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10.03.2014

10:57 Uhr

Der Werber-Rat

Wer die Lunte anzündet

VonBodo Hombach

Kriege entstehen in den Köpfen: Menschen, die eben noch gut nachbarlich zusammenlebten, verwandeln sich plötzlich in Russen oder Ukrainer, in Hutus oder Tutsis, in Protestanten und Katholiken.

Was braucht man für den Krieg? Ein System, das soziale Probleme verdrängt, bis sie Zündtemperatur erreichen. Verschiedene Volksgruppen, die sich gegeneinander treiben lassen. Großmächte, die noch immer meinen, sie müssten den Globus unter sich aufteilen. Der Rest ergibt sich fast automatisch. ap

Was braucht man für den Krieg? Ein System, das soziale Probleme verdrängt, bis sie Zündtemperatur erreichen. Verschiedene Volksgruppen, die sich gegeneinander treiben lassen. Großmächte, die noch immer meinen, sie müssten den Globus unter sich aufteilen. Der Rest ergibt sich fast automatisch.

Kriege entstehen in den Köpfen, lange bevor die Waffen das Regiment übernehmen. Reale Fakten wie massenhafter Tod und Zerstörung sind vielfach ein Ergebnis von Fiktionen. Menschen, die eben noch gut nachbarlich zusammenlebten, verwandeln sich plötzlich in Russen oder Ukrainer, in Hutus oder Tutsis, in Protestanten oder Katholiken und in angebliche Erbfeinde, die sich auf uralte offene Rechnungen berufen.

Was braucht man noch? Einen Diktator, dessen Lebensentwurf im Erhalt persönlicher Macht und des zusammengeraubten Geldes besteht. Ein System, das soziale Probleme nicht bearbeitet, sondern staut, bis sie Zündtemperatur erreichen. Verschiedene Volksgruppen, die man gegeneinander treiben kann. Eine politische Stromschnelle, die vieles durcheinanderwirbelt. Ringsum Großmächte oder Blöcke, die noch immer meinen, sie müssten den Globus unter sich aufteilen.

Autor Bodo Hombach ist Jurymitglied für die Verleihung des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises und Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik.

Autor Bodo Hombach ist Jurymitglied für die Verleihung des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises und Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik.

Der Rest ergibt sich fast automatisch. Brandstifter, Stammtischdemagogen und skrupellose Medien verwandeln Ressentiments in Parolen, Provokationen in Handgreiflichkeiten und diese in Pulver. Wer dann die Lunte anbrennt, ist schon gleichgültig.

Man unterbreche ein – sagen wir – dreijähriges Kind beim Spiel und versuche, ihm den Konflikt um die Krim zu erklären. Man teile ihm mit Bedauern mit, Vater, Mutter, Freunde würden nun vielleicht bei Kampfhandlungen getötet, das Land würde zerstört, und es selbst müsse Jahre in Angst, Flucht, Elend verbringen. Dafür gäbe es halt geostrategische Gründe, Interessensphären, Rüstungsprofite und den Ehrgeiz irgendwelcher Staatsoberhäupter.

Auch die nationale Ehre ließe leider nichts anderes zu. Der Krieg sei alternativlos. Er werde ungeheure Kräfte und Summen vergeuden, die dann für Schulen und Krankenhäuser fehlen, und vermutlich werden auch Hass- und Rachegefühle das Leben der nächsten Generationen vergiften, aber einfach auf Gewalt zu verzichten, geduldig zu verhandeln und vielleicht sogar Zugeständnisse zu machen, das sei nun mal ein Zeichen der Schwäche und nicht akzeptabel. Immerhin werde man am Ende vielleicht erreicht haben, dass alles wieder so ist wie vorher.

Wem es nicht gelingt, dieses Kind zu überzeugen, der sei verflucht.

Der Autor:

Bodo Hombach ist Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik und Vorstand der Brost-Stiftung. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

10.03.2014, 11:19 Uhr

Im Fall der Ukraine hat die EU/USA diese Lunte angezündet, in dem sie sich bei den Bürgerprotesten gegen die Regierung nicht NEUTRAL verhalten haben und einseitig die Opposition/Militante Antiregierungsgruppen unterstützt haben!

Account gelöscht!

10.03.2014, 12:44 Uhr

Hier hat Herr Bodo Hombach ein sehr kritisches Thema angesprochen: "ein soziales System, das Probleme nicht löst, sondern anstaut" und eine Diktator. Dies kommt mir irgendwie sehr bekannt vor, nein nicht für irgendwo in Afrika, sondern für hier bei uns in Deutschland. Zwar haben wir keinen "Diktator" aber für die Menschen, welche mit der Regierung und den Lösngsstrategien der "Regierung" nicht einvertanden ist ist das vielleicht gar nicht so wesentlich. Ein Diktator hätte, dem gegenüber, was wir haben noch den Vorteil eines klaren Feindbildes. Heute ist man darüber fustriert, das wenn es mal in unserer "Demokratie" zu wild läuft der entsprechende Politiker mit viel Theater ersetzt wird aber für sein Handeln nicht oder nur in einem nicht passendem Maße bestraft wird. Politiker können machen was sie wollen und einmal in 4 oder 5 Jahren kommt dann die Stimme des Volkes zum vorschein. Falsch, sie können nicht machen was sie wollen, sie müssen machen, was die Partei sagt, sonst werden sie rausgeschmissen. Sie sind Vertreter der Partei, aber nicht des Vokes was sie gewählt hat. Das ist eingentlich fast gotesk. In Deutschland kommt hinzu, das Probleme totgeschwiegen masiv werden. So, werden z.B. ausländische z.B. türkische Straftäter in den Nachrichten "eingedeutscht". Aus einem Memet Coscun wird ein M.Müller mit dem Zusatz "Name von der Redaktion geändert". Hier in Deutschland brauchte man keine Lunte, hier reicht ein kleiner Funke. Und ehrlich gesagt, darüber bin ich sehr besorgt.

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