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12.09.2012

08:06 Uhr

Der Werber-Rat

Wenn die bunte Blase platzt

VonFrank Dopheide

Bubble Tea war das neue Kultgetränk unter jungen Menschen. Seit kurzem gilt es als gefährlich und kalorienreicher als vier Gläser Cola. Die süßen Tees könnten aber noch gerettet werden.

Jugendliche trinken Bubble Tea: Aus Markensicht beste Voraussetzungen. dpa

Jugendliche trinken Bubble Tea: Aus Markensicht beste Voraussetzungen.

Wenn Sie Bubble Tea nicht kennen, waren Sie schon monatelang nicht mehr in der Innenstadt, legen null Wert darauf zu wissen, was gerade hipp ist und gehören nicht zur Zielgruppe der unter 25-Jährigen. Bubble Tea ist nämlich schwer angesagt. Das hippe Getränke für die "Styler" von heute, erklärt meine Tochter Linda, und die jungen Kräfte unserer Agentur saugen zustimmend an ihren Strohhalmen.

Der Tee entblättert sich bei näherem Hinblicken als Sirup, plus Tee, plus Eiswürfel, plus einem Schuss Milch (auf Wunsch).

Bunt und süß, alkoholfrei und kalorienreicher als vier Coke. Der "Kick" sind die erbsengroßen Perlen - in 101 Geschmackssorten: von Aloe Vera bis zu braunem Zucker. Konzentriertes Saugen lässt die Fruchtperlen durch den dicken Strohhalm in den Mund schweben. Mit einem Biss platzt die klebrige Süße auf der Zunge. Alles in allem, ziemlich naturfrei.

Frank Dopheide ist Inhaber der Agentur Deutsche Markenarbeit.

Frank Dopheide ist Inhaber der Agentur Deutsche Markenarbeit.

Aus Markensicht hat Bubble Tea beste Voraussetzungen, um die Jugend und den Markt zu erobern. Der Tee verspricht Spaß, Kreativität und einen fröhlichen Umgang mit dem Durst. Er bietet Individualität, denn jede Kombination von Sirup-Tee und Bläschen ist anders. Und er kommt aus Asien, der Heimat des Tees, was den Coolnessfaktor bei der Manga-Generation mächtig erhöht. Tokio Lifestyle - jetzt auch in Bochum.

Unaufhaltsam schossen die "Bubble Tea Spots" aus dem Innenstadtboden. Nun kam, was kommen musste: Nicht nur Verbraucherschützer, auch Kinderärzte und staatliche Lebensmittelkontrolleure warnen vor den Blasen.

Sie erklärten einhellig: Schluss mit lustig. Die Tees machen dick, die Perlen bleiben kleinen Kindern im Hals stecken, und der Sirup ist voller Styrol, Acetophenon und bromierten Substanzen. Schlimmer geht's nimmer. Eine Pressewelle schwappte durchs Land. Bürger stellen die Vertrauensfrage, und Wettbewerber Fanta & Co. freuen sich. Jetzt stehen die Teestuben mit dem Rücken an der Wand und wissen sich nicht zu wehren: kleine Einzelkämpfer vom anderen Ende der Welt, die keiner kennt.

Will der Bubble Tea auch morgen noch eine Zukunft haben, hat er zwei Möglichkeiten: Die Anbieter werfen ihr Werbegeld in einen Topf, melden sich zu Wort und erfinden ein Qualitätssiegel plus neue kalorienarme Sorten; oder eine Marke unseres Vertrauens wie Bionade setzt den Teekessel auf und bringt eigene Blasen unters Volk. Der Markt ist da. Das sollten sich unsere Markenhersteller nicht entgehen lassen.

Der Autor:

Frank Dopheide ist Inhaber der Agentur Deutsche Markenarbeit. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare (2)

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Steffi

12.09.2012, 13:04 Uhr

Da ich selber in einem Bubble Tea Laden arbeite, bemerke ich es natürlich das die Leute sich zu sehr auf die Medien konzentrieren. Mein Gedanke war es auch schon das Coca Cola hinter der Hetze macherei steht. Sollen die Leute sich doch mal darauf konzentrieren das immer mehr Kinder im Alter von 10 und aufwärts Energy trinken ist das Gesund? Nein aber dazu sagt keiner was! Aber das wir eventuell unsere Arbeitsplätze verlieren durch die Hetzerei der Medien daran denkt keiner!!!! Traurig Deutschland

paula

16.09.2012, 19:12 Uhr

Da stimme ich der Steffi voll zu. Wahrscheinlich ist Bubble Tea zu schnell zu gross in Deutschland geworden und andere neue "In"-Getränke waren nicht mehr so angesagt.Komisch ist nur, dass bis dato jeden Tag negativ Meldungen in der Presse zu lesen waren und jetzt nix mehr. Auch wurde der Name des Ladens oder der Kette nicht genannt und natürlich sind gleich alle Läden abgestempelt. Bubble Tea Läden gibt es auf der ganzen Welt aber nur in Deutschland wird so ein Theater gemacht.
Paula

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