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20.08.2015

22:06 Uhr

Der Werber-Rat

Wenn die Überfrau gefragt ist

VonBritta Poetzsch

Es braucht mehr Frauen in Führungspositionen. Allerdings sollte die Debatte etwas entschärft werden. Eine neue Studie zeigt: Frauen sind mitnichten die besseren oder gar „menschlicheren“ Chefs.

„Wir Frauen sind also entlastet davon, die besseren Menschen sein zu müssen.“ dpa

Frauen in Führungspositionen

„Wir Frauen sind also entlastet davon, die besseren Menschen sein zu müssen.“

Es gibt viel zu wenig Frauen in Führungspositionen. Da sind sich alle einig. Finde ich auch. Vor allem in meiner Branche gehört es zu den interessanten Phänomenen, dass mehr Frauen als Männer als Kreative, Beraterinnen, Mediaplanerinen oder Strateginnen arbeiten, aber nur ganz wenige sich in der Geschäftsführung wiederfinden.

Von einer Frau in Führungsposition erwarten ja alle auch immer ein kleines Wunder. Der weibliche Führungsstil soll sozial kompetenter sein. Bessere Dialogfähigkeiten werden vorausgesetzt. Frauen führen irgendwie sanfter, verständnisvoller und kommunikativer. Alles Dinge, die den Frauen per se zugeschrieben werden. Frauen sollen als nicht nur führen, sondern dabei so eine Art Überfrau sein.

Britta Poetzsch ist Global Creative Director der Agentur Ogilvy.

Britta Poetzsch ist Global Creative Director der Agentur Ogilvy.

Jetzt hat eine Studie der Universität Hohenheim herausgefunden: stimmt nicht. Frauen sind nicht die besseren oder sagen wir lieber „menschlicheren“ Chefs. Sie haben sogar beim Punkt „Verträglichkeit“ deutlich schlechter abgeschnitten. Mit Verträglichkeit ist die Fähigkeit gemeint, Kompromisse einzugehen und einvernehmliche Lösungen zu finden. Der ein oder andere wird an dieser Stelle einwerfen: „Hab ich das nicht schon immer gewusst. Alles Zicken da oben!“

Ich finde diese Studie erfrischend und beruhigend. Denn sie hat auch herausgefunden, dass es keine großen Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Vorgesetzten gibt. Es scheint vielmehr so zu sein, dass es bestimmte Persönlichkeitsmerkmale gibt, die Führungskräfte gemeinsam haben. Und die sind wahrlich nicht an ein X- oder Y-Chromosom gebunden.

Wir Frauen sind also entlastet davon, die besseren Menschen sein zu müssen. Wir sind nicht kompromissbereiter oder weniger durchsetzungsfähig. Wir machen die gleichen Fehler wie die Männer. Das ist menschlich und nicht weiblich.

Die Autorin: Britta Poetzsch ist Global Creative Director der Agentur Ogilvy.

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