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10.08.2016

17:53 Uhr

Deutsche Börse

Drei Viertel der Aktionäre befürworten Fusion mit LSE

Immer mehr Deutsche-Börse-Aktionäre stimmen der Fusion mit der London Stock Exchange zu. Damit ist eine Hürde auf dem Weg zur Superbörse genommen. Doch bis zum Abschluss des Deals ist es noch weit.

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Börse bekommt grünes Licht für seine Fusionspläne. dpa

Carsten Kengeter

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Börse bekommt grünes Licht für seine Fusionspläne.

FrankfurtDie Deutsche Börse überzeugt immer mehr Aktionäre von ihren Fusionsplänen mit der Londoner Börse. Mehr als 75 Prozent der Anteilseigner hätten ihre Aktien für den Zusammenschluss mit der London Stock Exchange (LSE) inzwischen eingereicht, teilte der Frankfurter Börsenbetreiber am Mittwoch mit. Diese Quote hatte die Deutsche Börse ursprünglich auch angepeilt. Aus Angst, sie zu verfehlen und die Fusion damit platzen zu lassen, war die Hürde in letzter Minute auf 60 Prozent gesenkt worden. Mit 63,65 Prozent nach Ablauf der ersten Frist hatte die Börse die Hürde letztlich nur knapp übersprungen. Die restlichen Börsen-Aktionäre haben in der Nachfrist noch bis Freitag Zeit, ihre Aktien einzureichen. Die LSE-Aktionäre hatten bereits Anfang Juli grünes Licht für die 25 Milliarden Euro schwere Fusion gegeben.

Deutsche-Börse-Finanzvorstand Gregor Pottmeyer sprach am Mittwoch von einem „wichtigen Meilenstein“. Nun könne man sich darauf konzentrieren, die Zustimmung der Aufsichtsbehörden für die Fusion zu erhalten. Diese gilt als größtes Hindernis. Denn gerade nach dem Votum der Briten für den Austritt aus der EU wächst in Deutschland der Widerstand in der Politik und bei den Regulierern gegen London als geplanten Sitz des fusionierten Börsenbetreibers. Im Hintergrund werden zurzeit Kompromisse ausgelotet. Die Börsenfusion soll bis Mitte 2017 unter Dach und Fach sein.

Diese Fusionspläne der Deutschen Börse sind gescheitert

17. Juli 2000

Die Deutsche Börse präsentiert einen Plan für die Gründung de iX international exchange zusammen mit der Londoner LSE. Die beiden Partner hoffen, mit der paneuropäischen Handelsplattform weitere Börsenbetreiber mit ins Boot zu holen. Das Projekt scheitert allerdings an mangelnder Unterstützung.

Sommer 2003

Der damalige Chef der Deutschen Börse, Werner Seifert, trifft sich mit Euronext-Chef Francois Theodore. Die Gespräche über eine Fusion werden allerdings beendet, nachdem sich beide Seiten nicht über die Bewertung ihrer Häuser einig werden.

Frühling 2004

Seifert und Theodore nehmen ein weiteres Mal Kontakt auf. Ein Zwist über die Besetzung der Führungspositionen lässt sie abermals ergebnislos auseinandergehen.

August 2004

Die Schweizer Börse SWX lehnt Pläne der Deutschen Börse für eine Fusion, faktisch eine Übernahme, ab.

13. Dezember 2004

Die Deutsche Börse veröffentlicht ein Übernahmeangebot für die LSE über knapp zwei Milliarden Euro, das 2005 am Widerstand des Hedgefonds und Deutsche-Börse-Aktionärs TCI scheitert.

21. Februar 2006

Der neue Börsenchef Reto Francioni legt ein vorläufiges Fusionsangebot für die Pariser Euronext vor und facht damit ein Konsolidierungsfieber in der Branche an.

19. Mai 2006

Die Deutsche Börse dient Euronext-Chef Theodore die Führung eines vereinten Unternehmens an, besteht allerdings auf Frankfurt als Hauptsitz. Auch der Großteil des Managements sollte am Main angesiedelt sein.

Juni 2006

Die Deutsche Börse unterbreitet der Euronext einen überarbeiteten Fusionsvorschlag. Die Frankfurter geben in der Hauptquartiersfrage nach, doch der Vorstoß kommt zu spät: Die Euronext schließt sich mit der NYSE zusammen.

Dezember 2008

Deutsche Börse und NYSE Euronext loten eine Fusion aus. Die Pläne werden vorzeitig bekannt und scheitern.

April 2011

Die Börse wagt einen weiteren Versuch, mit der Nyse Euronext als Partner eine neue Größenordnung zu erreichen. Die US-Börsen Nasdaq OMX und ICE wollen die Fusion mit einer Gegenofferte für die Nyse torpedieren.

Februar 2012

Der Traum Francionis platzt erneut. Die EU-Kommission untersagt die Milliardenfusion mit der Nyse Euronext aus schwerwiegenden wettbewerbsrechtlichen Bedenken. Die EU fürchtet vor allem ein weltweites Monopol im Handel mit europäischen Finanzderivaten.

Februar 2016

Die Deutsche Börse und die Londoner Börse machen nach Marktgerüchten Pläne für einen Zusammenschluss öffentlich.

März 2016

Die Deutsche Börse und die London Stock Exchange (LSE) sind handelseinig und streben eine Fusion auf Augenhöhe an.

März 2017

Die EU-Kommission untersagt den milliardenschweren Deal, weil er auf dem Markt zur Abwicklung festverzinslicher Finanzinstrumente „ein De-Facto-Monopol“ geschaffen hätte.

Die Deutsche Börse hatte sich von Anfang an zuversichtlich gezeigt, die 75-Prozent-Schwelle zu überschreiten. Viele Indexfonds, die den deutschen Leitindex Dax abbilden und die rund 15 Prozent an der Deutschen Börse halten, dürfen ihre Anteile erst dann andienen, wenn die Schwelle von 50 Prozent erreicht ist.

Mit einer Mehrheit von 75 Prozent hätten die neue Holding die Möglichkeit, einen Beherrschungsvertrag mit der Deutschen Börse AG abzuschließen. Bisher haben beide Unternehmen jedoch nach eigenem Bekunden noch nicht entschieden, ob sie das überhaupt wollen.

Von

rtr

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