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07.08.2012

06:42 Uhr

Der Werber-Rat

Yahoo setzt auf andere Umstände

VonInes Imdahl

Yahoo braucht keine Werbekampagne. Das Internetunternehmen setzt stattdessen auf eine werdende Mutter als neue Chefin. Doch sie muss aufpassen: Jeder ihrer Fehler wird auf die Schwangerschaft zurückgeführt werden.

Yahoo-Chefin Marissa Mayer. dpa

Yahoo-Chefin Marissa Mayer.

Die Ernennung Marissa Mayers zur Chefin von Yahoo hat eine Welle von Diskussionen in den Medien losgetreten. Viel mehr Aufmerksamkeit hätte Yahoo mit einer Werbekampagne kaum erreichen können. Die Ambivalenz und Vehemenz der Diskussion rund um das Kinder-Bekommen und die Karriere ist bewegend und erschütternd zugleich. Dennoch könnte das Verhalten Yahoos hier zum Lehrstück avancieren, wie man mit und um Frauen wirbt.

Zum einen wird es eine der größten Aufgaben der nächsten Jahre sein, attraktive Arbeitsbedingungen für talentierte Nachwuchskräfte zu bieten, die Arbeitgeber auch auf ihre Familienfreundlichkeit hin prüfen werden. Mayer wurde daher aus werbepsychologischer Sicht nicht trotz, sondern gerade wegen ihrer Schwangerschaft ausgewählt. Sie wirbt insgesamt für ein familienfreundliches, junges und kreatives Yahoo. Die Schwangerschaft selbst ist darüber hinaus Symbol für Wachstum, Entwicklung und Veränderung. Mayer wird zugetraut, ihren persönlichen Zustand auf das Unternehmensimage zu übertragen und Yahoo in gedeihliche Entwicklung zu bringen.

Ines Imdahl ist Psychologin und Inhaberin der Marktforschungsagentur Rheingold Salon.

Ines Imdahl ist Psychologin und Inhaberin der Marktforschungsagentur Rheingold Salon.

Zum anderen kommuniziert Yahoo ein neues Frauenbild, das hierzulande polarisiert. Verfechter eines uralten Mutterideals sehen durch arbeitende Mütter das Kindeswohl gefährdet, wenn Väter- oder Fremdbetreuung ins Spiel kommt. Sie appellieren an das Mutterherz, das wohl unmöglich ein fieberndes Kind der Nanny überlassen kann.

Umgekehrt wird Mayers berufliche Leistung mit anderem Maß gemessen: Jeder Fehler wird auf die Schwangerschaft und später auf ihr Muttersein zurückgeführt. Es wird nicht genügen, der männlichen Konkurrenz das Wasser zu reichen. Sie wird besser sein müssen, denn immer wird (zu) viel Libido beim Kind vermutet. Führungsfrauen wird also von zwei Seiten ein schlechtes Gewissen eingeredet. Gleichzeitig werden sie weder von Nur-Müttern noch von reinen Karrieremenschen geschont. Vielmehr wird versucht, ihnen auf allen Ebenen Unzulänglichkeit nachzuweisen. Frauen, die Kind und Karriere bereits jetzt erfolgreich vereinen, fühlen sich zuweilen einsam und unter Rechtfertigungsdruck.

Ich hoffe, es gelingt, mit Mayer zu zeigen, dass man einen verantwortungsvollen Job mit Kindern verbinden kann. Yahoo hätte dann mit seiner "Kampagne" einen entscheidenden Schritt zur Veränderung des Frauenbilds in der Gesellschaft beigetragen. Darüber wünsche ich mir alsbald die folgende Schlagzeile: Werdender Vater übernimmt Vorstandsvorsitz einer deutschen Bank!

Die Autorin:
Ines Imdahl ist Psychologin und Inhaberin der Marktforschungsagentur Rheingold Salon. Sie ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

07.08.2012, 19:59 Uhr

Vor allem zeigt man uns, dass die Frauenquote eine große Beleidigung für Frauen ist.
Denn hier ist eine unge tolle junge Frau, die ohne Quote nach oben kam. Ganz einfach, weil sie es kann

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