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13.12.2012

07:47 Uhr

Der Werber-Rat

Wie ein Ententanz die Welt erobert

VonFrank Dopheide

Der Gangnam Style knackt im Netz alle Rekorde – und das, obwohl er keine klassischen Marketingrezepte befolgt. Doch das Erfolgsgeheimnis ist diesmal bestechend einfach – womit sich Gangnam wohltuend vom Rest abhebt.

Der südkoreanische Popstar Psy wird es wohl es als erster schaffen, mehr als eine Milliarde Menschen mit einem Musikvideo im Netz zu erreichen. AFP

Der südkoreanische Popstar Psy wird es wohl es als erster schaffen, mehr als eine Milliarde Menschen mit einem Musikvideo im Netz zu erreichen.

Am Phänomen Gangnam Style werden die Erfolgsberater verzweifeln. Ein Musikvideo aus der Hitmetropole Südkorea, das fast 900 Millionen Menschen angeklickt und mitgesungen haben. Jeden Tag kommen zehn Millionen Zuschauer hinzu. Es wird als erster Film die Milliardengrenze im Netz knacken und in keinem Jahresrückblick fehlen. Auch beim mehrmaligen Hinsehen habe ich keine Idee warum.

Frank Dopheide ist Inhaber der Agentur Deutsche Markenarbeit.

Frank Dopheide ist Inhaber der Agentur Deutsche Markenarbeit.

Das Video widerspricht allen Rezepten erfolgreicher Viralfilme. Es ist nicht sexistisch oder beleidigend. Es liefert keinen Beweis, dass Elvis oder Bigfoot leben. Es ist nicht brüllend komisch und bietet keine atemberaubenden Bilder. Aber es hat den MTV Music Award als „Best Video“ gewonnen. Es war die Nummer eins der deutschen Charts und in zahllosen weiteren Ländern.

Und alle machen mit: die Uno und ihr Generalsekretär Ban Ki-Moon, Rennfahrer Sebastian Vettel und der chinesische Künstler Ai Weiwei tanzen den Gangnam Style. Der koreanische Sänger Psy wirkt noch überraschter als ich.

Gangnam, benannt nach einem Szene-Stadtteil in Seoul, ist frisch. Ein Liedgut aus einer wenig beachteten Musikszene der Welt. Mit heiterem Frohsinn, setzt es sich wohltuend von den üblichen Kriegserklärungen der Hip-Hop- und Rapperwelt ab. Es ist intentionslos und einfach unterhaltsam. Es ist frei verfügbar, verzichtet auf Rechte und lädt jedermann und jederfrau zum Mitmachen ein.

Und die zelebrierten Bewegungen sind leicht zu lernen. Ententanz 2.0 sozusagen. So wird es zum perpetuum mobile – es bewegt sich von allein. Es wird größer und größer. Plötzlich kann jeder von uns Teil von etwas Großem sein: dem größten Video aller Zeiten. Das verbindende Element in einer individualisierten Welt scheint große Faszination auszuüben.

Und das zahlt sich aus. Gangnam wird cool. Die Mietpreise steigen. Nicht nur die Musikindustrie boomt. Die Aktien der in Gangnam beheimateten Firmen wie Samsung und Hyundai legen zu. Der Kurs des Weltmarktführers für Smartphones erreicht ein „all time high“. Seoul wird zum beliebten Reiseziel. Britisch Airways reagiert und erhöht die Flugfrequenz auf sechs Flüge pro Woche. Es gibt Dinge, die kann man sich nicht ausdenken. Wie schön.

Der Autor:

Frank Dopheide ist Inhaber der Agentur Deutsche Markenarbeit. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare (1)

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Ted

12.12.2012, 08:00 Uhr

"Gangnam, benannt nach einem Szene-Stadtteil in Seoul, ist frisch. Ein Liedgut aus einer wenig beachteten Musikszene der Welt."

Dies widerspricht der eigentlichen Situtation komplett. Etwas Recherche wuerde helfen.


"Und das zahlt sich aus. Gangnam wird cool."
Das Lied kritisiert den Stadtbezirk weil dort, zum groessten Teil, nur sehr wohlhabende Leute wohnen.

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