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28.07.2016

16:50 Uhr

Deutsche Börse und LSE

EU-Kommission wird Fusion genau unter die Lupe nehmen

VonReuters

Die Verschmelzung der Deutschen Börse und der London Stock Exchange wird von der EU-Kommission geprüft. Kunden und Konkurrenten werden zum Deal befragt. Er soll „so bald wie möglich ” in Brüssel angemeldet werden.

Die Zustimmung der EU-Kommission und der hessischen Börsenaufsicht gelten als größte Hürden für den 25 Milliarden Euro schweren Deal. dpa

Deutsche Börse und London Stock Exchange

Die Zustimmung der EU-Kommission und der hessischen Börsenaufsicht gelten als größte Hürden für den 25 Milliarden Euro schweren Deal.

FrankfurtDeutsche Börse und London Stock Exchange (LSE) stellen sich auf eine intensive Prüfung ihrer Fusionspläne durch die EU-Kommission ein. „Wir erwarten, dass es eine zweistufige Untersuchung geben wird”, sagte Deutsche-Börse-Finanzchef Gregor Pottmeyer am Donnerstag in einer Telefonkonferenz mit Analysten. Dabei handelt es sich um eine ausführliche Analyse, bei der die Wettbewerbshüter umfangreiche Informationen und interne Dokumente von den Fusionspartnern anfordern. Die Zustimmung der EU-Kommission und der hessischen Börsenaufsicht gelten als größte Hürden für den 25 Milliarden Euro schweren Deal.

Bei einer intensiven Prüfung verschickt die EU-Kommission umfangreiche Fragebögen an Konkurrenten und Kunden, um deren Meinung zum beantragten Zusammenschluss einzuholen. Spannend bei der Börsen-Fusion ist vor allem die Frage, wie die Banken den Deal sehen, schließlich zählen sie zu den größten Kunden. Die Deutsche Bank und die HypoVereinsbank haben sich für die Fusion ausgesprochen, andere Großbanken halten sich dagegen bisher bedeckt. Die EU-Kommission hat für eine Phase-II-Prüfung 90 Arbeitstage Zeit, kann die Untersuchung bei Bedarf aber auch verlängern. Pottmeyer kündigte an, die Fusionsunterlagen „so bald wie möglich” in Brüssel einzureichen. Insider rechnen damit Ende August oder Anfang September.

Diese Fusionspläne der Deutschen Börse sind gescheitert

17. Juli 2000

Die Deutsche Börse präsentiert einen Plan für die Gründung de iX international exchange zusammen mit der Londoner LSE. Die beiden Partner hoffen, mit der paneuropäischen Handelsplattform weitere Börsenbetreiber mit ins Boot zu holen. Das Projekt scheitert allerdings an mangelnder Unterstützung.

Sommer 2003

Der damalige Chef der Deutschen Börse, Werner Seifert, trifft sich mit Euronext-Chef Francois Theodore. Die Gespräche über eine Fusion werden allerdings beendet, nachdem sich beide Seiten nicht über die Bewertung ihrer Häuser einig werden.

Frühling 2004

Seifert und Theodore nehmen ein weiteres Mal Kontakt auf. Ein Zwist über die Besetzung der Führungspositionen lässt sie abermals ergebnislos auseinandergehen.

August 2004

Die Schweizer Börse SWX lehnt Pläne der Deutschen Börse für eine Fusion, faktisch eine Übernahme, ab.

13. Dezember 2004

Die Deutsche Börse veröffentlicht ein Übernahmeangebot für die LSE über knapp zwei Milliarden Euro, das 2005 am Widerstand des Hedgefonds und Deutsche-Börse-Aktionärs TCI scheitert.

21. Februar 2006

Der neue Börsenchef Reto Francioni legt ein vorläufiges Fusionsangebot für die Pariser Euronext vor und facht damit ein Konsolidierungsfieber in der Branche an.

19. Mai 2006

Die Deutsche Börse dient Euronext-Chef Theodore die Führung eines vereinten Unternehmens an, besteht allerdings auf Frankfurt als Hauptsitz. Auch der Großteil des Managements sollte am Main angesiedelt sein.

Juni 2006

Die Deutsche Börse unterbreitet der Euronext einen überarbeiteten Fusionsvorschlag. Die Frankfurter geben in der Hauptquartiersfrage nach, doch der Vorstoß kommt zu spät: Die Euronext schließt sich mit der NYSE zusammen.

Dezember 2008

Deutsche Börse und NYSE Euronext loten eine Fusion aus. Die Pläne werden vorzeitig bekannt und scheitern.

April 2011

Die Börse wagt einen weiteren Versuch, mit der Nyse Euronext als Partner eine neue Größenordnung zu erreichen. Die US-Börsen Nasdaq OMX und ICE wollen die Fusion mit einer Gegenofferte für die Nyse torpedieren.

Februar 2012

Der Traum Francionis platzt erneut. Die EU-Kommission untersagt die Milliardenfusion mit der Nyse Euronext aus schwerwiegenden wettbewerbsrechtlichen Bedenken. Die EU fürchtet vor allem ein weltweites Monopol im Handel mit europäischen Finanzderivaten.

Februar 2016

Die Deutsche Börse und die Londoner Börse machen nach Marktgerüchten Pläne für einen Zusammenschluss öffentlich.

März 2016

Die Deutsche Börse und die London Stock Exchange (LSE) sind handelseinig und streben eine Fusion auf Augenhöhe an.

März 2017

Die EU-Kommission untersagt den milliardenschweren Deal, weil er auf dem Markt zur Abwicklung festverzinslicher Finanzinstrumente „ein De-Facto-Monopol“ geschaffen hätte.

Aus Sicht von deutschen Politikern und der Finanzaufsicht Bafin ist die Fusion nach dem Brexit-Votum schwer vorstellbar, wenn die Mega-Börse anschließend wie geplant in London angesiedelt wird. Die Deutsche Börse spricht deshalb Insidern zufolge mit der LSE über eine Verlagerung des Firmensitzes in die EU beziehungsweise über die Schaffung eines doppelten Firmensitzes für die Holding. Ein für solche Fragen eingerichtetes Referendums-Komitee beider Unternehmen habe die Arbeit aufgenommen, erklärte Pottmeyer. Die Konzerne würden alles tun, um die regulatorischen Auflagen zu erfüllen und den Deal abzuschließen. „Aber wir werden nicht darüber berichten, welche Diskussionen innerhalb des Referendum-Komitees in den kommenden Monaten geführt werden.”

Nach den LSE-Aktionären hatten am Dienstag auch die Eigentümer der Deutschen Börse grünes Licht für die Fusion gegeben. Die finalen Ergebnisse sollen am Freitag veröffentlicht werden. Danach soll nochmals eine zweiwöchige Frist für alle übrigen Aktionäre starten, ihre Papiere doch noch anzudienen. Sie wird vermutlich bis 12. August laufen. Pottmeyer zeigte sich zuversichtlich, dass die Annahmequote, die zuletzt bei 60,35 Prozent lag, dann deutlich steigen wird. Für die Hessen wäre das wichtig, wenn sie einen Beherrschungsvertrag zwischen der Holding der Mega-Börse und der Deutschen Börse vereinbaren oder die verbliebenen Deutsche-Börse-Aktionäre aus dem Unternehmen drängen wollen. Der Frankfurter Konzern erklärte, zu diesen Themen seien noch keine Entscheidungen getroffen worden.

Deutsche Börse und LSE: Deutsche-Börse-Aktionäre stimmen Übernahme zu

Deutsche Börse und LSE

Deutsche-Börse-Aktionäre stimmen Übernahme zu

Die Deutsche-Börse-Aktionäre haben kurz vor Ablauf einer Frist der Fusion mit der London Stock Exchange zugestimmt. Damit ist eine Hürde auf dem Weg zur Superbörse genommen. Doch bis zum Abschluss des Deals ist es noch weit.

Im zweiten Quartal profitierte die Deutsche Börse vom lebhaften Derivate-Handel rund um das Brexit-Referendum. Der Betriebsgewinn (Ebit) kletterte um rund acht Prozent auf 279 Millionen Euro. Die Deutsche-Börse-Aktie legte daraufhin gegen den Markttrend gut ein Prozent zu und gehörten damit zu den größten Gewinnern im Leitindex Dax.

Der US-Investor Artisan Partners hat seine Beteiligung an der Deutschen Börse aufgestockt. In der vergangenen Woche habe das Unternehmen 5,11 Prozent an Deutschlands größtem Börsenbetreiber gehalten, teilten die Hessen am Donnerstag in einer Pflichtmitteilung mit. Zuletzt waren es 3,21 Prozent. Artisan Partners bezeichnet sich als Unternehmen, das aktive Investmentstrategien verfolgt.

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