Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.02.2016

18:15 Uhr

Deutsche Börse im Umbau

Angriff auf die Marktführer

Zukäufe, Konsolidierungen, Schuldenabbau – Carsten Kengeter, der neue Vorstandschef der Deutschen Börse, wirbelt den Konzern ordentlich durcheinander. Offenbar mit Erfolg: Ertrag und Gewinn legten 2015 kräftig zu.

Um das Rating der Deutschen Börse nicht zu gefährden, will Konzernchef Kengeter Schulden abbauen. Größere Zukäufe sind so nicht möglich. dpa

Zukäufe nur in kleinerem Volumen geplant

Um das Rating der Deutschen Börse nicht zu gefährden, will Konzernchef Kengeter Schulden abbauen. Größere Zukäufe sind so nicht möglich.

FrankfurtDer neue Vorstandschef Carsten Kengeter will das Tempo beim Umbau der Deutschen Börse hochhalten. Ziel müsse es sein, in allen wesentlichen Geschäftsbereichen weltweit Nummer eins oder zwei zu werden, sagte der 48-Jährige am Donnerstag bei seiner ersten Bilanzpressekonferenz als Chef von Deutschlands größtem Börsenbetreiber. Zukäufe alleine würden dabei aber nicht ausreichen. Auch der Konzern selbst müsse schneller und innovativer werden. „Wenn sich ein Unternehmen in einem dynamischen Markt bewegt, muss es auch versuchen, selbst dynamisch zu sein“, betonte der langjährige Investmentbanker.

Kengeter hat das Frankfurter Unternehmen seit seinem Amtsantritt im Sommer 2015 bereits kräftig umgekrempelt. Für insgesamt 1,3 Milliarden Euro kaufte er zwei Index-Anbieter und die Devisenhandelsplattform 360T. Zudem baute er die Vorstandsressorts um, damit die Derivate-Sparte Eurex und die Wertpapierverwahrtochter Clearstream besser zusammenarbeiten. Beide Geschäftsbereiche agierten bisher relativ unabhängig voneinander, obwohl sie häufig die gleichen Kunden haben, allen voran die großen Investmentbanken. „Wir schulden dem Markt den Beweis, dass unser integriertes Geschäftsmodell einen Mehrwert erwirtschaftet, der sich auch im Börsenwert widerspiegelt“, sagte Kengeter

Clearstream : Deutsche-Börse-Tochter legt deutlich zu

Clearstream

Deutsche-Börse-Tochter legt deutlich zu

Banken und Investoren machen seit der Finanzkrise immer seltener unbesicherte Geschäfte. Davon profitiert die Wertpapier-Verwahrungstochter der Deutschen Börse. Doch der Vorstandschef sieht noch Verbesserungsbedarf.

Auf Fragen nach weiteren Übernahmen reagierte Kengeter ausweichend. Das Unternehmen sei offen für kleinere Zukäufe und Gemeinschaftsfirmen. Da der Konzern sein Rating nicht gefährden wolle, sei er jedoch vor allem bestrebt, die Verschuldungsquote zu senken. Die Deutsche Börse könnte für größere Übernahmen zwar auch eine Kapitalerhöhung stemmen, das ist dem Unternehmen zufolge aber nicht geplant.

Die Deutsche Börse ist am Kapitalmarkt derzeit rund 14 Milliarden Euro wert und damit die klare Nummer eins in Europa. US-Konkurrenten wie CME und ICE, die im Derivategeschäft führend sind, werden etwa doppelt so hoch bewertet. Die Frankfurter lägen im Derivatehandel derzeit auf dem dritten Platz, sagte Kengeter. „Wir könnten da auch mal die Nummer zwei werden, wenn wir uns sehr sehr sehr sehr anstrengen.“ Im Wertpapierverwahrgeschäft haben aus Sicht von Experten derzeit der US-Konzern DTCC und Euroclear die Nase vorne. Die Deutsche-Börse-Tochter Clearstream habe aber das Ziel, Euroclear zu überholen, betonte der zuständige Vorstand Jeffrey Tessler.

Im vergangenen Jahr profitierte die Deutsche Börse von den hohen Ausschlägen an den Märkten – ausgelöst unter anderem von der Griechenland-Krise, dem geringeren Wirtschaftswachstums in China und dem VW-Skandal. Die Erträge und der bereinigte Gewinn legten deutlich zu. Die Dividende soll um sieben Prozent auf 2,25 Euro je Aktie steigen. Deutsche-Börse-Aktien gewannen rund fünf Prozent.

Bilanzcheck Deutsche Börse: Neuer Chef, alte Sorgen

Bilanzcheck Deutsche Börse

Premium Neuer Chef, alte Sorgen

Führungswechsel bei der Deutschen Börse: Carsten Kengeter übernimmt einen Konzern ohne Visionen – solide, aber nicht sexy. In den neuen Chef werden große Hoffnungen gesetzt. Kommt jetzt der Aufbruch?

Auch die Aussichten für 2016 seien angesichts der weiter hohen Volatilität an den Märkten gut, erklärte Equinet-Analyst Philipp Häßler. Nach Einschätzung von Kengeter sind die heftigen Kursbewegungen auch auf die seit der Finanzkrise veränderte Marktstruktur zurückführen. „Wir müssen uns daran gewöhnen, dass solche Ausschläge vielleicht etwas normaler sind in der Zukunft und gar nicht so viel Ungesundheit beim unterliegenden Wert andeuten.“ Wegen neuer Kapitalvorschriften sind unter anderem Großbanken nicht mehr so aktiv am Aktienmarkt wie in der Vergangenheit. Zudem herrsche an den Märkten derzeit große Unsicherheit über die makroökonomische Entwicklung, erklärte Deutsche-Börse-Vorstand Hauke Stars.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×