Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.11.2012

17:52 Uhr

Der Werber-Rat

Zusammenspiel der Kräfte

Amerika wählt seinen neuen Präsidenten. Im Wahlkampf haben die Frauen der Kandidaten eine überaus große Rolle gespielt. Was deutsche Wirtschaftsführer vom US-Präsidenten und vor allem der „First Lady“ lernen können.

Der „Michelle“-Faktor könnte die Wahl entscheiden. dapd

Der „Michelle“-Faktor könnte die Wahl entscheiden.

Heute ist D-Day, der Tag der Entscheidung: Es geht um das wichtigste Amt der Welt. Die Experten sagen eine hauchdünne Entscheidung voraus und halten die Frauen der Kandidaten für wahlentscheidend. Wie kann das sein? Es beginnt mit Überforderung.

Der mediale Sturm tost ohrenbetäubend und endlose Nachrichtenströme vernebeln unsere Sicht. Im wuchernden Info-Dickicht wächst die Sehnsucht nach Klarheit. Der reflexhafte Fokus auf die Person an der Spitze wird eine Art Sehhilfe, um Orientierung zu gewinnen. Wir sind durch die Evolution jahrtausendelang gedrillt, Gesichter zu lesen. Gut von Böse zu unterscheiden war unsere Lebensversicherung.

Frank Dopheide ist Inhaber der Agentur Deutsche Markenarbeit.

Frank Dopheide ist Inhaber der Agentur Deutsche Markenarbeit.

Nur heute sagen uns die Gesichter nichts mehr. Sie sind digital bearbeitet und dadurch unlesbar geworden. Zusätzlich ist die Spitzenkraft im Korsett des Funktionsträgers gefangen. Sie kann nicht reden und agieren wie sie will.

Hier kommt Michelle Obama ins Rennen. Sie verleiht ihrem "Funktionsträger" Profil. Sie wirkt als Brennglas und Farbfilter. Während Obama den Commander in Chief geben muss, lenkt seine Frau den Blick auf seine Empathie, Fürsorglichkeit, Verlässlichkeit und beweist seine Teamfähigkeit in entspannter Lockerheit. Das Bild des Präsidenten gewinnt Tiefschärfe und Strahlkraft. Das steigert die Identifikation. Und was bei Millionen Amerikanern wirkt, funktioniert auch für deutsche Unternehmen.

Ferdinand Piëch, der deutsche Ausnahmemanager und VW Chef, gilt als rigide im Verfolgen eigener Interessen. Ein spröder Charakterkopf. So groß wie der Respekt vor ihm ist auch die Distanz. Ursula Piëch verleiht ihm menschlichere Züge. Im Umgang mit ihr offenbaren sich andere Facetten: Er wirkt respekt- und vertrauensvoll, macht die kommunikative Erzieherin zur Hüterin seines Lebenswerks. Das kantige Bild wird rund und gewinnt Attraktivität.

Das Zusammenspiel der Kräfte wirkt - auch zwischen CEO und Aufsichtsratschef. Kasper Rorsted, der auf Effizienz getrimmte Vertriebsprofi und Henkel-CEO, gewinnt im Umgang mit der Ururenkelin des Firmengründers, Simone Bagel-Trah, an Tiefe. Ein modernes Verständnis von Führung wird erkennbar. So gesehen ermöglicht erst die zweite Perspektive den 3-D-Effekt - die Wahrnehmung verändert sich. Das zahlt sich aus im Kino, in Washington und in Ihrer Firma. Probieren Sie es mal aus.

Der Autor:

Frank Dopheide ist Inhaber der Agentur Deutsche Markenarbeit. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Von

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×