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06.02.2013

11:07 Uhr

Der Werber-Rat

Wenn Ron Hubbard zweimal klingelt

VonFrank Dopheide

Scientology plant eine Werbekampagne und hat dafür rund 70 Agenturen angeschrieben. Die Reaktionen der Werber fallen unterschiedlich aus. Vielleicht sollte Scientology eine eigene Agentur "Ron" gründen.

Frank Dopheide ist Inhaber der Agentur Deutsche Markenarbeit.

Frank Dopheide ist Inhaber der Agentur Deutsche Markenarbeit.

Wir werden in diesen Tagen Zeuge eines seltenen Schauspiels. Ein Neukunde mit ernsthaftem Werbebudget klingelt bei 70 Agenturen und niemand öffnet die Tür. Scientology allein im kalten Flur. Die Zeugen Jehovas können ein Lied davon singen. Es gibt Marken, die hat man nicht gern im Haus. Das gibt nur Gerede und böses Blut. Der Fall wirft eine interessante Frage auf: Für wen darf man werben?

Scientology gilt als weltanschauliche Organisation mit dem schlechtesten Leumund rund um den Globus. Während sie in den USA als Religionsgemeinschaft staatlich anerkannt und steuerbefreit ist, hält bei uns der Verfassungsschutz sein wachsames Auge auf die Truppe. Sie ist uns suspekt.

Allerdings ist die Organisation, die Ron Hubbard einst gründete, nicht verboten. Sie betreibt zehn Kirchen und 14 Missionen in unserem Lande und hat knapp 5 000 Mitglieder. Die Markenbekanntheit erreicht über 90 Prozent. Die Markenakzeptanz tendiert allerdings gegen null.

Doch um in der deutschen Agenturwelt Gehör und Abnehmer für das siebenstellige Budget zu finden, braucht Scientology ein Wunder. Schließlich ist die Gefahr, dass die gesamte Agentur vom Hubbard-Virus befallen wird, virulent. Hohes mediales Fieber schon am Tag der Ansteckung mit öffentlichen Gesprächstherapien bei Anne Will und Maybrit Illner. Seitenlange Krankenberichte in der "Bild". Freunde, Kunden und Mitarbeiter wenden sich ab. Innerhalb von Tagen mutiert die Agentur zum Aussätzigen. Selbst das handgeschriebene Entschuldigungsschreiben des globalen Networkchefs als ganzseitige Anzeige kann das Siechtum nicht stoppen. Die Agentur wird zum Pflegefall.

Sabine Weber, die Präsidentin der Scientology Kirche Berlin, wird sich etwas anderes einfallen lassen müssen, um das Image ihrer Organisation zum Positiven zu wenden. Was liegt näher, als die eigene Agentur "Ron" zu gründen? Schließlich ist Scientology die einzige "religiöse Organisation", die Profitstreben und Gewinnorientierung predigt.

Und wenn der Coup gelingt, stehen "Ron" Türen in aller Welt offen. Schließlich gibt es zahlreiche Staaten, Oligarchen und Industrien, die dringend einer Imagekorrektur bedürfen. Bis dahin gilt das Schild vom Supermarkt: Wir müssen draußen bleiben.

Der Autor:

Frank Dopheide ist Inhaber der Agentur Deutsche Markenarbeit. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare (15)

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Qwert

06.02.2013, 15:24 Uhr

Ein interessanter Artikel ... "Die Markenbekanntheit erreicht über 90 Prozent." WIe ich gehört habe, hat die Scientology Kirche auch einen Webespot in der Halbzeitpause des Super Bowls letzte Woche gezeigt gehabt ... meine Meinung: die Scientology Kirche hält sich seit Jahrzehnten mehr als waker auf dem globalen Schlachtfeld der Medien, wo viele schon längst untergegangen wären. Und die Wahrheit wird am Ende obsiegen, man muss einfach weiter machen. Und so lange sollte sich jeder selbst informieren und sich sein eigenes Bild machen.

GeorgeO

06.02.2013, 15:49 Uhr

Boah, ich lach mich schepps :-) Auch die "berühmten" Aushängeschilder aus USA sind schon eine Zumutung an sich. Erkennt man in diesem Land die "Filialen" (kann man das wirklich "Kirchen" nennen, was von außen aussieht wie ein türkischer Men-Club?) immer noch an den aussen montierten Kameras zur Gehwegüberwachung? Ich war schon länger nicht mehr in Frankfurt bei den Banken um die Ecke...

LOL

Moser

06.02.2013, 16:18 Uhr

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