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01.06.2016

15:31 Uhr

Deutsche Börse und LSE

So will sich die neue Superbörse aufstellen

VonMichael Brächer

Deutsche Börse und London Stock Exchange haben die Details ihrer Fusionspläne veröffentlicht. Beide Börsen wollen durch den Deal viel Geld sparen. Doch ein Risiko bleibt.

Sein Versprechen: „Frankfurt wird die Stadt des Dax bleiben“. dpa

Deutscheche-Börse-Chef Carsten Kengeter wirbt für die Fusion mit der LSE

Sein Versprechen: „Frankfurt wird die Stadt des Dax bleiben“.

FrankfurtDie Fusion von Deutscher Börse und London Stock Exchange (LSE) nimmt Fahrt auf: Am Mittwoch präsentierten beide Börsen das Übernahmeangebot für ihre Aktionäre. Das Dokument umfasst 1100 Seiten und listet Chancen und Risiken der Börsenhochzeit auf.

Deutsche Börse und London Stock Exchange wollen gemeinsam eine europäische Superbörse bilden, die gemessen an ihrer Marktkapitalisierung in einer Liga mit den amerikanischen Konkurrenten CME und ICE spielen würde. Die Anleger beider Börsen sollen ihre Aktien gegen die einer neuen Holding tauschen, die in London angesiedelt ist. So wolle man „einen global führenden, in Europa verankerten Marktinfrastrukturanbieter schaffen“.

Durch die Fusion wollen beide Konzerne viel Geld sparen. Die Umsatzsynergien sollen im fünften Jahr nach dem Deal bei rund 250 Millionen Euro pro Jahr liegen. Um dieses Ziel zu erreichen, fallen allerdings auch Kosten an: Von 100 Millionen Euro in den ersten zwei Jahren nach Abschluss des Deals ist die Rede. Schon im Vorfeld hatten beide Börsen angekündigt, dass durch die Hochzeit auch Umsatzsynergien in Höhe von 450 Millionen Euro anfallen sollen.

Für eine bisherige Aktie des Dax-Konzerns soll es ein Papier der neuen gemeinsamen Dachgesellschaft „HoldCo“ geben. LSE-Aktionäre haben je Aktie Anspruch auf 0,4421 Anteile der neuen Holding. Damit die Fusion im dritten Anlauf glückt, müssen bei der Deutschen Börse mindestens drei Viertel der Eigentümer die Offerte annehmen. Auch bei der LSE sind 75 Prozent Zustimmung erforderlich, allerdings müssen bei deren Aktionärstreffen nur mindestens 50 Prozent des Kapitals vertreten sein.

Diese Fusionspläne der Deutschen Börse sind gescheitert

17. Juli 2000

Die Deutsche Börse präsentiert einen Plan für die Gründung de iX international exchange zusammen mit der Londoner LSE. Die beiden Partner hoffen, mit der paneuropäischen Handelsplattform weitere Börsenbetreiber mit ins Boot zu holen. Das Projekt scheitert allerdings an mangelnder Unterstützung.

Sommer 2003

Der damalige Chef der Deutschen Börse, Werner Seifert, trifft sich mit Euronext-Chef Francois Theodore. Die Gespräche über eine Fusion werden allerdings beendet, nachdem sich beide Seiten nicht über die Bewertung ihrer Häuser einig werden.

Frühling 2004

Seifert und Theodore nehmen ein weiteres Mal Kontakt auf. Ein Zwist über die Besetzung der Führungspositionen lässt sie abermals ergebnislos auseinandergehen.

August 2004

Die Schweizer Börse SWX lehnt Pläne der Deutschen Börse für eine Fusion, faktisch eine Übernahme, ab.

13. Dezember 2004

Die Deutsche Börse veröffentlicht ein Übernahmeangebot für die LSE über knapp zwei Milliarden Euro, das 2005 am Widerstand des Hedgefonds und Deutsche-Börse-Aktionärs TCI scheitert.

21. Februar 2006

Der neue Börsenchef Reto Francioni legt ein vorläufiges Fusionsangebot für die Pariser Euronext vor und facht damit ein Konsolidierungsfieber in der Branche an.

19. Mai 2006

Die Deutsche Börse dient Euronext-Chef Theodore die Führung eines vereinten Unternehmens an, besteht allerdings auf Frankfurt als Hauptsitz. Auch der Großteil des Managements sollte am Main angesiedelt sein.

Juni 2006

Die Deutsche Börse unterbreitet der Euronext einen überarbeiteten Fusionsvorschlag. Die Frankfurter geben in der Hauptquartiersfrage nach, doch der Vorstoß kommt zu spät: Die Euronext schließt sich mit der NYSE zusammen.

Dezember 2008

Deutsche Börse und NYSE Euronext loten eine Fusion aus. Die Pläne werden vorzeitig bekannt und scheitern.

April 2011

Die Börse wagt einen weiteren Versuch, mit der Nyse Euronext als Partner eine neue Größenordnung zu erreichen. Die US-Börsen Nasdaq OMX und ICE wollen die Fusion mit einer Gegenofferte für die Nyse torpedieren.

Februar 2012

Der Traum Francionis platzt erneut. Die EU-Kommission untersagt die Milliardenfusion mit der Nyse Euronext aus schwerwiegenden wettbewerbsrechtlichen Bedenken. Die EU fürchtet vor allem ein weltweites Monopol im Handel mit europäischen Finanzderivaten.

Februar 2016

Die Deutsche Börse und die Londoner Börse machen nach Marktgerüchten Pläne für einen Zusammenschluss öffentlich.

März 2016

Die Deutsche Börse und die London Stock Exchange (LSE) sind handelseinig und streben eine Fusion auf Augenhöhe an.

März 2017

Die EU-Kommission untersagt den milliardenschweren Deal, weil er auf dem Markt zur Abwicklung festverzinslicher Finanzinstrumente „ein De-Facto-Monopol“ geschaffen hätte.

Der geplanten Fusion könnten nach Einschätzung der beiden Konzerne unter dem Strich 700 Arbeitsplätze zum Opfer fallen. Aktuell geht das Management davon aus, dass bis zu 1250 Stellen abgebaut werden müssen, um das mittelfristige Ziel von 450 Millionen Euro jährlichen Kosteneinsparungen zu erreichen. Zugleich sollen in anderen Bereichen 200 neue Arbeitsplätze geschaffen und etwa 350 Jobs an bestehende Standorte innerhalb der Konzerne verlagert werden. Der Stellenabbau soll zu gleichen Teilen von beiden Partnern getragen werden.

Doch ein Risiko bleibt, denn am 23. Juni stimmen die Briten darüber ab, ob sie die Europäische Union verlassen wollen. Beide Börsen wollen die Fusion auch dann durchziehen, wenn sich Großbritannien für ein Verlassen der Europäischen Union entscheidet. Die Aktionäre erhalten aber Zeit bis nach dem Brexit-Referendum, um dem Deal zuzustimmen.

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