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18.09.2012

16:39 Uhr

Deutsche Börse

Francioni bleibt für eine weitere Amtszeit

Reto Francioni bleibt bis Ende Oktober 2016 Vorstandschef der Deutschen Börse. Der Aufsichtsrat des Dax-Konzerns verlängerte seinen Vertrag für eine weitere Amtszeit. Bewegung gibt es im Rest des Vorstands.

Reto Francioni, Chef der Deutschen Börse. Reuters

Reto Francioni, Chef der Deutschen Börse.

FrankfurtReto Francioni bleibt bis Ende Oktober 2016 Vorstandsvorsitzender der Deutschen Börse. Der Aufsichtsrat des Dax-Konzerns verlängerte den Vertrag des 57-Jährigen für eine weitere Amtszeit, wie die Deutsche Börse AG am Dienstag in Frankfurt mitteilte. Vom kommenden Frühjahr an soll das Führungsgremium zudem von sechs auf fünf Mitglieder verkleinert werden.

Francioni ist seit November 2005 Chef der Börse. Nach dem Scheitern der Fusion mit der New Yorker NYSE/Euronext im Februar war über seinen vorzeitigen Abtritt spekuliert worden. Die EU-Wettbewerbshüter hatten den Zusammenschluss der beiden Börsenriesen verhindert, weil sie befürchteten, in Europa würde ein Quasi-Monopolist im besonders lukrativen Handel mit Derivaten, also Finanzwetten, entstehen.

Die Stärken und Schwächen der Deutschen Börse

Stärke: Striktes Kostenmanagement

Die Deutsche Börse zählt zu den äußerst sparsamen Dax-Konzernen. Dafür gab es in den vergangenen Jahren zwar nicht nur Lob, sondern vor allem Kritik. Etwa als sich das Management entschloss, den Firmensitz von Frankfurt in das benachbarte Eschborn zu verlegen, allein um Steuern zu sparen.

Stärke: Überdurchschnittlich effizient

Unterm Strich bleibt, dass die Deutsche Börse ihre Kosten deutlich besser im Griff hat als viele ihrer Konkurrentinnen. Allein im Zeitraum 2010 bis 2012 hat der Dax-Konzern rund 150 Millionen Euro eingespart. Durch die verschiedensten Sparmaßnahmen sind die Kosten der Deutschen Börse seit 2007 um insgesamt rund 13 Prozent gesunken.

Stärke: Kosten werden weiter gesenkt

Finanzchef Gregor Pottmeyer hat jüngst angekündigt, die Kosten noch weiter zu senken: "Im Rahmen von Einzelmaßnahmen, nicht unbedingt in Form eines spektakulären Programms", sagte er bei der Vorstellung des Jahresberichts. Die Zahl der Mitarbeiter soll nicht verringert werden.

Stärke: Großes Angebot

Die Deutsche Börse ist anders als viele Konkurrenten ein integrierter Handelsbetreiber. Das heißt, sie bietet sämtliche Dienstleistungen rund um den Börsenhandel an, also auch die Abwicklung, das sogenannte Clearing, sowie die Verwahrung der Wertpapiere.

Stärke: Rechtzeitig der Zukunft angepasst

Ihr kommt zugute, dass sie sich frühzeitig als Dienstleister positioniert hat, während viele andere, die Handelsplätze in New York und London beispielsweise, sich zu lange über den althergebrachten Aktienhandel definiert haben, der längst nicht mehr so lukrativ ist wie noch vor einem Jahrzehnt.

Stärke: Breites und solides Fundament

Die Deutsche Börse dagegen verfügt dank ihrer vier Geschäftsbereiche - dem Aktienhandel Xetra, ihrer Derivatebörse Eurex, der Abwicklungstochter Clearstream sowie dem Bereich Marktdaten und Analyse - über ein breites und deshalb solides Fundament. Der Plan von Konzernchef Reto Francioni sieht zudem vor, sich künftig noch stärker als IT-Spezialist zu positionieren und vor allem das externe IT-Geschäft auszubauen.

Schwäche: Fordernde Politiker

Es gibt Themen, die hören die Vorstände der Deutschen Börse gar nicht gerne: Die von vielen Politikern geforderte Finanztransaktionssteuer ist so eines - oder das generelle Verbot des Hochfrequenzhandels. Beides würde den Dax-Konzern schwer treffen.

Schwäche: Beste Kunden in Gefahr

Beim Hochfrequenzhandel versuchen die Beteiligten, in Bruchteilen von Sekunden selbst kleinste Kursunterschiede rund um den Globus zu nutzen. Diese Händler zählen zu den besten Kunden des Dax-Konzerns. In den vergangenen fünf Jahren ist ihr Anteil am Aktienhandel bei der Deutschen Börse Schätzungen zufolge von vier auf rund 40 Prozent gestiegen.

Schwäche: Hochfrequenzhandel zu wichtig

Der Dax-Konzern braucht seine Hochgeschwindigkeitskundschaft. Erst kürzlich ist eine Studie von der Universität Frankfurt erschienen, die zu dem Schluss kommt, dass der Hochfrequenzhandel nicht schädlich sei für die Märkte. Gesponsert wurde die Studie allerdings von der Deutschen Börse.

Schwäche: Hartnäckige Angreifer

Die neuen Angreifer, sogenannte Multilateral Trading Facilities (MTFs), machen der Deutschen Börse im Aktienhandel schwer zu schaffen. Nach der Liberalisierung des Wertpapierhandels in der EU nehmen diese alternativen Handelsplattformen den etablierten Börsen zunehmend Geschäft ab.

Schwäche: Anteile schrumpfen

Betrug der Anteil der Deutschen Börse am europäischen Aktienhandel 2008 noch mehr als 17 Prozent, ist er jetzt auf zwölf Prozent geschrumpft. Wo die Umsätze geblieben sind, zeigt ein Blick auf die Statistik der Angreifer Bats Europe und Chi-X, die mittlerweile zu einem Unternehmen zusammengewachsen sind. Ihr Anteil am europäischen Aktienhandel stieg in den vergangenen Jahren von etwa fünf Prozent auf gut 20 Prozent. Ein Trost für die Deutschen: Noch härter trifft der Aufschwung der Alternativplattformen die Konkurrentin in Großbritannien, die London Stock Exchange (LSE).

Francioni hatte nach dem Veto der EU-Kommission jedoch persönliche Konsequenzen ausgeschlossen: „Wir haben keine Fehler gemacht, wir sind erst von Brüssel gestoppt worden.“ Er werde seinen bis Ende Oktober 2013 laufenden Vertrag erfüllen, sagte der Schweizer damals.

Neu in den Vorstand kommt Hauke Stars (45). Die Informatik-Ingenieurin soll zum 1. Dezember die Verantwortung für die IT übernehmen. Stars wird Nachfolgerin von Michael Kuhn (58), dessen Vertrag zum Jahresende ausläuft. Sie arbeitete zuletzt beim IT-Konzern Hewlett-Packard.

Kassamarktvorstand Frank Gerstenschläger (52) geht indes - nach mehr als 20 Jahren in verschiedenen Führungspositionen bei der Gruppe Deutsche Börse - auf eigenen Wunsch zum 31. März 2013. Kassamarkt- und Derivategeschäft, das Xetra und die Derivatebörse Eurex umfasst, sollen nach Gerstenschlägers Ausscheiden unter der Leitung des stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden Andreas Preuss (56) zusammengeführt werden. Damit fiele ein Vorstandsposten weg.

„Mit der heutigen Entscheidung, die beiden Marktbereiche Kassamarkt- und Derivategeschäft in einem Vorstandsressort zu führen, haben wir einen weiteren Schritt zur Steigerung der Effektivität der Gruppe Deutsche Börse getan. Dies liegt im Kunden- wie auch im Aktionärsinteresse“, erklärte Aufsichtsratschef Joachim Faber in einer Mitteilung.

Francioni werde sich in seiner neuen Amtsperiode „besonders auf die Umsetzung der weiterentwickelten Strategie konzentrieren“, erklärte Faber. Nach der geplatzten Fusion mit der New York Stock Exchange (NYSE) hatte die Deutsche Börse ihre eigene Stärke betont. Vor allem in Asien will der Konzern zulegen. Angestrebt ist, 2012 sowohl das operative Ergebnis (EBIT) als auch den Umsatz zu steigern.

Von

dpa

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