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14.07.2011

14:08 Uhr

Deutsche Bank

Leo Kirchs juristische Feldzüge

Seit der Pleite seines Film- und Fernsehkonzerns im April 2002 überzog Leo Kirch die Deutsche Bank mit Schadenersatzklagen und Strafanzeigen. Ein kurzer Überblick über die Gemengelage.

Kirch (l.) und Breuer im März vor Gericht. Quelle: dapd

Kirch (l.) und Breuer im März vor Gericht.

MünchenDer Medienunternehmer Leo Kirch und dessen Vertreter liegen seit dem Jahr 2002 im Dauerclinch mit der Deutschen Bank. Kirchs These: Der damalige Bankchef Rolf Breuer habe ihn gezielt in die Insolvenz getrieben, als er im Februar 2002 in einem Fernsehinterview seine Kreditwürdigkeit bezweifelte. Deshalb müsse Deutschlands größte Bank Schadenersatz in Milliardenhöhe zahlen.

Der Bundesgerichtshof gab Kirch im Januar 2006 teilweise Recht: Die Deutsche Bank habe der Kirch-Printbeteiligung GmbH seinerzeit einen Kredit gegeben, und der Bankchef habe mit seiner Aussage über einen Kunden pflichtwidrig und schuldhaft gehandelt. Deshalb stehe der Kirch-Printbeteiligung grundsätzlich Schadenersatz zu. Ob und in welcher Höhe ein Schaden entstand, mussten die Instanzen klären.

Das Landgericht München aber lehnte die Klage der Kirch-Printbeteiligung auf 1,3 Milliarden Euro Schadenersatz im Februar 2011 ab. Kirch kündigte sofort Berufung an.

Die Chronik der Kirch-Pleite

1956

Mit geliehenem Geld kauft der Student Leo Kirch die Rechte für Federico Fellinis Film „La Strada“.

1956

Kirch eröffnet ein Filmhandels-Geschäft. Für ARD und ZDF wird er zum wichtigen Filmlieferanten.

1985

Kirch gründet mit mehreren Verlagen zusammen den ersten Privatsender Sat.1.

1997

Kirchs Sender ProSieben geht an die Börse.

1999

Silvio Berlusconi stiegt beim Film- und Sportrechtehandel KirchMedia ein.

2000

Der australische Medienunternehmer Rupert Murdoch steigt bei Kirchs defizitärem Abosender Premiere ein. ProSiebenSat.1 geht an die Börse.

Sommer 2001

Kirch kauft die Formel-1-Rechte.

Dezember 2001

Spekulationen über akute Geldnöte Kirchs. Murdoch bestreitet Pläne für eine feindliche Übernahme.

Januar 2002

Die Dresdner Bank fordert einen 460-Millionen-Euro-Kredit zurück. Springer will ProSiebenSat.1-Anteile für 770 Millionen Euro zurückgeben. Der Kirch-Konzern beziffert seine Schulden auf 6,1 Milliarden Euro.

Februar 2002

Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer bezweifelt Kirchs Kreditwürdigkeit ++ ProSiebenSat.1 meldet einen Gewinneinbruch ++ Murdoch kündigt seinen Ausstieg bei Premiere an und fordert 1,6 Milliarden Euro zurück.

8. April 2002

KirchMedia meldet Insolvenz an.

8. Mai 2002

KirchPayTV meldet Insolvenz an.

Eine zweite Klage über zwei Milliarden Euro reichte ein Pool von 17 anderen Kirch-Firmen ein, die keine Kreditbeziehung mit der Deutschen Bank hatten. Sie behaupten aber, sie hätten damals mit der Bank über eine Geschäftsbeziehung verhandelt und damit ebenfalls schon Anspruch auf Breuers Verschwiegenheit gehabt. Außerdem habe die Bank Kirch gezielt in die Pleite getrieben und damit „sittenwidrig vorsätzlich geschädigt“. Das Landgericht lehnte auch diese Klage ab, in zweiter Instanz verhandelte das Oberlandesgericht München darüber.

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