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24.02.2016

17:31 Uhr

Deutsche Börse und LSE

Das sind die Hürden für eine Fusion der Börsenbetreiber

Die Deutsche Börse hat mehrfach vergeblich versucht, mit einem großen Partner zu fusionieren. Auch der nun geplante Zusammenschluss mit der London Stock Exchange wackelt. Ein Überblick, welche Hürden zu nehmen sind.

Umstritten ist, welche Auswirkungen ein möglicher Austritt Großbritanniens aus der EU auf den Deal hätte. Reuters

Vorbehalte in Großbritannien

Umstritten ist, welche Auswirkungen ein möglicher Austritt Großbritanniens aus der EU auf den Deal hätte.

FrankfurtAufsichtsbehörden: Diverse Aufsichtsbehörden müssen grünes Licht für die Fusion geben, allen voran die EU-Kommission. „Die Wettbewerbshüter sind der größte Stolperstein“, betonen die Experten des Analysehauses Exane BNP Paribas. Insider gehen davon aus, dass sich der Überprüfungsprozess bis 2017 hinziehen wird. 2012 untersagte die EU die Fusion von Deutscher Börse und New York Stock Exchange, weil sie die Marktmacht der Konzerne im Derivategeschäft für zu groß hielt.

Im Derivatehandel sehen Experten dieses mal wenig Probleme, schließlich mischt hier in Europa inzwischen die US-Börse ICE kräftig mit. Zudem hat der amerikanische Konkurrent Nasdaq angekündigt, ins Geschäft mit Zinsderivaten einzusteigen. Auch im europaweit zersplitterten Aktienhandel gebe es keine Bedenken, sagte ein Aufseher der Nachrichtenagentur Reuters.

Diese Fusionspläne der Deutschen Börse sind gescheitert

17. Juli 2000

Die Deutsche Börse präsentiert einen Plan für die Gründung de iX international exchange zusammen mit der Londoner LSE. Die beiden Partner hoffen, mit der paneuropäischen Handelsplattform weitere Börsenbetreiber mit ins Boot zu holen. Das Projekt scheitert allerdings an mangelnder Unterstützung.

Sommer 2003

Der damalige Chef der Deutschen Börse, Werner Seifert, trifft sich mit Euronext-Chef Francois Theodore. Die Gespräche über eine Fusion werden allerdings beendet, nachdem sich beide Seiten nicht über die Bewertung ihrer Häuser einig werden.

Frühling 2004

Seifert und Theodore nehmen ein weiteres Mal Kontakt auf. Ein Zwist über die Besetzung der Führungspositionen lässt sie abermals ergebnislos auseinandergehen.

August 2004

Die Schweizer Börse SWX lehnt Pläne der Deutschen Börse für eine Fusion, faktisch eine Übernahme, ab.

13. Dezember 2004

Die Deutsche Börse veröffentlicht ein Übernahmeangebot für die LSE über knapp zwei Milliarden Euro, das 2005 am Widerstand des Hedgefonds und Deutsche-Börse-Aktionärs TCI scheitert.

21. Februar 2006

Der neue Börsenchef Reto Francioni legt ein vorläufiges Fusionsangebot für die Pariser Euronext vor und facht damit ein Konsolidierungsfieber in der Branche an.

19. Mai 2006

Die Deutsche Börse dient Euronext-Chef Theodore die Führung eines vereinten Unternehmens an, besteht allerdings auf Frankfurt als Hauptsitz. Auch der Großteil des Managements sollte am Main angesiedelt sein.

Juni 2006

Die Deutsche Börse unterbreitet der Euronext einen überarbeiteten Fusionsvorschlag. Die Frankfurter geben in der Hauptquartiersfrage nach, doch der Vorstoß kommt zu spät: Die Euronext schließt sich mit der NYSE zusammen.

Dezember 2008

Deutsche Börse und NYSE Euronext loten eine Fusion aus. Die Pläne werden vorzeitig bekannt und scheitern.

April 2011

Die Börse wagt einen weiteren Versuch, mit der Nyse Euronext als Partner eine neue Größenordnung zu erreichen. Die US-Börsen Nasdaq OMX und ICE wollen die Fusion mit einer Gegenofferte für die Nyse torpedieren.

Februar 2012

Der Traum Francionis platzt erneut. Die EU-Kommission untersagt die Milliardenfusion mit der Nyse Euronext aus schwerwiegenden wettbewerbsrechtlichen Bedenken. Die EU fürchtet vor allem ein weltweites Monopol im Handel mit europäischen Finanzderivaten.

Februar 2016

Die Deutsche Börse und die Londoner Börse machen nach Marktgerüchten Pläne für einen Zusammenschluss öffentlich.

März 2016

Die Deutsche Börse und die London Stock Exchange (LSE) sind handelseinig und streben eine Fusion auf Augenhöhe an.

März 2017

Die EU-Kommission untersagt den milliardenschweren Deal, weil er auf dem Markt zur Abwicklung festverzinslicher Finanzinstrumente „ein De-Facto-Monopol“ geschaffen hätte.

Die größten Probleme sehen Experten und Insider bei der Abwicklung von Derivategeschäften. Hier gehören die Deutsche-Börse-Tocher Eurex und die Firma LCH.Clearnet, die der LSE mehrheitlich gehört, zu den führenden Anbietern. „Es ist wahrscheinlich, dass die Regulierer prüfen, ob eine Kombination beider Unternehmen zu weniger Wettbewerb führt“, erklären die Analysten der Großbank UBS. Auch die Situation in der Wertpapierverwahrung und im Marktdatengeschäft würden sich die Behörden sicher ansehen, erklärte der Aufseher. Neben der EU müssen auch die Behörden in Großbritannien und die hessische Börsenaufsicht grünes Licht geben. An dieser Front erwarten Experten bisher allerdings keine größeren Probleme.

Politik: Beim letzten Versuch, Deutsche Börse und LSE zu verschmelzen, gab es in Großbritannien große Vorbehalte. Medien und Politiker machten massiv Stimmung gegen den Verkauf der altehrwürdige Londoner Börse an einen deutschen Konzern. „Beim Mann auf der Straße bleibt sicher auch dieses mal hängen, dass die Deutschen eine britische Institution übernehmen wollen“, sagte der britische Parlamentarier Mark Garnier.

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