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11.01.2009

09:27 Uhr

Designerin Eva Gronbach

Wie der Thalys seine Uniform bekam

VonDaniela Sing

Seit Donnerstag trägt das Personal des französischen Schnellzugs Thalys Designerkeidung. Entworfen hat die einfachen aber eleganten Uniformen die deutsche Modedesignerin Eva Gronbach – und das, obwohl ihre Kollektionen eigentlich immer eine Liebeserklärung an Deutschland sind.

Der Adler ist Eva Gronbachs Markenzeichen. In Form eines Stempels findet sich das deutsche Wappentier auf all ihren T-Shirts, auf ihren Röcken und Hosen – sogar auf den Unterhosen ihrer Kollektion. Er ziert auch die Wand neben ihrem kleinen Laden in der Maastrichter Straße mitten in Kölns Belgischem Viertel. Es ist ein kleiner unscheinbarer Laden. Wer Schnickschnack sucht, der findet ihn hier nicht. Die Wände sind weiß. Schlicht soll es sein. Einfach, klar und schön. So wie ihre Kollektionen. Ihr einziges Statement ist der Bundesadler – und der hat die 36-Jährige weit getragen, westwärts.

Seit Donnerstag tragen die Zugbegleiter des europäischen Schnellzugs Thalys von Gronbach designte Uniformen. Dass das Unternehmen sie dafür engagierte, wundert die Designerin immer noch. Sie hätte damit gerechnet, dass die Wahl auf einen etablierten belgischen oder französischen Designer fällt. Stattdessen erhielt sie, die junge Deutsche, den Vorzug. Den Ausschlag gaben neben ihrem schlichten Stil ihre frankophile Vita: Gronbach, im Rheinland aufgewachsen, hat an Kunstakademien in Belgien und Frankreich studiert. Während dieser Zeit pendelte sie mit dem Thalys zwischen Paris, Brüssel, Amsterdam und Köln. Sich selbst bezeichnet sie als Europäerin.

Als beim Rhein Design Festival 2007 eine Delegation von Thalys bei ihr im Laden auftauchte, funkte es sofort. „Eva Gronbach ist einfach eine echte Thalys-Person“, sagt Andreas Leisdon von Thalys Deutschland. Bevor Gronbach engagiert wurde, hatte das Unternehmen schon mit einigen jungen Designern aus Belgien gesprochen: „Wir haben bewusst nach einem Nachwuchsdesigner gesucht“, sagt Leisdon. Die junge Designerin präsentierte der Geschäftsführung ihre Ideen – und überzeugte. Sie bekam den Job.

Ein Jahr lang arbeitete Gronbach an der neuen Kollektion. 50 Teile kreierte sie mit ihrem Team. Es war ein demokratischer Prozess: Immer wieder reiste sie in die Thalys-Länder und sprach mit den künftigen Uniformträgern, den Zugchefs und -begleitern. „Da hat sie echte Managementqualitäten gezeigt“, sagt Leisdon. Es sei nicht einfach die unterschiedlichen modischen Auffassungen von Franzosen, Deutschen und Belgiern unter einen Hut zu bekommen.

Die Uniformen sind einfach, aber elegant geraten und farblich auf die Farben der neuen Inneneinrichtung des Thalys, Pflaume-Aubergine und Grau, abgestimmt. Ein Uniformset beinhaltet acht Hemden, drei Hosen, drei Krawatten, zwei Westen, zwei Sakkos, einen Trenchcoat, einen Parker und einen Schal. Die insgesamt 1 000 Sets fertigt eine französische Firma in Frankreich, Marokko und China. „Sie hat ein sehr gutes Ergebnis abgeliefert“, sagt Leisdon. Die Arbeit für den Thalys sei wundervoll für sie gewesen, berichtet Gronbach. „Und es war das erste Mal, dass ich richtig Geld verdient habe.“

Die 36-Jährige sitzt auf einem Stuhl vor dem Schaufenster ihres Ladens im Belgischen Viertel. Zu ihren Füßen liegt ihr schwarzer Pudel Zorro. Sie trinkt Kamillentee und lächelt entspannt. Das Schicksal meint es gut mit ihr. Ja, es gab auch Krisen in der Laufbahn der jungen Designerin. Doch letztendlich hat sich alles immer irgendwie gefügt. Gronbach ist eine Ausnahmeerscheinung. Mit ihrem Großauftrag hat sie sich von der Masse abgesetzt.

Die Designbranche wird immer noch von vielen kleinen Unternehmen mit wenig Umsatz dominiert. „70 Prozent der Designunternehmen sind Einzelkämpfer mit geringem Gewinn“, weiß Boris Buchholz von der Allianz deutscher Designer. Dennoch gilt die Designwirtschaft – dazu zählen neben Modedesignern auch Kommunikations-, Grafik- und Produktdesigner sowie Innenarchitekten – insgesamt betrachtet als Wachstumsbranche. Die Konkurrenz ist groß. Buchholz rät: „Junge Designer sollten sich schon früh eine Nische suchen, ein Spezialgebiet.“

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