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08.11.2013

18:25 Uhr

Der Werber-Rat

Wertvolle Geheimniskrämerei

VonBodo Hombach

Ein Geheimnis bewahren zu können, macht Freude und Freunde. Wehe den Menschen, die dieses Vertrauen enttäuschen! Sie verraten nicht nur das Geheimnis. Sie zerrütten die Kommunikation.

Blick durchs Schlüsselloch: Vor anderen ein Geheimnis haben ist nicht nur Wesensmerkmal des sich entwickelnden Kindes. dpa

Blick durchs Schlüsselloch: Vor anderen ein Geheimnis haben ist nicht nur Wesensmerkmal des sich entwickelnden Kindes.

„Wer nichts zu verbergen hat, hat nichts zu befürchten.“ Der Lieblingssatz aller Rasterfahnder ist so verbreitet wie falsch.

Der Mensch ist auch dadurch definiert, dass er Geheimnisse hat. Ein kleines Kind zeigt erste Anzeichen seiner Persönlichkeit, wenn es Spielzeug oder sich selbst vor anderen versteckt. Ein Geheimnis bewahren können macht Freude und Freunde. Später ist das eigene Zimmer oder das Tagebuch Ort lebenswichtiger „Geheimnistuerei“.

Autor Bodo Hombach ist Jurymitglied für die Verleihung des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises und Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik.

Autor Bodo Hombach ist Jurymitglied für die Verleihung des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises und Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik.

Vor anderen ein Geheimnis haben ist nicht nur Wesensmerkmal des sich entwickelnden Kindes. Es definiert auch das Verhältnis zu den anderen, zu Eltern und Geschwistern. Man traut ihnen zu und fordert es von ihnen, dass sie ein Geheimnis respektieren. Es macht sie zu Vertrauten, mit denen man verkehren möchte, weil man vertrauen will. Es übt die eigene Fähigkeit, ein fremdes Geheimnis zu respektieren. Wehe den Eltern oder Geschwistern, die dieses Vertrauen enttäuschen! Sie verraten nicht nur das Geheimnis. Sie zerstören ein Verhältnis. Sie verraten einen Menschen.

Sie zerrütten die Kommunikation. In der Masse reduzieren sie die Gesellschaft auf niedrigeres Niveau: Komplizenschaft, Gewaltsamkeit und gegenseitige Verachtung.

Diktatoren sind mentale Krüppel. Sie ertragen nicht, dass ihre Untertanen Geheimnisse haben. Sie verwanzen und bespitzeln das Land. Mit größtem Aufwand versuchen sie, in privateste Winkel zu leuchten. Eigenwillige Gedanken betrachten sie als „Verschmutzung“, die man mit Gehirnwäsche bereinigen muss. Die Mielkes aller Zeiten träumen von lückenloser Überwachung. Ihre Lieblingsvision ist ein Volk von Funktionären, das im Gleichschritt freiwillig, ahnungslos und begeistert seine innersten Regungen preisgibt. So kann man sie widerstandslos in jede Richtung steuern. Und jede Richtung ist der Untergang.

Mit den heutigen Möglichkeiten der Überwachung laufen die Mielkes zur Höchstform auf. Nicht die Technik, ihre menschenverachtende Haltung ist das Widerliche. Nicht technischer Fortschritt, sondern dass sie ihn missbrauchen, ist das Entscheidende. Geheimdienste sind nur ihre Vollstrecker.

Ich sollte von der NSA-Affäre reden, aber dafür reicht der Platz nicht.

Der Autor:

Bodo Hombach ist Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik und Vorstand der Brost-Stiftung.

Kommentare (1)

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Rumor

08.11.2013, 18:47 Uhr

Tja, der wertvolle Platz, wo wir uns befinden, nämlich hier beim "HB" reicht nicht....lol

Wir haben auch so verstanden, wenn Herr Hombach nur ganz allgemein von Geheimnissen redet und von deren Notwendigkeit. Meint er nun die "Geheimnisse" der NSA oder die Geheimnisse der Ausgespähten?

Das muss leider im Ungwissen bleiben.Oder doch nicht?.

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