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29.04.2015

21:10 Uhr

Deutsche Börse

Frankfurter Börsenkonzern hebt Umsatzprognose an

Die Deutsche Börse profitiert kräftig vom Boom am Aktienmarkt. Das Unternehmen hob die Umsatzerwartung für das laufende Jahr an. Doch der Betriebsgewinn ging im ersten Quartal zurück.

Im ersten Quartal ging der Betriebsgewinn um neun Prozent auf 313 Millionen Euro zurück. dpa

Deutsche Börse

Im ersten Quartal ging der Betriebsgewinn um neun Prozent auf 313 Millionen Euro zurück.

FrankfurtDer Boom an den Aktienmärkten hat der Deutschen Börse Anfang 2015 kräftigen Rückenwind verliehen. Das Unternehmen steigerte seine Nettoerlöse im ersten Quartal um 16 Prozent auf 600 Millionen Euro und hob daraufhin seine Jahresprognose an. Investitionskapital, das im Zuge der Euro-Krise in die USA oder nach Asien abgezogen worden sein, kehre nun wieder nach Europa zurück, erklärte Deutschlands größter Börsenbetreiber am Mittwochabend. Auch die Abwertung des Euro gegenüber dem Dollar habe für eine Belebung des Handels gesorgt.

Bereits seit Herbst 2014 haben die Schwankungen an den Märkten wegen der Krisen in der Ukraine und Griechenland zugenommen. Wenn die Volatilität hoch ist, sind unter anderem Hochfrequenzhändler aktiver, die bei der Deutschen Börse für 20 bis 25 Prozent der Umsätze verantwortlich sind.

Zudem führen Spekulationen über die Frage, wann die US-Notebank Fed die Zinsen anhebt, zu höheren Handelsvolumen. Die Derivate-Tochter Eurex - die wichtigste Sparte des Konzerns - baute ihren Umsatz in der Folge im ersten Quartal um 18 Prozent aus. Auch das Geschäft der Wertpapier-Verwahrtochter Clearstream und der Verkauf von Marktdaten zogen deutlich an.

Für das laufende Jahr hob das Frankfurter Unternehmen seine Umsatzprognose deshalb um 100 Millionen Euro auf 2,2 bis 2,4 Milliarden Euro an. Die Gewinnziele schraubte der Konzern um jeweils 50 Millionen Euro nach oben. Der um Sondereffekte bereinigte Betriebsgewinn soll sich im laufenden Jahr nun auf 975 Millionen Euro bis 1,18 Milliarden Euro belaufen, der Überschuss auf 675 bis 825 Millionen Euro.

Im ersten Quartal ging der Betriebsgewinn allerdings um neun Prozent auf 313 Millionen Euro zurück. Verantwortlich dafür machte die Deutsche Börse einen Sonderertrag im Vorjahr. Damals fusionierten die US-Börsen Bats Global Markets und Direct Edge, wodurch der Wert des Deutsche-Börse-Anteils an Direct Edge deutlich stieg.

Börsenfusionen

Nicht immer erfolgreich

Der Wettbewerb im Börsenhandel ist hart. Alternative Aktienhandelsplattformen, meist gegründet von Investmentbanken, machen den klassischen Börsen das Leben schwer. Die relativ hohen Kosten zwingen die etablierten Betreiber zu Zusammenschlüssen. Doch nicht alle Fusionspläne glücken.

Paris/Amsterdam

Die Aktien- und Derivatemärkte von Paris, Amsterdam und Brüssel schließen sich im Jahr 2000 zur europäischen Mehrländerbörse Euronext zusammen. Später kommen Lissabon und die Londoner Terminbörse Liffe hinzu.

New York/Amsterdam

Euronext und die New Yorker Stock Exchange (NYSE) fusionieren 2007 zur transatlantischen Mega-Börse.

New York/Frankfurt

Die Fusion der Börsen von Frankfurt und New York scheitert im Februar 2012 am Veto der EU-Wettbewerbshüter. Für Störfeuer sorgten zeitweise die Technologiebörse Nasdaq und die US-Rohstoffbörse Intercontinental-Exchange (ICE) mit einem rund elf Milliarden Dollar schweren feindlichen Übernahmeangebot für die NYSE/Euronext.

Singapur/Sydney

Die Börse Singapur (SGX) versuchte 2011, die australische Börse ASX zu schlucken. Dafür bot sie 8,4 Milliarden australische Dollar (damals 5,9 Mrd Euro). Der australische Finanzminister Wayne Swanch erklärte aber klar, das Angebot der Asiaten sei „nicht im nationalen Interesse“.

London/Frankfurt

Die Deutsche Börse versuchte mehrfach erfolglos, die London Stock Exchange (LSE) zu kaufen. Auch die Nasdaq bemühte sich mehr als einmal vergeblich um die Londoner.

London/Toronto

2011 mussten die LSE und die Börse Toronto (TMX) ihre Hochzeit abblasen. Eine Gruppe kanadischer Finanzfirmen war den Briten in die Parade gefahren und hatte ein eigenes Übernahmeangebot vorgelegt. Damit wollten die Kanadier verhindern, dass der wichtigste Finanzhandelsplatz des Landes in ausländische Hände fällt. Die größere Londoner LSE hätte in der Ehe die Übermacht gehabt.

Bei der Deutschen Börse sind es die letzten Quartalszahlen, für die Firmenchef Reto Francioni verantwortlich ist. Nach rund zehn Jahren an der Spitze des Unternehmens tritt er Ende Mai ab. Sein Nachfolger wird Investmentbanker Carsten Kengeter, der bereits im April bei der Deutschen Börse angefangen hat.

Investoren hoffen, dass Kengeter dank seiner Erfahrungen bei UBS und Goldman Sachs das Geschäft der Deutschen Börse mit große Investmentbanken ausbauen wird. Am Finanzplatz Frankfurt hoffen viele Banker, dass sich Kengeter stärker in öffentliche Diskussionen einmischt als sein Vorgänger, der Besprechungen im Hinterzimmer bevorzugt.

Von

rtr

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