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11.04.2013

14:18 Uhr

Der Werber-Rat

Wie Facebook für ungebetene Gäste sorgt

VonStefan Kolle

Facebook wird für Marken immer mehr zum Beliebtheitsbarometer. Unternehmen versuchen deshalb mit aller Macht Fans und Freunde zu angeln, wenn nötig zu kaufen. Doch das vergrault vor allem die jungen Nutzer.

„Stetige Zunahme von uneingeladenen Werbegästen“: Facebook-Gründer Marc Zuckerberg bringt immer mehr Reklame auf die Seiten der Nutzer des sozialen Netzwerks. Reuters

„Stetige Zunahme von uneingeladenen Werbegästen“: Facebook-Gründer Marc Zuckerberg bringt immer mehr Reklame auf die Seiten der Nutzer des sozialen Netzwerks.

Stellen Sie sich vor, Sie geben eine Party für Ihre Freunde und ein großer Brausehersteller bietet an, Sie kostenlos mit Getränken zu versorgen, wenn er ein paar Werbebanner aufhängen darf. Fairer Deal, denken Sie vermutlich und nehmen das Angebot an. Die Party wird ein Erfolg.

Jetzt stellen Sie sich vor, Sie geben eine Party, und neben den Freunden tauchen ungefragt Vertreter der unterschiedlichsten Marken auf und versuchen, Ihren Freunden ihre Produkte zu verkaufen. Vermutlich wird die Party kein Erfolg.

Es mag viele Gründe dafür geben, dass Facebook viele User aus der Gruppe der 18-24-Jährigen an Dienste wie Instagram und Whats App verliert. Einer der Gründe dürfte jedoch genau dieses Phänomen sein: Was für die User gefühlt als privates Vergnügen begann, endete mit einer stetigen Zunahme von uneingeladenen Werbegästen. Dabei sind nicht die Marken, die man wirklich liebt, das Problem. Sie stehen für eine Haltung und ein Lebensgefühl, sie haben echte Fans und wirken in dem sozialen Austausch gleichgesinnter Gruppen nicht störend.

Stefan Kolle ist Geschäftsführer der Agentur Kolle Rebbe.

Stefan Kolle ist Geschäftsführer der Agentur Kolle Rebbe.

Das Problem ist, dass Facebook für viele Marken inzwischen nichts anderes ist als ein Beliebtheitsbarometer. Der Wettbewerber hat eine Million Fans und wir nur 20 000? Machen wir eine Gewinnspiel-App mit Teilnahme-Like. Und wenn das nicht reicht, kaufen wir uns einfach noch ein paar mehr Fans aus Indien oder Ägypten dazu. Fakt ist, dass das nichts daran ändert, dass in Wahrheit kein Mensch mit einer Nusscreme, einer Leberwurst oder einem Feinwaschmittel befreundet sein will. Es sei denn, Nusscreme, Leberwurst und Feinwaschmittel entpuppen sich als eloquente, inspirierende und ungewöhnliche Zeitgenossen. Solche, mit denen man gerne spricht.

Davon sind sie aber meilenweit entfernt. Das trägt dazu bei, dass die Gastgeber nach und nach genervt ihren eigenen Partykeller verlassen.

Selbst wenn Mark Zuckerbergs neuester Coup "Facebook Home", das neue Mobil-Zuhause für Facebook-User mit Android-Handy, zunächst werbefrei bleiben soll - sobald sich das ändert, dürfte sich das Szenario wiederholen. Die jungen Leute werden das tun, was sie halt immer irgendwann tun: Sie ziehen von zu Hause aus.

Der Autor:

Stefan Kolle ist Geschäftsführer Kreation der Agentur Kolle Rebbe in Hamburg. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare (1)

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DJRichou

11.04.2013, 19:49 Uhr

Wenn ich richtig informiert bin, gehört Instagram seit 2 Tagen zum Facebook-Portfolio. Wer Mark Zuckerberg bei Facebook "abhanden" kommt, taucht also beim Netzwerk für Photo-Sharing wieder auf. Und solange man bei Facebook - zumindest im spezifischen Fall mit Instagram - keinen Kannibalismuseffekt verzeichnet, kann der auf den ersten Blick verzeichnete Verlust von Nutzern in Wahrheit vielleicht auch gar keiner sein, wie ich finde.

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