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04.04.2016

15:04 Uhr

Deutsche Bahn

Frühjahrsputz für die Zugtoilette

Großreinemachen bei der Deutschen Bahn: Rund 250 ICE werden auf Vordermann gebracht, gereinigt und gewartet. Und auch auf den Bahnhöfen tut sich was: Der Konzern kündigt an, die Videoüberwachung weiter auszubauen.

Die Deutsche Bahn hat seinen rund 250 ICE eine „Spezialbehandlung“ verordnet – die Züge werden intensiv gereinigt und komplett durchrepariert. obs

ICE am Münchner Hauptbahnhof

Die Deutsche Bahn hat seinen rund 250 ICE eine „Spezialbehandlung“ verordnet – die Züge werden intensiv gereinigt und komplett durchrepariert.

BerlinKaputte Toiletten, defektes Bordbistro und tote Sitzplatzanzeigen sollen in den Fernverkehrszügen der Deutschen Bahn der Vergangenheit angehören. Der Konzern hat seinen rund 250 ICE eine „Spezialbehandlung“ verordnet – die Züge werden bei einer Art Frühjahrsputz intensiv gereinigt und komplett durchrepariert. Während bisher Züge auch mit kleineren Defekten wieder aus dem Depot rollen, sollen sie dank des Programms „Reset“ künftig fehlerfrei unterwegs sein.

Bei ihrem Rund-um-Check arbeiten sich die Mitarbeiter in neun Werkstätten der Deutschen Bahn seit dem Startschuss vor zwei Wochen von außen nach innen vor: Zunächst werden die Triebzüge der verschiedenen Baureihen von außen gründlich gereinigt. Dann rollen die Wagen für etwa 48 Stunden in das Werk ein und werden auf Herz und Nieren geprüft. „In dieser Zeit werden alle Funktionsausfälle behoben“, erklärt die Deutsche Bahn.

Konkret heißt das: Beschädigte Sitzpolster und Armlehnen werden ausgetauscht. In der Bordküche wird geprüft, ob Dampfgarer, Mikrowelle, Kaffeemaschine und Zapfanlage einwandfrei funktionieren. Haben Kühlschränke oder Spülmaschinen Macken, werden sie repariert oder ausgetauscht.

Wie die Deutsche Bahn ihre Kundenfreundlichkeit verbessern will

Mehr Pünktlichkeit

Die Bahn will die Pünktlichkeit ihrer Züge „deutlich steigern“. Dazu sollen alle Betriebsabläufe optimiert werden – unter anderem durch den Einbau von größeren Zeitpuffern in den Fahrplänen an viel befahrenen Netzknotenpunkten und den Einsatz neuer mobiler Wartungsteams, die Störungen an Zügen flexibel beseitigen sollen. Ein neuer Schlepplok-Dienst soll liegengebliebene Züge schneller von den Schienen holen. Um Unwetterschäden zu vermeiden, wird die Baumpflege an den Strecken ausgebaut.

Bessere Internetverbindungen

Im kommenden Jahr will der Konzern den Telefon- und Internetempfang in ICE-Zügen nach eigenen Angaben „deutlich“ verbessern und dafür etwa die Empfangstechnik aufrüsten. Das WLAN-Netz der Bahn soll in den kommenden Jahren nach und nach entlang der Reisekette auf mehr Fernverkehrszüge, Bahnhöfe und auch auf S-Bahn- und Nahverkehrszüge ausgedehnt werden.

Aktuellere Reiseinformationen

Mit neuen Zuganzeigesystemen an den Bahnhöfen will die Bahn ab kommendem Jahr den Informationsfluss in Sachen Gleiswechsel, Ankunftszeitprognosen und Wagenreihenfolgen verbessern. „Mittelfristig“ will sie ein digitales „Live Ticket“ einführen, das sich aktualisiert und Reisende unterwegs mit den für sie relevanten Streckeninformationen versorgt. Wenn nötig, kann es auch Alternativrouten vorschlagen und Umbuchungen vornehmen.

Mehr Service im Zug

Mitarbeiter sollen in Kooperation mit Unternehmen etwa aus der Hotel- und Gaststättenbranche in puncto „Serviceorientierung“ ausgebildet werden. Reisende mit Smartphones und Online-Tickets sollen sich künftig selbst im Zug anmelden können, wodurch eine Fahrkartenkontrolle überflüssig wird („Self Check In“). Zugbegleiter sollen so mehr Zeit für Serviceaufgaben haben.

Komfortablere Bahnhöfe

Die Zuverlässigkeit von Aufzügen und Rolltreppen an den Bahnhöfen in Ballungszentren will die Bahn „signifikant“ auf weit über 90 Prozent steigern. Dazu sollen etwa Entstörbereitschaften auf Zweischichtdienste umstellen und an Wochenenden arbeiten. 31 S-Bahn-Stationen in Metropolen werden renoviert, zudem sollen bundesweit 21 Umsteigebahnhöfe „offener und einladender“ umgestaltet werden. Mit der sogenannten Stationsoffensive richtet der Konzern 350 neue Haltepunkte in ländlichen Gebieten ein.

Mehr Unterhaltung

Das in ICE-Zügen verfügbare kostenlose sogenannte Infotainment-Portal, das etwa Echtzeit-Reiseinformationen und bestimmte Nachrichtenangebote bietet, soll künftig auch in weiteren Zügen und an Bahnhöfen verfügbar sein. Ab Ende 2016 sollen Bahnkunden umsonst „umfangreiche Film- und Musikangebote“ abrufen können. Zusätzlich richtet das Unternehmen eine Datenbank mit „aktuellen Blockbustern“ ein, die Reisende im „Pay per View“-Verfahren gegen Bezahlung ansehen können.

Alle Mängel, die Reisende nerven, sollen behoben werden. Zusätzlich wird gründlich geputzt. Die Toilettenräume erhalten eine Dekorfolie mit Blumen im Fensterbereich und Desinfektionsspender. Und: „Die roten Lederbezüge im Bordrestaurant werden durch eine spezielle Lederpflege aufbereitet.“

Laut Deutscher Bahn werden insgesamt Teppichflächen in der Größe von 13 Fußballfeldern gesäubert und imprägniert. „Zusätzlich zum üblichen Reinigungsprozess werden die Teppiche shampooniert, um starke Verschmutzungen zu beseitigen, und anschließend versiegelt“, erklärt das Unternehmen.

Auch der Antrieb kommt auf den Prüfstand, da von ihm abhängt, ob ein ICE überhaupt fahren kann und pünktlich ist. Läuft er reibungslos, können bei Verspätungen „mit maximaler Beschleunigungskraft“ einige Minuten wieder aufgeholt werden, wie die Bahn erklärt. Und auch die Klimaanlagen müssen spätestens im Sommer wieder auf Hochtouren laufen können.

Nachdem bis Mitte Juni zunächst die 250 ICE mit ihren rund 2200 Wagen den Rund-um-Check durchlaufen, ist von September bis Dezember dann die IC-Flotte an der Reihe. In neun Werkstätten arbeiten die Mitarbeiter dafür im Drei-Schicht-Betrieb an sieben Tagen die Woche.

Das 15 Millionen Euro teure „Reset“-Programm ist Teil der Qualitätsoffensive, die Bahn-Chef Rüdiger Grube angekündigt hat. Obwohl ein Zug für den Frühjahrsputz etwa drei Tage lang ins Werk muss und in dieser Zeit nicht eingesetzt werden kann, sollen sich für den regulären Fahrplan keine Verspätungen oder Zugausfälle ergeben. Hinterher sollen sich die Reisenden dafür in den aufpolierten Zügen der Deutschen Bahn wohler fühlen.

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