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27.03.2006

10:22 Uhr

Deutsche Börse

Werner Seifert: Ein Machtmensch rechnet ab

VonUdo Rettberg

Die einen haben mit Spannung darauf gewartet. Von anderen sagt man, sie hätten aus Angst vor eventuell unliebsamen Enthüllungen vor diesem Buch gezittert. Ein erster Vorabdruck von Werner G. Seiferts Buch „Invasion der Heuschrecken“ erschien Freitag im Managermagazin.

FRANKFURT. Der Autor beschreibt detailliert den eigenen durch Hedge-Fonds ausgelösten Fall als Vorstandschef der Deutsche Börse. Die „große Abrechnung“ mit jenen, die ihm nach zwölf durchaus erfolgreichen Jahren Arbeit an der Spitze der Börse letztlich nicht mehr wohlgesonnen waren, skizziert Seifert selbst als eine „Geschichte von Hoffnung, Aufstieg, Erfolg und Scheitern“.

Es überrascht nicht, dass die Abrechnung Seiferts mit den „aggressiven Störenfrieden“ – den Hedge-Fonds – über weite Passagen hinweg aus seiner Position der Opferrolle erfolgt und dabei nicht zuletzt auch eine Rechtfertigung des eigenen Tuns ist. Selbstkritik lag und liegt Seifert fern. Er, der mit seinen ehemaligen Mitarbeitern eine Mixtur aus loyal-freundlichem Umgang und gleichzeitig oft kühler, ja schroffer Distanz pflegte, misst den Ereignissen um die Deutsche Börse und um seine eigene Person viel zu viel Bedeutung zu. Denn er schreibt, eine kleine Gruppe von Aktionären habe den „Kapitalismus in Europa“ verändert.

Das Buch beschreibt jene Ohnmacht, die der Machtmensch Seifert angesichts einer mächtigen Kraft erlebt hat - nämlich der Übermacht des Kapitals in der Person von Chris Hohn, dem Chef des Hedge-Fonds TCI. Wenn der „Ich-Mensch“ Seifert in seinem Buch anderen indirekt Hirnlosigkeit vorwirft, dann hat er als einer der ehemals brillantesten Vordenker und innovativsten Geister der Finanzszene nicht begriffen, dass in von ihm früher selbst befürworteten freien Kapitalmärkten heute andere Spielregeln gelten.

Schließlich ist es Seifert selbst gewesen, der seit vielen Jahren Pläne für eine globale Expansion der Deutsche Börse in der Schublade hatte. Er hat die Umsetzung dieser Ideen nicht zuletzt auch dadurch „verhindert“, dass für ihn dabei immer nur Übernahmen und nicht etwa Beteiligungen oder Kooperation in Frage kamen. Seifert wollte das Sagen haben, weil er stets von der Richtigkeit seines Denkens überzeugt war.

Dieses Streben nach Macht bei gleichzeitig völlig fehlender Bereitschaft zu partnerschaftlichem Verhalten hat ihm in internationalen Börsenkreisen den Ruf eingebracht, „arrogant vom Scheitel bis zur Sohle“ zu sein. So wie Seifert in seinem Buch die kühle und arrogante Art von TCI–Chef Chris Hohn beschreibt, so haben ihn in der Vergangenheit nicht nur die Vertreter der Presse, sondern auch viele seiner Gesprächspartner in Zürich, London, Paris und New York empfunden. Was das Buch dennoch wertvoll macht, sind die konkreten Vorschläge Seiferts zur Regulierung von Hedge-Fonds.

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