Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.02.2012

08:30 Uhr

Deutsche Bank

Wer ist Anshu Jain?

Der Führungswechsel bei der Deutschen Bank wirft vor allem zwei Fragen auf: Kann sich Anshu Jain als neuer Chef in der deutschen Kultur durchzusetzen? Und werden die Deutschen ihm mit Respekt und Toleranz begegnen?

Anshu Jain: Die künftige Teilspitze der Deutschen Bank hält sich gerne im Hintergrund. Reuters

Anshu Jain: Die künftige Teilspitze der Deutschen Bank hält sich gerne im Hintergrund.

FrankfurtAnshu Jain wäre im Moment am liebsten unsichtbar. Und weil das selbst einem wie ihm nicht gelingen kann, betritt er den Hermann-Josef-Abs-Saal im Frankfurter Bankenviertel gestern durch den Hintereingang. Zum Haupteingang stolziert Josef Ackermann herein, zum zehnten Mal in zehn Jahren. Und zum letzten Mal. Er gestikuliert mit den Fotografen, wie er es all die Jahre zuvor auch gemacht hat. Aber heute warten sie auf jemand anderen: Anshu Jain. Doch der lässt sich nicht blicken.

Anshu Jain wäre am liebsten stumm, und weil auch das nicht geht für einen, der in wenigen Wochen Chef von Deutschlands größter Bank wird, stellt er sich nach der offiziellen Pressekonferenz den Fragen einiger Journalisten. Doch er bleibt vorsichtig.

Noch hat seine Zeit nicht begonnen. Er will dem einstigen Förderer, auch wenn die Beziehung erkaltet ist, nicht die Schau stehlen. 17 Jahre ist Anshu Jain bei der Bank, da kommt es auf ein paar Tage im Schatten von Ackermann nicht mehr an. Es ist Hugo Bänziger, der Risikochef der Bank, der zum Beginn des Jahrespressegesprächs die Situation zwischen Bald-Chef und Noch-Chef zu entkrampfen versucht. Er schiebt Jain in Richtung Bildmitte, bis der künftige endlich neben dem jetzigen steht. Jain lächelt, die Kameras klicken. Die Fotografen sind erleichtert, Jain ist es erkennbar nicht.

Jain sieht zwar aus wie George Clooney, aber er ist keiner, der die große Bühne liebt. Am liebsten säße er jetzt wahrscheinlich in der Londoner Great Winchester Street in seinem Büro. Jains Leben ist ein Leben in den Höhen der Hochfinanz. Er hat nur eine vage Vorstellung davon, wie die Bürger derzeit auf die Banker schauen. Einem wütenden Bankkunden oder einem politischen Rebellen der Occupy-Bewegung kommt er schon aus Sicherheitsgründen nicht zu nahe.

Je unsicherer die Finanzwelt wird, desto besorgter ist man in der Bank um die Sicherheit der Spitzenmannschaft. Ein ehemaliges Mitglied der US-Elitetruppe Navy Seals kümmert sich im Auftrag der Bank um die Sicherheit von Jain und seiner Familie. „Sicherheit“ ist auch ein willkommener Grund, die wahre Welt etwas auf Abstand zu halten.

Kommentare (19)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

peer

06.02.2012, 08:59 Uhr

Ich wünsche Herrn Anshu Jain alles Gute für seinen Job. Und wenn ich mir seine beiden Vorgänger so ansehe, wird auch der neue Chef sehr oft im Rampenlicht stehen. Schauen wir einfach mal, wie er sein Unternehmen repräsentieren wird.

Auf jeden Fall wird er den Niedergang der FED udn CITY voll miterleben und evtl. auch mitgestalten dürfen. Und vielleicht träumt er dann nicht mehr von seinem Büro in England, sondern von seinem Büro in Shanghai oder Singapore.

Klaus

06.02.2012, 09:47 Uhr

Tja, dann hat er wenigstens noch Träume.

HHS

06.02.2012, 09:55 Uhr

Es ist grossartig, dass "Exportweltmeister" Deutschland seine Internationalisierung und Globalisierung jetzt auch im Kern eines urdeutschen Unterenehmens von weltweiter Bedeutung vorantreibt. Anshu Jains religiöser Hintergrund weckt Vertrauen, seine Karriere zeigt, dass er weltweit die höchsten Positionen bekleiden könnte. Wir können stolz und froh sein, dass ein so ungewöhnliches Talent die Deutsche Bank leitet. Co-Chef Fitschen bietet die nötige Sicherheit, falls etwas schief gehen sollte. Ich sehe grosse Zeiten auf die Deutsche Bank zukommen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×