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16.12.2016

12:58 Uhr

Deutsche Bahn

Schwankende Doppelstock-ICs werden umgerüstet

Mit einem unbequemen Wanken fiel der neue Doppelstock-IC zum Start vor einem Jahr auf. Mit einer Anpassung des Fahrwerks behebt die Bahn derzeit das Problem. Der Zug soll mehr Regionen ans IC-Netz anschließen.

Nach dem Start der Züge hatten sich Beschwerden gehäuft, dass sie auf frisch geschliffenen Schienen teils unangenehm hin- und herschwanken. Das Problem soll bis Februar bei allen Doppelstock-ICs behoben sein. dpa

Doppelstock-Intercity

Nach dem Start der Züge hatten sich Beschwerden gehäuft, dass sie auf frisch geschliffenen Schienen teils unangenehm hin- und herschwanken. Das Problem soll bis Februar bei allen Doppelstock-ICs behoben sein.

HannoverVom Sorgenkind zum Hoffnungsträger: Als der neue Intercity 2 vor einem Jahr an den Start ging, gab es prompt Klagen von Reisenden über ein unbequemes Wanken des Doppelstock-Zuges. Gleich mussten Bahn und Hersteller über Anpassungen an dem IC grübeln, der bis zu 40 Jahre alte Waggons ablösen und einen Modernisierungsschub aufs Gleis bringen sollte. Bis Februar sollen nun alle Züge umgerüstet und das Wanken behoben sein. Befragungen zeigen, dass der Zug bei den Reisenden ansonsten gut ankommt. Das ist wichtig, denn die Bahn setzt bei ihrer Offensive zum Ausbau des Fernverkehrs auch auf den IC2.

Zwar wurde der neue Zug ausführlich getestet, ehe er an den Start ging. Da das Wanken aber nur auf 0,2 Prozent der Einsatzstrecke auftrete, und dies nicht bei jeder Witterung, sei es schlicht nicht aufgefallen, erläutert DB-Produktmanager Mathias Semrau. Selbst bei der S-Bahn Dresden wurde das neue Fahrwerk des Zuges testweise eingesetzt - Probleme gab es nicht. Zwar stelle das Wanken, das auf dem längsten Abschnitt eine Minute andauert, kein Sicherheitsproblem dar, erklärt Semrau. „Als wir die ängstlichen Blicke mancher Reisenden sahen, war aber klar, das muss man abstellen.“ Die Techniker begannen zu tüfteln.

Die Baustellen der Bahn

Fernverkehr

Im Herbst hat die Bahn den neuen ICE 4 vorgestellt – und sich im Fernverkehr Einiges vorgenommen. Um 25 Prozent soll das Angebot bis 2030 ausgebaut, fünfzig Millionen neue Fahrgäste gewonnen werden. Tatsächlich schafft es die Bahn mit ihrer Preisoffensive, etwa mit den 19-Euro-Tickets, mehr Fahrgäste in die Züge zu locken. Aber die Rendite leidet.

Güterverkehr

Der Güterverkehr der Bahn ist ein Sanierungsfall. Zwar verbesserte sich das Ergebnis von DB Cargo im ersten Halbjahr 2016, aber die Sparte ist defizitär – und das schon seit Jahren. Zwischen 2007 und 2015 stagnierte die Verkehrsleistung, und das in einer boomenden Wirtschaft. Private Anbieter, auch auf der Straße, machen der Bahn zunehmend Konkurrenz.

Pünktlichkeit

174,63 Millionen Minuten haben die Personen- und Güterzüge der Bahn 2015 an Verspätungen eingefahren. Hauptursache ist die wachsende Zahl von Baustellen. Zwar schneidet die Bahn im ersten Halbjahr 2016 besser ab. Aber: Das Bemühen um pünktliche Züge ist laut Bahnchef Grube „mit großen Kraftanstrengungen verbunden“.

Infrastruktur

Die Bahn investiert viel Geld in die Infrastruktur: Gut 5,2 Milliarden Euro flossen 2015 etwa in die Instandhaltung von Schienenwegen und Brücken. Doch es hapert bei der Koordinierung der vielen Baustellen. Und so verursacht die von Konzernchef Grube gefeierte „größte Modernisierungsoffensive in der Bahn-Geschichte“ vor allem eines: Verspätungen.

Privatisierung

Die Bahn braucht Geld, um den Schuldenanstieg zu bremsen. Geplant war deshalb ein Verkauf von maximal 40 Prozent der britischen Tochter Arriva und des Transport- und Logistikkonzerns DB Schenker. Arriva sollte im zweiten Quartal 2017 an der Londoner Börse starten, Schenker danach in Frankfurt. Doch die Pläne sind jetzt vom Tisch.

Stuttgart 21

Bahnchef Grube feierte kürzlich die Grundsteinlegung für den Stuttgarter Tiefbahnhof, aber das Großprojekt bleibt umstritten. Beim Volksentscheid 2011 war noch von 4,5 Milliarden Euro Kosten die Rede. Der Bundesrechnungshof hält nun offenbar zehn Milliarden Euro für möglich, Grube selbst spricht von 6,5 Milliarden Euro.

Eine leicht veränderte Lauffläche der Räder ist nun die Lösung. Bei 7 von 24 Zügen ist bereits ein neues Radprofil aufgedreht worden. Bis Ende 2017 soll die Federung der Züge außerdem neu eingestellt werden, um den Komfort zu erhöhen. Wie der Hersteller Bombardier mitteilte, wurden die Veränderungen an den Rädern mit Erfolg an zwei Zügen getestet. Ab Frühjahr 2017 werden bei den turnusgemäßen Werkstattstopps der Züge auch die Dämpfer der Federung angepasst. Zuvor war auf einem besonders betroffenen Abschnitt zwischen Leipzig und Halle vorübergehend das Tempo der Züge reduziert worden.

Nachdem es über Jahre Kürzungen im IC-Netz gab, wolle die Bahn künftig wieder stärker die Regionen mit Städten ab 100 000 Einwohner anbinden, erläutert DB-Projektleiterin Heike Junge. Ein Baustein dafür sei der IC2, der von den Instandhaltungskosten günstig sei und wegen der Doppelstockwagen auch nicht so lang, was Halte an kleineren Stationen mit kürzeren Bahnsteigen erlaube.

Ein Erfolgsbeispiel gibt es bereits: Die größere Wirtschaftlichkeit des neuen Zuges habe es ermöglicht, die von der Einstellung bedrohte IC-Linie von Bremen über Oldenburg und Emden nach Norddeich am Netz zu lassen, sagt Junge. Alle zwei Stunden pendelt jetzt der von Leipzig und Hannover kommende IC bis zur Nordseeküste. Da abseits der Urlaubssaison früher so manches Abteil leer blieb, entschied das Land Niedersachsen, die Züge auch für Pendler mit Regionalbahntickets zugänglich zu machen. Sie zahlt dafür eine Kompensation an die Bahn, für die die Linie damit aus den roten Zahlen kommt. Auf dieses Modell wird auch bei der künftigen Anbindung anderer Regionen gesetzt.

Neben der Linie nach Norddeich pendelt der IC2 derzeit auch auf der Strecke Dresden-Hannover-Köln. Von Ende 2017 an sollen weitere 17 Züge auf den Strecken Stuttgart-Singen-Zürich und Karlsruhe-Stuttgart-Nürnberg zum Einsatz kommen. Auch die vorübergehend bereits befahrene Strecke Köln-Münster-Norddeich sowie die Linie von Köln über Kassel nach Gera sollen später hinzukommen.

Von

dpa

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