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04.11.2014

08:34 Uhr

Der Werberrat

Raus aus der Schublade!

VonArmin Jochum

Friedrich Liechtenstein wird wohl immer „der Typ aus der Supergeil-Werbung“ sein. Das Schubladendenken entspricht der auf schnelle Emporkömmlinge fokussierten Welt. Liechtenstein kann den medialen Zirkus für sich nutzen.

Nach der Supergeil-Werbung nahm Friedrich Liechtenstein eine Platte auf und veröffentlichte ein Buch. dpa

Nach der Supergeil-Werbung nahm Friedrich Liechtenstein eine Platte auf und veröffentlichte ein Buch.

Wie geil ist es, von allen mit „supergeil!“ begrüßt zu werden? Der nach eigenen Angaben 1956, 57 und 59 geborene Künstler Friedrich Liechtenstein jedenfalls fasste irgendwann einen brillanten Entschluss, gar nicht erst in die Jahrhundertfalle zu purzeln. Und für immer „der Typ aus der Supergeil-Werbung“ zu bleiben.

In unserer sehr auf schnelle Emporkömmlinge fokussierten Welt wandert man nämlich noch schneller in maßgeschneiderte Schubladen. „Das ist der Herr Sowieso, der fliegt immer mit dem Hubschrauber zur Arbeit. Und das dort drüben ist der selbstlose Gönner, der aus ganz, ganz kleinen Verhältnissen kommt.“

Vor allem jenen Redaktionen, die gerne dabei sind, wenn der Fahrstuhl nach oben fährt, und ganz sicher zugegen sind, wenn der mal schnurstracks nach unten rauscht, hilft es ungemein, ein klares Bild von den Leuten zu haben – oder eines zu machen. Was hat der Herr Liechtenstein gemacht?

Irgendwann einmal stand er oben auf seinem Balkon, winkte wie immer nach unten in die Menge, sagte „ihr seid sehr, sehr geil“, dachte sich aber, dass der ganze Wahnsinn so nicht weitergehen kann. Schließlich war er ja schon lange vor seinem Werbeblock-Ruhm ein wirklich famoser Künstler.

Armin Jochum ist Vorstand Kreation und Co-Gründer der Agentur Thjnk.

Armin Jochum ist Vorstand Kreation und Co-Gründer der Agentur Thjnk.

Er machte Folgendes: Er nahm eine Schallplatte auf, ein Meisterstück. Da haben viele gestaunt. Ich habe mich gefreut und freue mich immer noch an seinen wunderbaren Schöpfungen, allesamt versammelt auf „BadGastein“, einem wirklich gelungenen Tonträger. Dann, kürzlich am Flughafen: Ein Buch! Es heißt „Selfie Man“ und ist ein spiritueller Ratgeber erster Güte.

Der gute Herr Liechtenstein macht schnell klar, dass er die Mechanismen wohl durchschaut, die den ganzen medialen Zirkus befeuern. Warum schreibe ich Ihnen das? Entdecken Sie den Selfie-Man in sich. Haben Sie den Mut, mal wieder eine Mauer einzureißen und Ihre Marke neu aufzuladen.

Sie hatten es sich bis gestern aber noch gemütlich in Ihrer Nische eingerichtet? Schlagen Sie einen überraschenden Haken. Aber: Bleiben Sie sich trotzdem treu. Herr Liechtenstein macht’s vor: Beim Preisfeld seines neuen Buches steht: „supergeile 9,99 Euro“. Mehr ist dazu nicht zu sagen.

Der Autor:

Armin Jochum ist Vorstand Kreation und Co-Gründer der Agentur Thjnk. Er ist einer von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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