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17.02.2015

14:02 Uhr

Deutsche Bahn

„Die Bahnkunden stochern in einer Blackbox“

VonMatthias Streit

Wochenend-Tickets, Sparfahrten, Rabattkarten – das Fahrkartenangebot der Bahn ist undurchschaubar, klagt ein Fahrgastverband. Nun will ein Portal herausgefunden haben: Am billigsten bucht man ohnehin bei externen Seiten.

Die günstigsten Bahnpreise gibt es auf Fernbusportalen. Dort kosten Plätze im Schnitt  um die Hälfte weniger als bei der Bahn. AFP

Wo geht's zu den billigen Plätzen?

Die günstigsten Bahnpreise gibt es auf Fernbusportalen. Dort kosten Plätze im Schnitt um die Hälfte weniger als bei der Bahn.

DüsseldorfDurch ganz Deutschland für nur 29 Euro. Mit dem Sparangebot will die Deutsche Bahn möglichst viele Kunden in ihre Züge locken. Wer dann wirklich einmal eine günstige Verbindung sucht, ist schnell frustriert, vor allem jene, die nicht flexibel sind oder kurzfristig buchen. Aus 29 werden 100 Euro oder mehr.

Eine Analyse des Online-Portals Vergleich.org will jetzt herausgefunden haben: Sparangebote buchen Reisende besser über externe Portale. Wer eine Woche oder weniger vor seiner Reise nach günstigen Verbindungen sucht, kann nur in einem Viertel der Fälle ein Sparangebot auf bahn.de finden. Über die Seite des Reiseanbieters Ltur steige die Chance auf immerhin 64,5 Prozent, bei Fernbus-Portalen klettert sie gar auf 96,7 Prozent, dass man billiger als bei der Bahn-Seite selbst davon kommt.

In der Analyse wurden 54 Inlands-Verbindungen in einem Zeitraum von neun Tagen untersucht. Nach Angaben der Bahn fahren im Personen-Fernverkehr pro Tag mehr als 1.300 Züge durch Deutschland. Günstige Supermarkt-Angebote, wie sie unregelmäßig etwa bei Rewe oder Lidl verkauft werden, wurden in der Untersuchung nicht berücksichtigt.

Die wichtigsten Fragen zum Bahnchaos

Ab welcher Verspätung bekommen Bahn-Fahrer eine Entschädigung?

Kommt ein Fahrgast mindestens eine Stunde zu spät am Ziel an, muss das verantwortliche Bahnunternehmen ihm 25 Prozent des Fahrpreises erstatten. Bei zwei Stunden Verspätung sind es 50 Prozent. Maßgeblich ist die Ankunftszeit am Zielort: Ist also ein erster Zug nur fünf Minuten verspätet, und kommt ein Bahnkunde durch einen dann verpassten Anschlusszug über eine Stunde später am Zielort an, erhält er eine Entschädigung. Wird im schlimmsten Fall eine Übernachtung nötig, muss die Bahngesellschaft die Kosten für ein Hotelzimmer tragen. Bei einer zu erwartenden Verspätung von 20 Minuten am Zielbahnhof kann der Fahrgast einen anderen Zug nehmen - auch einen höherwertigen.

Wie entschädigt die Deutsche Bahn Pendler mit Zeitkarten?

Besitzer von Streckenzeitkarten erhalten bei Verspätungen von einer Stunde eine pauschale Entschädigung. Bei Zeitkarten im Nahverkehr - aber auch bei Länder-Tickets und dem Schönes-Wochenende-Ticket - gibt es in der zweiten Klasse 1,50 Euro. Im Fernverkehr werden pauschal fünf Euro gezahlt. Grundsätzlich werden bei Zeitkarten maximal 25 Prozent des Fahrkartenwertes erstattet.

Wann muss die Bahn kein Geld zahlen?

Die Bahn zahlt Entschädigungen erst ab einer Bagatellgrenze von vier Euro. Bahn-Kunden mit Zeitkarten im Nahverkehr müssen also mindestens drei Verspätungen von mindestens 60 Minuten im Gültigkeitszeitraum der Fahrkarte einreichen, um eine Entschädigung zu erhalten. Nicht für Verspätungen haften müssen Bahnunternehmen, wenn die Ursache der Verspätung nicht in der Organisation des Bahnbetriebs liegt, also beispielsweise bei bestimmten Unfällen oder bei Folgen von Unwetter und Streiks, welche für die Bahn nicht beherrschbar sind.

Können Bahn-Fahrer bei einer Verspätung auch von einer Reise zurücktreten?

Zeichnet sich eine Verspätung von mehr als 60 Minuten ab, kann der Reisende auch auf die Fahrt verzichten und den kompletten Fahrpreis zurückverlangen. Ebenso kann er die Fahrt zu einem späteren Zeitpunkt beginnen und dann auch eine andere Streckenführung wählen.

Wie kann ich eine Entschädigung beantragen?

Die meisten Bahnunternehmen haben ein gemeinsames Beschwerdeformular, das etwa in den Servicezentren der Deutschen Bahn oder im Internet auf einer Gemeinschaftsseite der Anbieter erhältlich ist (http://www.fahrgastrechte.info). Das Formular können Reisende beim Anbieter einreichen, dessen Zug ausgefallen ist - entweder beim Begleitpersonal im Zug oder in den Fahrkarten-Verkaufsstellen an den Bahnhöfen. Wer keine Bestätigung für die Verspätung hat, nur eine Kopie der Fahrkarte einreichen will oder etwa eine Zeitkarte besitzt, muss sich per Post an das Servicecenter Fahrgastrechte wenden. Entschädigungen müssen die Bahn-Anbieter auf Wunsch bar auszahlen, ansonsten als Gutschein oder per Überweisung.

Wo gibt es Hilfe bei Streitfällen?

Die Bahnunternehmen müssen Beschwerden von Fahrgästen nach spätestens drei Monaten bearbeitet haben. Bei Streitfällen vermittelt die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) zwischen Kunden und Unternehmen. In mehreren Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen gibt es auch regionale Schlichtungsstellen.

Supermarkt-Angebote, Fernbuskontingente, Sparpreise – der Fahrgastverband Pro Bahn kritisiert dieses Durcheinander. „Wie ich die besten Konditionen erhalte, ist heute völlig intransparent. Die Bahnkunden stochern in einer Blackbox“, sagt Andreas Frank, Leiter der Abteilung Fahrgastdialog beim Fahrgastverband Pro Bahn. Sein banaler wie logischer Rat: Bei möglichst vielen Anbietern vergleichen.

Doch worauf sollte man bei der Schnäppchenjagd achten? Die wichtigsten Antworten.

1. Wo buche ich am günstigsten?

Sparpreise erhalten Sie sowohl auf bahn.de als auch bei externen Internetportalen. So ist beispielsweise die Bahn-Resterampe von Ltur vielen Bahnpendlern bereits seit 2010 bekannt.

Immer noch als Geheimtipp gelten hingegen Fernbusportale – Busliniensuche, fernbusse.de, From A to B oder auch Idealo. Bei diesen Anbietern vertreibt die Bahn seit April 2014 zusätzliche Restplätze zu Sparpreisen.

Fahrkarten kosteten dort in der Untersuchung des Vergleichsportals Vergleich.org mit 32,40 Euro im Schnitt sogar um die Hälfte weniger als auf bahn.de (66,90 Euro) und sind zudem um 25 Prozent günstiger als bei Ltur (42,46 Euro).

So ziehen die Autoren der Analyse das Fazit: „Wer nur auf bahn.de nach Tickets sucht, zahlt häufig zu viel.“

Für welche der Fernbus-Anbieter man sich entscheidet, sei hingegen egal. „Alle Fernbus-Webseiten greifen auf dieselben Angebote zurück. Welches Portal man nutzt, ist also nur eine Frage der Benutzerfreundlichkeit“, heißt es in der Untersuchung.

Die Angebote auf externen Portalen sind allerdings stark begrenzt. Laut einem Bahnsprecher machen diese nur ein Prozent aller verfügbaren Tickets aus.

2. Wann buche ich am besten?

Darauf gibt es keine klare Antwort. Fest steht: Günstige Fahrkarten gibt es bei der Bahn schon ab drei Monaten vor der Reise. Bei Drittanbietern können Reisende Restplätze aber nur zwischen einer Woche und einem Tag vor der Reise buchen. Wann genau tatsächlich die günstigsten Tickets zum Verkauf stehen, dafür gibt es keine Faustregel. „Wie viele Spar-Tickets wann erhältlich sind, lässt sich nicht nachvollziehen“, sagt Pro-Bahn-Experte Frank.

Prinzipiell gelte bei der Deutschen Bahn zwar das Credo: Je früher, desto besser. Dennoch räumt ein Sprecher ein, dass die „Kontingente leben“. Das heißt, es kann durchaus passieren, dass auch dort kurz vor der Buchung noch die Preise fallen.

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