichte: Erzählt er doch auf überraschende Art von der sehr besonderen Verbindung zu den Trauben. Chapeau!

Zum Jubeln habe ich selbst allerdings noch keinen Grund. Ich kämpfe noch mit dem betagten Kork, drücken Sie mir bitte die Daumen.

Der Autor: Armin Jochum ist Vorstand Kreation und Co-Gründer der Agentur Thjnk. Er ist einer von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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