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06.08.2014

13:08 Uhr

Der Werber-Rat

Willkommen auf dem Holzweg 2.0

VonTorben Bo Hansen

Werbung auf Nachrichtenseiten nervt, wenn sie das Lesen von Nachrichten verhindert. Vermeintlich kluge Köpfe glauben zwar, Reklame müsse nerven. Aber sie sind schiefgewickelt.

Ein Fluggast geht im Hamburger Flughafen an einer Werbetafel mit den Hamburger Landungsbrücken vorbei: Althergebrachte Reklame erzählte immer nur von Nutzen, ohne einen eigenen zu bieten. dpa

Ein Fluggast geht im Hamburger Flughafen an einer Werbetafel mit den Hamburger Landungsbrücken vorbei: Althergebrachte Reklame erzählte immer nur von Nutzen, ohne einen eigenen zu bieten.

Es liegt im Trend: Mit dem Smartphone ruft man auf einer Nachrichtenseite einen Artikel auf und noch bevor man anfangen kann, ihn zu lesen, legt sich flugs eine Anzeige anmutig darüber. Mit feingliedrigen Fingern trifft man schon im ersten Versuch das vorsorglich mit einem Kreuz markierte Feld zielgenau. Daraufhin kommt man auf die - gelegentlich sogar minibildschirmgerecht gestaltete - Seite des Werbenden und freut sich diebisch über die unverhoffte und oft intelligente Information dort.

Ohne die kombinierte zuvorkommende Weitsicht von Digitalvermarktern, Seitenbetreibern und Werbungtreibenden wäre einem das unschlagbare Angebot für ... (fügen Sie hier bitte eine beliebige Warenbezeichnung ein für etwas, das Sie entweder garantiert nicht brauchen oder gerade erst nach gründlicher Recherche gekauft haben) entgangen. Alle sind begeistert!

Torben Bo Hansen ist Mitinhaber der Agentur Philipp und Keuntje.

Der Autor

Torben Bo Hansen ist Mitinhaber der Agentur Philipp und Keuntje.

Oder wiederholt hier jemand nur alte Fehler auf nicht mehr ganz so neuem Neuland? Dabei beneide ich doch schon seit langem all jene, die ihre Wurzeln in der digitalen Kommunikation haben. Und zwar um deren konsequente Nutzenorientierung.

Althergebrachte Reklame erzählte immer nur von Nutzen, ohne einen eigenen zu bieten. Gute digitale Kommunikation strebte aber schon immer danach, nicht nur informativ oder unterhaltsam, sondern auch nützlich zu sein. Sie musste es, um aufgesucht und damit lebensfähig zu sein. Dachte ich jedenfalls.

Nun las ich in einem aufschlussreichen Streitgespräch in „Brand eins“, dass es kein Versehen ist, wenn Werbung online manchmal rasant ärgerlich ist. Denn ein Digitalvermarkter vertrat dort die Ansicht, Werbung müsse nerven, um zu wirken. Er legte nach: „Es gibt in unserer Branche eine Reihe kluger Köpfe, die sagen: Wir brauchen Formate, die noch stärker unterbrechen.“ Halleluja!

Liebe Werbungtreibende: Hört nicht auf „kluge Köpfe“, die nur ihre Formate verkaufen wollen. Sondern auf die gescheiten Digital-Köpfe, die mit einer Mischung aus charmantem Umwerben, echter Nützlichkeit und technologischem Geschick ihren Respekt vor dem Nutzer demonstrieren. Und zugleich der Marke wirklich dienen, die für ihre Arbeiten bezahlt. Die finden für Sie auch die schnellste Abfahrt vom Holzweg.

Der Autor:
Torben Bo Hansen ist Mitinhaber der Agentur Philipp und Keuntje.

Kommentare (4)

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Frau Bärbel Meier

06.08.2014, 13:54 Uhr

Sie haben absolut recht wenn Sie behauptendas Werbung teilweise nervt, genau wie Ihre seitlichen Einblendungen, die nerven auch ohne Ende

Herr Bernd Engesser

06.08.2014, 14:52 Uhr

Ich finde die nervende Werbung macht mir die Kaufentscheidung einfacher: alles was nervt kommt in meine Schwarze Liste und wird nie gekauft (gilt auch für Einblender beim Handelsblatt).

G. Nampf

06.08.2014, 16:59 Uhr

@Bernd Engesser

Dumm ist nur, daß die seitlichen Einblendungen im HB HB-Artikel betreffen.

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