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09.06.2015

14:15 Uhr

Deutsche Post

Verdi will Poststreik ausweiten

Jeder zehnte Brief kommt wegen dem Streik bei der Deutschen Post verspätet an. Diese Zahl dürfte sich bald deutlich erhöhen – die Gewerkschaft Verdi will den Ausstand auf Briefträger und Paketboten ausweiten.

Sieben Millionen Briefe bleiben wegen des Arbeitskampfs derzeit täglich liegen. dpa

Streikende Post-Mitarbeiter in Berlin

Sieben Millionen Briefe bleiben wegen des Arbeitskampfs derzeit täglich liegen.

Berlin/BonnBei der Deutschen Post steht in den kommenden Tagen eine massive Ausweitung unbefristeter Streiks an. Nachdem am Dienstag vor allem in den Briefverteilzentren rund 8.000 Beschäftigte dem Aufruf von Verdi zu Arbeitsniederlegungen gefolgt waren, sollen jetzt auch Briefträger und Paketboten schrittweise in den Ausstand einbezogen werden, kündigte die Gewerkschaft am Dienstag an.

Nach Angaben der Post verzögern sich durch die Streiks rund sieben Millionen Briefsendungen – knapp elf Prozent der täglichen Menge von rund 65 Millionen Sendungen.

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Kurz vor Fristende schnell eine Kündigung verschicken? Das kann während des Poststreiks zum Problem werden. Welche Rechte Kunden haben und welche Versandart die Rettung ist – obwohl sie vielfach als antiquiert gilt.

Verdi hatte am Montag bundesweite und unbefristete Streiks bei der Post ausgerufen. Das Klima zwischen Verdi und dem Post-Management ist seit Monaten vergiftet.

Entzündet hatte sich der Konflikt an der Ankündigung des Bonner Konzerns, Tausende neue Stellen zu schaffen – allerdings in 49 neuen Gesellschaften, für die niedrigere Löhne als im Konzern gelten. Die neuen Firmen orientieren sich an den Tarifverträgen der Logistik-Branche. Verdi will die Post mit dem unbefristeten Streik zwingen, dass auch bei den Tochterunternehmen der höhere Haustarif gezahlt wird.

Post-Streik - Eine Chronik

5. Dezember 2014

Pünktlich am Abend vor dem Nikolaustag beruft die Gewerkschaft Verdi bei der Post Betriebsversammlungen ein. Das Muskelspiel ist Auftakt der laufenden Tarifverhandlungen. Weil für mehrere Stunden der Betrieb ausfällt, bleiben Feiertags-Pakete liegen.

28. Januar 2015

Verdi berichtet öffentlich über die Pläne der Deutschen Post, 49 Zustellgesellschaften unter dem Namen „Delivery“ zu gründen, die nicht mehr dem üppigen Haustarifvertrag unterstehen. Befristet Beschäftigten der Post, von denen es mehr als 15.000 gibt, soll der Wechsel in die Delivery-Gesellschaften mit einer Festanstellung schmackhaft gemacht werden. Statt der durchschnittlichen 17,70 Euro Stundenlohn nach dem Haustarifvertrag müssen sie aber mit rund 13 Euro vorlieb nehmen, die der Flächentarifvertrag in den meisten Ländern vorsieht. Die Gewerkschaft kündigt Widerstand an.

1. April 2015

Am ersten Tag nach dem Auslaufen des Manteltarifvertrags startet Verdi erste Warnstreiks bei der Post, die das Ostergeschäft beeinträchtigen. Zahlreiche weitere Warnstreiks folgen, an denen sich jeweils 4000 bis 8000 Mitarbeiter beteiligen. Allerdings sind die Auswirkungen überschaubar: Rund sechs Prozent der Briefzustellungen verzögern sich.

26. Mai 2015

Das Bonner Amtsgericht weist eine Klage von Verdi zurück. Die Gewerkschaft hatte durchsetzen wollen, dass die Post keine Beamten als Streikbrecher einsetzen darf.

27. Mai 2015

Vor den Toren der Frankfurter Jahrhunderthalle, wo sich an jenem Tag die Aktionäre zur Hauptversammlung treffen, demonstrieren Tausende Verdi-Mitglieder, angeführt von Gewerkschaftschef Frank Bsirske, gegen die Tarifpolitik der Deutschen Post.

2. Juni 2015

Im Anschluss an die sechste Verhandlungsrunde unterbreitet Verdi das Angebot, beim neuen Tarifvertrag mit einer Laufzeit von 27 Monaten im ersten Jahr auf eine lineare Gehaltserhöhung zu verzichten. Eine Einmalzahlung von 500 Euro soll vorerst ausreichen. Im Gegenzug fordert die Gewerkschaft aber, die Delivery-Gesellschaften dem Haustarifvertrag zu unterstellen, was sie faktisch überflüssig machen würde. Die gesetzte Antwortfrist lässt der Post-Vorstand verstreichen.

8. Juni 2015

Verdi ruft zu unbefristeten Streiks auf.

5. Juli 2015

Die Gewerkschaft Verdi und die Deutsche Post einigen sich auf einen Tarifabschluss. Der soll in der Nacht von Montag (6.7) auf Dienstag (7.7.) in Kraft treten.

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