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26.07.2016

17:49 Uhr

Deutsche Börse und LSE

Deutsche-Börse-Aktionäre stimmen Übernahme zu

VonMichael Brächer

Die Deutsche-Börse-Aktionäre haben kurz vor Ablauf einer Frist der Fusion mit der London Stock Exchange zugestimmt. Damit ist eine Hürde auf dem Weg zur Superbörse genommen. Doch bis zum Abschluss des Deals ist es noch weit.

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Börse bekommt grünes Licht für seine Fusionspläne. dpa

Carsten Kengeter

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Börse bekommt grünes Licht für seine Fusionspläne.

FrankfurtDie Aktionäre der Deutschen Börse haben es spannend gemacht: Erst am Dienstagnachmittag, wenige Stunden vor dem Ende der Zustimmungsfrist war sicher: Mehr als 60 Prozent der Aktionäre haben ihre Anteilsscheine zum Tausch gegen die einer neuen europäischen Superbörse angeboten und stimmen damit für die Fusion mit der London Stock Exchange (LSE), wie der der Dax-Konzern mitteilte.

Zunächst hatte die Deutsche Börse eine Zustimmungsquote von mindestens 75 Prozent der Anteilseigner vorgesehen. Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter hatte diese Schwelle allerdings erst kürzlich auf 60 Prozent gesenkt und die Frist zur Annahme des Aktientauschangebots bis zum 26. Juli verlängert. Um 17 Uhr betrug die Zustimmungsquote 60,35 Prozent, teilte die Börse mit.

Gemeinsam wollen Deutsche Börse und LSE zu einem europäischen Börsenriesen verschmelzen. Die Aktionäre der Londoner haben den 25 Milliarden Euro schweren Deal bereits mit breiter Mehrheit abgenickt.

Diese Fusionspläne der Deutschen Börse sind gescheitert

17. Juli 2000

Die Deutsche Börse präsentiert einen Plan für die Gründung de iX international exchange zusammen mit der Londoner LSE. Die beiden Partner hoffen, mit der paneuropäischen Handelsplattform weitere Börsenbetreiber mit ins Boot zu holen. Das Projekt scheitert allerdings an mangelnder Unterstützung.

Sommer 2003

Der damalige Chef der Deutschen Börse, Werner Seifert, trifft sich mit Euronext-Chef Francois Theodore. Die Gespräche über eine Fusion werden allerdings beendet, nachdem sich beide Seiten nicht über die Bewertung ihrer Häuser einig werden.

Frühling 2004

Seifert und Theodore nehmen ein weiteres Mal Kontakt auf. Ein Zwist über die Besetzung der Führungspositionen lässt sie abermals ergebnislos auseinandergehen.

August 2004

Die Schweizer Börse SWX lehnt Pläne der Deutschen Börse für eine Fusion, faktisch eine Übernahme, ab.

13. Dezember 2004

Die Deutsche Börse veröffentlicht ein Übernahmeangebot für die LSE über knapp zwei Milliarden Euro, das 2005 am Widerstand des Hedgefonds und Deutsche-Börse-Aktionärs TCI scheitert.

21. Februar 2006

Der neue Börsenchef Reto Francioni legt ein vorläufiges Fusionsangebot für die Pariser Euronext vor und facht damit ein Konsolidierungsfieber in der Branche an.

19. Mai 2006

Die Deutsche Börse dient Euronext-Chef Theodore die Führung eines vereinten Unternehmens an, besteht allerdings auf Frankfurt als Hauptsitz. Auch der Großteil des Managements sollte am Main angesiedelt sein.

Juni 2006

Die Deutsche Börse unterbreitet der Euronext einen überarbeiteten Fusionsvorschlag. Die Frankfurter geben in der Hauptquartiersfrage nach, doch der Vorstoß kommt zu spät: Die Euronext schließt sich mit der NYSE zusammen.

Dezember 2008

Deutsche Börse und NYSE Euronext loten eine Fusion aus. Die Pläne werden vorzeitig bekannt und scheitern.

April 2011

Die Börse wagt einen weiteren Versuch, mit der Nyse Euronext als Partner eine neue Größenordnung zu erreichen. Die US-Börsen Nasdaq OMX und ICE wollen die Fusion mit einer Gegenofferte für die Nyse torpedieren.

Februar 2012

Der Traum Francionis platzt erneut. Die EU-Kommission untersagt die Milliardenfusion mit der Nyse Euronext aus schwerwiegenden wettbewerbsrechtlichen Bedenken. Die EU fürchtet vor allem ein weltweites Monopol im Handel mit europäischen Finanzderivaten.

Februar 2016

Die Deutsche Börse und die Londoner Börse machen nach Marktgerüchten Pläne für einen Zusammenschluss öffentlich.

März 2016

Die Deutsche Börse und die London Stock Exchange (LSE) sind handelseinig und streben eine Fusion auf Augenhöhe an.

März 2017

Die EU-Kommission untersagt den milliardenschweren Deal, weil er auf dem Markt zur Abwicklung festverzinslicher Finanzinstrumente „ein De-Facto-Monopol“ geschaffen hätte.

Offenbar waren viele Aktionäre bis zuletzt nicht von dem Fusionsvorhaben überzeugt. Durch das britische Votum für den Austritt aus der EU ist das mühsam ausgehandelte Machtgefüge zwischen beiden Konzernen allerdings aus der Balance geraten. Wichtige Großanleger auf der deutschen Seite fürchteten, dass das LSE-Geschäft unter den Folgen der Brexit-Entscheidung leiden werde. So droht das lukrative Euro-Clearinggeschäft der Londoner bei den Brexit-Verhandlungen zwischen London und Brüssel zum Faustpfand zu werden. Zudem belastet der schwache Pfundkurs die Ertragsseite der Londoner. Weil dadurch der Wert der Londoner Börse sinke, müssten eigentlich die Konditionen bei dem Deal zugunsten der Deutsche-Börse-Aktionäre nachgebessert werden, hatten Experten moniert.

Auch wenn die Aktionäre der Deutschen Börse am Dienstag mehrheitlich dem Deal zustimmt haben, so muss dies nicht bedeuten, dass sie auch an seinen Erfolg glauben. Denn bis die Fusion am Ziel ist, sind noch viele Hürden zu nehmen.

Vor allem die Frage, wo der Sitz der Börse sein wird, droht zur Zerreißprobe zu werden. Laut Fusionsvertrag soll der Rechtssitz des fusionierten Konzerns in London angesiedelt werden. Dass die Superbörse nach einem Brexit von außerhalb der EU gesteuert werden soll, gilt für Politiker und Aufseher aus Deutschland aber als Tabu. Über die Standortfrage muss also neu verhandelt werden. Die Börsen haben einen Referendumsausschuss gebildet, der diese und weitere Fragen klären soll. Er kam am vergangenen Donnerstag erstmals zusammen.

Der Bankenverband hatte sich am Montag für einen Börsensitz in Frankfurt stark gemacht. „Ein Unternehmenssitz außerhalb der EU erscheint nach dem Brexit nicht sinnvoll“, sagte der Geschäftsführer des Bankenverbands (BdB), Michael Kemmer der Nachrichtenagentur dpa. „Es ist davon auszugehen, dass diese Diskussion noch mal neu aufgerollt wird.“ Die Fusion bleibe aber auch nach dem Brexit-Votum sinnvoll.

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