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31.10.2016

09:20 Uhr

Deutsche Probleme in China

Wo Sunwen der Boss ist

Freche Produktpiraterie und erzwungene Technologietransfers: Deutsche Unternehmen werden in China gegängelt. Die Zahl der Beschwerden steigt. Der deutsche Botschafter spricht von einer „unendlichen“ Liste der Probleme.

Unter der Marke BOSS Sunwen werden in China Anzüge verkauft – der deutsche Hersteller Hugo Boss ist machtlos gegen die Produktpiraterie. twitter.com/kuchens_

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Unter der Marke BOSS Sunwen werden in China Anzüge verkauft – der deutsche Hersteller Hugo Boss ist machtlos gegen die Produktpiraterie.

PekingDie Stimmung im China-Geschäft war noch nie so schlecht. Die Zahl der Beschwerden und Hilfegesuche an die deutsche Botschaft in Peking hat seit zwei Jahren zugenommen und ist gerade seit Jahresanfang noch einmal „sehr stark in die Höhe geschnellt“, wie aus der deutschen Vertretung in Peking zu hören ist. Beklagt werden neue Marktbarrieren, erschwerte Lizenzverfahren, Diskriminierung gegenüber chinesischen Unternehmen, erzwungener Technologietransfer und unverändert freche Produktpiraterie.

Die Liste der Klagen ist so lang, dass die eineinhalb Tage, die Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) ab Dienstag in Peking verbringt, kaum ausreichen werden. Ohnehin sorgen seine Pläne für einen Schutz vor unerwünschten Investitionen und einem Ausverkauf deutscher Schlüsseltechnologien für Verstimmung in China.

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Peking will Stromautos permanent elektronisch überwachen. Der Plan alarmiert deutsche Hersteller wie BMW und Daimler, die Datensicherheit zu ihrem Markenzeichen erklärt haben. Nun fürchten sie um den chinesischen Markt.

Dabei können chinesische Unternehmen in Deutschland und Europa nicht nur Hightech-Unternehmen, sondern auch Autobauer oder Banken kaufen, während deutschen Firmen solche Übernahmen in China untersagt sind.

Das beste Beispiel für Chinas „ökonomischen Nationalismus“ ist die Entwicklung von Elektroautos. Neue Gesetzespläne fordern von Herstellern, eine Lizenz zu beantragen und nicht nur ihre Produktion in China zu lokalisieren, sondern auch den Entwicklungsprozess. Die chinesischen Partner, ohne die ausländische Autobauer ohnehin nicht in China tätig sein dürfen, müssen dafür nachweisen, dass sie die E-Auto-Technologie komplett beherrschen. Somit müsse die deutsche Autofirma ihnen ihre ganze Technologie übergeben, wird geschildert.

„Wenn das geplante Gesetz so kommt, liefe das auf einen erzwungenen, kompletten Technologietransfer hinaus“, sagt ein Branchenkenner. Weiter gibt es Pläne, dass Autobauer nach einem Zeitplan einen bestimmten Anteil an E-Autos in China bauen müssen, und ansonsten Minuspunkte ansammeln. Zum Ausgleich müssten sie Pluspunkte von chinesischen Konkurrenten kaufen – und würden über solche Strafzahlungen ihre lokalen Wettbewerber sogar mitfinanzieren.

Diese deutschen Firmen gehören jetzt Chinesen

Putzmeister

Der Betonpumpen-Weltmarktführer Sany Heavy Industry übernimmt im Januar 2012 das schwäbische Unternehmen für gut 320 Millionen Euro.

Kiekert

Der Pekinger Automobilzulieferer Lingyun übernimmt 2012 den Weltmarktführer für Pkw-Schließsysteme aus Heiligenhaus (NRW).

Schwing

Die Xuzhou Construction Machinery Group (XCMG) wird im April 2012 Mehrheitseigener des westfälischen Betonpumpenherstellers. Der Verkaufspreis des Herner Unternehmens soll bei rund 300 Millionen Euro liegen.

Kion

2012 steigt der chinesische Nutzfahrzeugproduzent Weichai Power beim Gabelstaplerhersteller Kion ein. Die Chinesen kaufen zunächst für 467 Millionen Euro 25 Prozent an Kion und steigern 2015 ihren Anteil auf 38,25 Prozent. Außerdem erhält der Investor für 271 Millionen Euro eine Mehrheitsbeteiligung von 70 Prozent an der Hydrauliksparte Kions.

Solibro

Das insolvente Solarunternehmen Q-Cells vereinbart im Juni 2012 den Verkauf seiner Tochterfirma mit Sitz in Bitterfeld-Wolfen an die Pekinger Hanergy Holding Group.

Sunways

Der Konstanzer Photovoltaik-Konzern ging 2012 zum Schnäppchenpreis an den chinesischen Solarriesen LDK Solar. Doch 2013 und 2014 reichte Sunways jeweils einen Insolvenzantrag ein. Teile des Unternehmens wurden in der Folge an den chinesischen Solarkonzerns Shunfeng verkauft.

Tailored Blanks

Der Industriegüterkonzern Thyssen-Krupp schließt 2013 den Verkauf seiner Tochter an den chinesischen Stahlkonzern Wuhan Iron and Steel (Wisco) ab. Zum Preis machen beide Seiten keine Angaben.

Koki Technik Transmission Systems

Das chinesische Unternehmen Avic Electromechanical Systems (Avicem) – eine Tochter der staatlichen Unternehmensgruppe Aviation Industry Corporation of China (Avic) – übernimmt 2014 den sächsischen Autozulieferer. Ein Kaufpreis wird nicht genannt.

Hilite

Avic übernimmt 2014 für 473 Millionen Euro den deutschen Autozulieferer.

Krauss-Maffei

Im Januar 2016 verkauft Onex den Münchener Spezialmaschinenbauer Krauss-Maffei an ein Konsortium um die staatliche National Chemical Corporation (Chemchina). Der größte Chemiekonzern des Landes zahlt 925 Millionen Euro für den traditionsreichen Hersteller von Spritzgießmaschinen für die Kunststoff- und Gummi-Verarbeitung.

EEW

Die chinesische Holding Beijing Enterprises kauft im Februar 2016 den Abfallkonzern EEW Energy from Waste aus Helmstedt für 1,438 Milliarden Euro. Verkäufer ist der schwedische Investor EQT. EEW hat nach eigenen Angaben 1050 Mitarbeiter. Die 18 Anlagen der Gruppe können jährlich rund 4,7 Millionen Tonnen Abfall zu Energie machen und umweltschonend beseitigen. Die Fabriken erzeugen Prozessdampf für Industriebetriebe, Fernwärme für Wohngebiete und Strom für umgerechnet rund 700.000 Haushalte.

Manz

Die Shanghai Electric Group steigt im Frühjahr mit Anteilen von etwa 20 Prozent bei dem angeschlagenen Maschinenbauer ein.

Kuka

Das Augsburger Unternehmen Kuka baut nicht nur Roboter, sondern ist auch Systemanbieter rund um die digital vernetzte Industrie. Der chinesische Midea-Konzern hat Kuka ein Übernahmeangebot im Umfang von 4,5 Milliarden Euro gemacht und mit dessen Hilfe knapp 95 Prozent der Kuka-Anteile übernommen.

Ein Brief mit einer Bitte um Aufklärung, den Botschafter Michael Clauß vor vier Monaten an den Minister für Industrie und Informationstechnologie, Miao Wei, geschickt hat, ist nach dpa-Informationen bis heute unbeantwortet geblieben. „Die ausbleibende Reaktion bestätigt unsere große Sorge, dass damit auch industriepolitische Ziele verfolgt werden“, sagt eine Quelle.

Zwang zum Technologietransfer plagt auch andere Branchen.

Kommentare (23)

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Herr Holger Narrog

31.10.2016, 09:48 Uhr

Deutschland hat mit ähnlichen Methoden (Spionage, Zollschranken..) den Rückstand in der Industrialisierung ab 1840/1870 beginnend aufgeholt. Japan hat sich in seiner Industrialisierung ab etwa 1870/1900 gleichfalls des "frechen" Kopierens bedient. Für China ist es naheliegend das Auto nicht wieder zu erfinden.

Der intelligenteste Weg einen Vorsprung zu bewahren wäre es für Deutschland technologisch zügig voranzuschreiten und dadurch einen Abstand beizubehalten.

Allerdings sägt man in Deutschland und einigen anderen Altindustriestaaten lieber an der eigenen Existenz und Existenzgrundlage.

Mit der Ökoreligion hat man die zukunftsträchtige Kernenergie aufgegeben. China kann heute Kernkraftwerke bauen, Deutschland nicht mehr. Man hat die Gentechnik unterdrückt, aktuell sucht man die Autoindustrie möglichst effizient zu behindern. Die Chemie wird mit teurem Strom und Energie vertrieben.
Paralell hat man mit der radikalfeministischen Ideologie die Bevölkerung in eine Geburtenverweigerung getrieben und sucht jetzt eine neue Bevölkerung anzusiedeln. Ich habe grosse Zweifel ob die Bevölkerung die man hier anzusiedelt Willens und in der Lage ist der D Industrie einen technologischen Vorsprung zu bewahren.

Insofern ist es wahrscheinlich gut wenn China die Technik und die Zivilisation bewahrt und hoffentlich nach vorne treibt.

Herr Thomas Behrends

31.10.2016, 09:57 Uhr

@ Holger Narrog

Man kann den technologischen Vorsprung mit den aus dem Mittelalter kommenden "Neubürgern" oder auch "Merkel´s Gästen" nicht aufrecht erhalten. Dazu braucht es schon auch eines Wissensvorsprungs (gute Ausbildung, Studium etc.).

All das ist bei maximal 10% dieser Leute gegeben. Alle anderen sind seelische oder körperliche Krüppel, die eher in die Parallelgesellschaft oder in die Kriminalität abdriften.

Mit solchen Menschen (dazu zähle ich mittlerweile auch einen Gutteil unserer eigenen Bevölkerung) kann man keinen Staat machen ...

Herr Rainer Hake

31.10.2016, 09:58 Uhr

Wer den Tiger füttert darf sich nicht wundern, wenn der größer wird und beißt.
Ich empfehle ein hervorragendes Buch von "Harro von Senger" "36 Strategeme für Manager" darin wird auf sehr anschauliche Weise beschrieben wie die Chinesen Geschäfte machen - listig!
Ich habe nie wirklich verstanden warum sich die Deutsche Industrie so an der Nase herumführen lässt und das gesamte Know-how offenlegt. Die Japanischen Unternehmen sind viel cleverer in China aufgestellt.

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