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19.11.2015

21:58 Uhr

Der Werber-Rat

Wenn die Sprache Waffen trägt

Im Kampf gegen den IS wird aufgerüstet – auch und gerade sprachlich. Ein Versuch, die eigene Ohnmacht zu bekämpfen, meint Britta Poetzsch – ob mit „voller Härte“ oder Symbolen für Frieden und Anteilnahme.

Im Wembley-Stadion singen beim Freundschaftsspiel zwischen England und Frankreich 80.000 Menschen die Marseillaise. AFP

Symbol der Solidarität

Im Wembley-Stadion singen beim Freundschaftsspiel zwischen England und Frankreich 80.000 Menschen die Marseillaise.

Was soll man nach den Anschlägen in Paris in einer Kolumne schreiben, in der sich alles um Kommunikation dreht? Eine Kolumne, die thematisiert wie man die Herzen von Verbrauchern gewinnt. Alles scheint banal. Jedes Wort falsch. Was bleibt ist die Beobachtung. Wer kommuniziert in dieser Situation wie?

Die Politiker rüsten gerade sprachlich auf. Da ist von „Kampf“, von „voller Härte“ von „Feinden“ und „Gegenschlägen“ die Rede. Der Begriff vom „3. Weltkrieg“ macht die Runde. Wozu diese sprachliche Bewaffnung? Die Bevölkerung ist eh alarmiert. Einsätze gegen IS-Stellungen sind auch vorher schon geflogen worden. Weil wir hoffen, mit Worten unsere Angst besiegen zu können.

Die Worte vermitteln, dass ihnen Handlungen folgen. Wenn gehandelt wird, dann haben wir das Gefühl, die Situation sei beherrschbar. Gerade deshalb ist es jetzt so wichtig, die richtigen Worte zu finden. Oder die richtigen Bilder und Symbole.

In den sozialen Medien wurden wenige Stunden nach den Anschlägen zwei Grafiken zum Symbol für die Trauer und den Wunsch nach Frieden. Ein weinendes Auge in den französischen Farben und der Eiffelturm umgestaltet zu einem Peace-Zeichen. Diese Symbole werden nicht von Werbe- oder Designprofis ausgedacht. Jemand stellt sie ins Netz und wenn sie den Nerv treffen, verbreiten sie sich von selbst. Aus der digitalen finden sie in den Weg in die mediale Welt.

Britta Poetzsch ist Global Creative Director der Agentur Ogilvy.

Britta Poetzsch ist Global Creative Director der Agentur Ogilvy.

Es ist nicht mutig, sein Facebookprofilbild in die französischen Farben zu tauchen. Aber auch hier geht es vor allem darum, der eigenen Ohnmacht und dem Entsetzen eine Form zu geben. Viele Menschen finden den besten Ausdruck für alles, was sie bewegt, in der französischen Nationalhymne. Die Marseillaise wurde geschrieben, um Soldaten zu motivieren. Die Worte von 1792 klingen seltsam aktuell. Sie rufen zum Kampf auf. Leider nicht zum Frieden.

Die Autorin: Britta Poetzsch ist Global Creative Director der Agentur Ogilvy. Sie ist eine von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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