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03.07.2017

14:12 Uhr

Deutsche Airlines

Kerosinverbrauch steigt leicht an

Auch der Luftverkehr trägt zur Emission des gefürchteten Klimagases Kohlendioxid bei. Daher soll das Fliegen umweltschonender werden – deutsche Airlines müssen ihren Verbrauch senken. Doch nun gibt es einen Rückschlag.

UN-Mitgliedsländer haben sich auf einen Mechanismus geeinigt, nach dem Airlines Lizenzen für den Ausstoß des Treibhausgases vorweisen müssen. dpa

CO2-Ausstoß

UN-Mitgliedsländer haben sich auf einen Mechanismus geeinigt, nach dem Airlines Lizenzen für den Ausstoß des Treibhausgases vorweisen müssen.

BerlinDie deutschen Fluglinien haben 2016 pro Fluggast minimal mehr Kerosin verbraucht als im Jahr davor. 3,64 Liter pro Person und 100 Kilometer seien dennoch ein Top-Wert, hieß es am Montag. „Die neuesten Zahlen belegen, dass die Maßnahmen der Luftverkehrsbranche zur Steigerung der Energieeffizienz greifen“, sagte der Präsident des Bundesverbandes der deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), Stefan Schulte, am Montag zum neuen Klimaschutzreport. 2015 hatten die deutschen Airlines mit 3,63 Litern Kerosin pro Person und 100 Kilometer eine neue Bestmarke erzielt.

Seit 1990 hätten die Fluggesellschaften den Treibstoffverbrauch pro Passagier um 42 Prozent verringert. Der Verbrauch pro Passagier sei abhängig von der Auslastung des Flugzeugs und der Strecke. Trotz hoher Wachstumsraten sei der Anteil des Luftverkehrs an den globalen CO2-Emissionen kontinuierlich von 2,92 Prozent im Jahr 2000 auf 2,55 Prozent 2014 gesunken. Der BDL sieht die Branche auf dem richtigen Weg. Technische Innovationen bewirkten, dass der Treibstoffbedarf mit jeder neuen Flugzeuggeneration um 15 Prozent sinke. Seit 1990 sei der Kerosinbedarf um 85 Prozent gewachsen, während der Luftverkehr sich mehr als verdreifacht habe.

Im Oktober 2016 hatten sich Vertreter fast aller UN-Mitgliedsländer bei einer Versammlung der UN-Luftfahrt-Organisation ICAO auf einen Mechanismus geeinigt, nach dem Airlines Lizenzen für den Ausstoß des Treibhausgases CO2 vorweisen müssen. Die Idee ist, dass Verursacher von Verschmutzung „Rechte“ kaufen müssen - damit der Anreiz wächst, weniger auszustoßen und in klimafreundliche Technik zu investieren. Schulte forderte, das System müsse ab 2020 die EU-Regeln ablösen.

Das Klimaschutz-Glossar

AAU, Assigned Amount Unit

Jedem Industrieland steht nach dem Kyoto-Protokoll eine festgelegte Menge an CO2-Zertifikaten zu, die es zur Emission einer bestimmten Menge an Treibhausgasen berechtigen, die AAU. Übersteigen die tatsächlichen Emissionen diese Grenze, müssen zusätzliche Zertifikate von Industriestaaten zugekauft werden, die ihr Budget nicht ausgeschöpft haben. Strittig ist derzeit, ob die Emissionsrechte auch nach Auslaufen der ersten Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls ihre Gültigkeit behalten. Dies würde die Notwendigkeit von Klimaschutzmaßnahmen verringern.

Annex-I-Länder

Der Annex I der Klimarahmenkonvention von 1992 listet alle Länder auf, die die Selbstverpflichtung zur Reduktion ihrer Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2000 auf das Niveau von 1990 übernommen haben. Der Begriff Annex-I-Länder wird oft synonym mit Industrieländer benutzt.

Annex-B-Länder

In Annex B des Kyoto-Protokolls sind diejenigen Staaten aufgelistet, die im Rahmen des Kyoto-Protokolls konkrete Minderungsverpflichtungen in der ersten Verpflichtungsperiode (2008-2012) übernommen haben.

CDM, Clean Development Mechanism

Der im Kyoto-Protokoll festgelegte Mechanismus ermöglicht es Industrie- und Entwicklungsländern, gemeinsam Klimaschutz-Projekte in den Entwicklungsländern zu betreiben. Industrieländer finanzieren die Projekte und können im Gegenzug die eingesparten Emissionen entweder zusätzlich emittieren oder sie sich gutschreiben lassen.

COP, Conference of the Parties

Das höchste Gremium der Klimarahmenkonvention von 1992, das einmal jährlich tagt. Nach dem Inkrafttreten der Klimarahmenkonvention 1994 fand die erste Vertragsstaatenkonferenz (COP 1) 1995 in Berlin statt. Die 18. Vertragsstaatenkonferenz findet vom 26. November bis 7. Dezember in Doha statt.

IPCC, Intergovernmental Panel on Climate Change

Zwischenstaatliches Expertengremium für Klimafragen unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen, das 1988 eingerichtet wurde. Wird auch als Weltklimarat bezeichnet.

JI, Joint Implementation

Das Instrument der Joint Implementation ist ebenfalls Teil des Kyoto-Protokolls. Es ermöglicht den sogenannten Annex-B-Ländern, gemeinsam Klimaschutz-Projekte zu betreiben. Dabei wird das Projekt zwar in einem Land durchgeführt, aber von einem anderen finanziert. Die eingesparten Emissionen darf dieses zweite Land zusätzlich emittieren oder sich als Emissionsguthaben gutschreiben lassen. Dem ersten Land wird eine entsprechende Menge an Emissionsrechten abgezogen.

Kyoto-Protokoll

Das Kyoto-Protokoll wurde 1997 von der 3. Vertragsstaatenkonferenz der Klimarahmenkonvention (UNFCCC) angenommen. In dem Protokoll verpflichten sich die Industriestaaten, ihre gemeinsamen Emissionen der wichtigsten Treibhausgase im Zeitraum 2008 bis 2012 um mindestens fünf Prozent unter das Niveau von 1990 zu senken. Dabei haben die Länder unterschiedliche Emissionsreduktionsverpflichtungen akzeptiert.

LULUCF, Land Use, Land-Use Change and Forestry

Maßnahmen im Bereich der Forstwirtschaft und Landnutzung im Kyoto-Protokoll. Die Emissionsbilanz kann demnach verbessert werden, indem entweder Projekte zur Aufforstung unterstützt werden oder die Abholzung eingedämmt wird. Die Kyoto-Staaten haben sich verpflichtet, diese Punkte in ihre Klimabestrebungen einzubeziehen.

MRV, Measurable, Reportable, and Verifiable

Messbarkeit und Kontrolle von Klimaschutzmaßnahmen eines Staates.

REDD, Reducing Emissions from Deforestation and Degradation

Anreizsystem für Entwicklungsländer zur Verringerung von Emissionen aus Entwaldung und der Schädigung von Wäldern. REDD ist damit eine Art Gegenstück zu LULUCF.

UNFCCC, United Nations Framework Convention on Climate Change

Die Klimarahmenkonvention wurde auf dem Weltgipfel für Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro angenommen und seither von 192 Staaten ratifiziert. Sie trat 1994 in Kraft. Die Klimarahmenkonvention ist der erste internationale Vertrag, der den Klimawandel als ernstes Problem bezeichnet und die Staatengemeinschaft zum Handeln verpflichtet.

Am wirkungsvollsten seien Investitionen in neue Flugzeuge, urteilte der Verband. 214 neue Passagierflugzeuge wollten die deutschen Airlines in den kommenden Jahren anschaffen, heißt es in dem Bericht. Der Listenpreis für die Flieger summiere sich auf 37 Milliarden Euro. Die Investitionen könnten höher ausfallen, wenn der Gesetzgeber „wettbewerbsverzerrende Belastungen“ reduzieren würde, kritisierte der Verband mit Blick auf die Luftverkehrsteuer.

„Dadurch fehlen uns inzwischen Milliarden für die Investition in energieeffizientere und leisere Flugzeuge. Das ist ökonomisch und ökologisch völlig kontraproduktiv“, sagte BDL-Hauptgeschäftsführer Matthias von Randow dem Berliner „Tagesspiegel“. Er sprach sich dafür aus, mit den Steuermitteln die Airlines zu fördern: „Konkret könnte die Regierung mit dem Geld die Anschaffung leiserer und sparsamerer Flugzeuge fördern.“

Zum Klimaschutz habe auch die Deutsche Flugsicherung beigetragen - indem Flugzeuge immer weniger Umwege fliegen müssten, teilte der Verband mit. Die Abweichung von der Ideallinie einer Flugstrecke sei in den vergangenen Jahren in Deutschland um ein Drittel gesenkt worden. 2016 sank der CO2-Ausstoß so den Angaben zufolge um mehr als 70.500 Tonnen.

Von

dpa

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