Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.07.2014

17:57 Uhr

Der Werber-Rat

Zu teure Praktikanten

VonMarianne Heiß

Das vom Bundestag verabschiedete Gesetz zum Mindestlohn hat etliche große Fehler. Es könnte dazu führen, dass viele Werbeagenturen künftig keine Praktikanten mehr beschäftigen wollen.

Den Mindestlohn hält Kolumnistin Marianne Heiß für volkswirtschaftlich schädlich. Besonders Praktikumsstellen seien gefährdet, wenn diese vergütet werden müssten. dpa

Den Mindestlohn hält Kolumnistin Marianne Heiß für volkswirtschaftlich schädlich. Besonders Praktikumsstellen seien gefährdet, wenn diese vergütet werden müssten.

Vielleicht liegt es einfach nur daran, dass ich die Fußballweltmeisterschaft mit weniger Leidenschaft verfolge. Trotzdem verwundert es mich, wie heftig ganz Deutschland darüber streitet, ob Philipp Lahm besser als Außenverteidiger spielen sollte und ob André Schürrle in die Startelf gehört oder nicht. Alle möglichen Vor- und Nachteile werden da nahezu episch ausgebreitet. Dabei gibt es ein Thema, das solch ausgiebige Diskussionen weit mehr verdient hat: der staatlich festgesetzte Mindestlohn.

Um es auf den Punkt zu bringen: Ich halte den Mindestlohn, der vergangenen Donnerstag vom Bundestag verabschiedet wurde, für volkswirtschaftlich fraglich und arbeitsmarktpolitisch schädlich. Der Staat mischt sich außerdem zu sehr in die Tarifautonomie ein - mit einem Gesetz, das große Fehler aufweist.

Marianne Heiß ist Finanzchefin der Agentur BBDO Germany.

Marianne Heiß ist Finanzchefin der Agentur BBDO Germany.

Einer dieser Fehler richtet sich gegen Praktikanten, die in einen Kreativberuf einsteigen wollen. Für sie könnte sich die Mindestlohnregelung als kontraproduktiv erweisen. Ein Beispiel aus unserer Agentur: Wir bieten jungen Kreativen während ihres Praktikums eine erste Orientierung und zeigen ihnen Perspektiven auf für einen Einstieg in die Werbe- und Kommunikationswelt. Der Nachwuchs erhält, ergänzend zum Studium, die Praxisnähe: Die jungen Talente haben die Chance, bei Werbekampagnen mitzuarbeiten. Das Praktikum ist für sie also wichtiger Teil der Ausbildung und damit eine Zukunftsinvestition.

Auch wir investieren in unsere Praktikanten, weil wir junge Talente entdecken und an uns binden wollen. Wir nehmen uns Zeit für den Nachwuchs, stellen ihm die besten Mitarbeiter zur Seite, bilden in der modernsten Technik aus und schulen auf neue Entwicklungen. Unsere Praktikanten genießen ein ebenso umfangreiches Trainings- und Ausbildungsprogramm wie unsere Auszubildenden. Aber warum sollen Praktikanten künftig dreimal so viel verdienen wie Auszubildende?

Der Mindestlohn, der bereits nach drei Monaten Praktikum greifen soll, ignoriert diese Ausbildungskomponenten. Die Folgen: Wegen der Mehrbelastungen werden viele Agenturen weniger Praktikumsplätze bereitstellen können oder die Ausbildung während des Praktikums deutlich abspecken. Darüber sollten wir diskutieren, gleich nach der WM.

Die Autorin:
Marianne Heiß ist Finanzchefin der Agentur BBDO Germany. Sie ist eine von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare (8)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Woldemar von Stechlin

08.07.2014, 18:05 Uhr

Nirgendwo herrscht so viel Ausbeutung wie in der Kreativbra(n)che.

Wenn damit jetzt Schluss ist, dann kann das nur gut sein. Viellicht bewegt es junge Menschen auch dazu was anständiges zu lernen, anstatt "irgendwas mit Medien" zu machen ....

Michael Müller

08.07.2014, 18:43 Uhr

Zitat aus dem Artikel:
" Aber warum sollen Praktikanten künftig dreimal so viel verdienen wie Auszubildende? "

8,50€ soll drei mal soviel Geld sein wie Auszubildende pro Stunde bekommen? Dann, Frau Heiß, würde ich wirklich mal überdenken wer hier wen ausbeutet...

Herr Thomas D.

08.07.2014, 18:45 Uhr

Ich halte diese Aussage von Frau Marianne Heiß für fraglich. So wie Sie es beschreiben Frau Heiß klingt ein Praktikum bei BBDO Germany nach dem, was in anderen Unternehmen eine Trainee-Stelle ist. Mit einem Unterschied: Ein Trainee wird besser bezahlt. Sie gehören Ihrer Aussage zu den Unternehmen die Hochschulabsolventen möglichst lange billig beschäftigen wollen. Darüber sollten Sie diskutieren, am Besten noch vor Ende der WM.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×