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14.11.2016

18:08 Uhr

Deutsche Telekom

Rückzug aus dem Übernahme-Rennen um HEG

Gerüchten zufolge wollte die Deutsche Telekom den größten europäischen Webhosting-Konzern „Host-Europe-Group“ übernehmen und mit der Konzerntochter Strato zusammenlegen. Das hat sich laut Insiderinformationen erledigt.

Laut Insidern zieht sich die Telekom aus dem Rennen um die Übernahme der „Host-Europe-Group“ zurück. dpa

Deutsche Telekom

Laut Insidern zieht sich die Telekom aus dem Rennen um die Übernahme der „Host-Europe-Group“ zurück.

FrankfurtDie Deutsche Telekom ist Insidern zufolge aus dem Rennen um den europäischen Internet-Dienstleister Host Europe Group (HEG) ausgestiegen. Dem Telekommunikations-Konzern sei der Webhoster angesichts der mageren Wachstumsperspektiven zu teuer, sagten zwei mit der Sache vertraute Personen am Montag der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Telekom, die sich zusammen mit der Beteiligungsgesellschaft Hellmann & Friedman beworben hatte, wollte mit Host Europe ihre eigene, kleinere Webhosting-Tochter Strato stärken. Der Finanzinvestor Cinven, der Host Europe aus mehreren Dienstleistern für das Hosting-Geschäft mit Internet-Homepages geschmiedet hatte, erhofft sich bis zu 1,7 Milliarden Euro dafür. Als Favorit auf die Übernahme von HEG gilt nun das Duo aus United Internet und dem Finanzinvestor Warburg Pincus, der sich kürzlich an der United-Internet-Sparte für Firmen-Internet-Dienste mit 33 Prozent beteiligt hatte. Im Rennen sind außerdem noch der US-Finanzinvestor Centerbridge und der amerikanische HEG-Rivale GoDaddy.

Fakten zur Telekom

Spitzenreiter in Europa

Die Deutsche Telekom ist mit einem Jahresumsatz von über 60 Milliarden Euro eines der größten europäische Telekommunikationsunternehmen. Der Konzern beschäftigt rund 220.000 Mitarbeiter. Größte Tochter mit mehr als 22 Milliarden Euro Umsatz ist Telekom Deutschland. Außerdem ist die Deutsche Telekom in 12 weiteren Ländern vertreten.

Ein Erbe der Bundespost

Hervorgegangen ist der Konzern aus der Deutschen Bundespost. Um das Staatsunternehmen wettbewerbsfähig zu machen, wurde es von 1990 an in die Geschäftsbereiche Telekom, Postdienst und Postbank aufgeteilt und schrittweise privatisiert. Seit 1995 ist die Deutsche Telekom eine Aktiengesellschaft.

Ein Global Player ...

Der erste Vorstandsvorsitzende Ron Sommer versuchte, den ehemaligen Staatsbetrieb mit Zukäufen in aller Welt zum „Global Player“ zu machen. Heute ist die Deutsche Telekom in 50 Ländern vertreten und erlöst mehr als die Hälfte ihres Umsatzes im Ausland.

... mit Hoffnung auf die USA

T-Mobile US tat sich gegen die Marktführer AT&T und Verizon lange schwer. Seit dem Zusammenschluss mit dem Wettbewerber MetroPCS und unter der Führung des CEOs John Legere, ist die Kundenzahl wieder deutlich gewachsen, der Umsatz ebenso. Allerdings stehen auch hohe Investitionen an.

AG mit Staatsbeteiligung

Bei mehreren Börsengängen nahm die Telekom Milliarden ein. Dennoch ist der Staat immer noch beteiligt: Die Staatsbank KfW und der Bund halten zusammen 31,7 Prozent der Anteile. Der Anteil der einst hofierten Privatanleger ist auf unter 15 Prozent gefallen, den Rest halten institutionelle Anleger.

Dagegen sei der Finanzinvestor Permira, der sich mit dem HEG-Konkurrenten Interroute zusammengetan hatte, nicht mehr im Rennen, hieß es in Finanzkreisen. Die genannten Unternehmen wollten sich nicht zu den Informationen äußern oder waren nicht erreichbar. Der Verkauf der HEG, die ihren Sitz in Großbritannien hat, hatte sich wegen des Brexit-Votums verzögert. Die Wurzeln des Unternehmens liegen in Deutschland. Hier betreibt HEG mehrere Rechenzentren und erwirtschaftet einen beträchtlichen Teil des Umsatzes. Kleine und mittelgroße Firmen können bei Host Europe Internet-Adressen registrieren, E-Mail- und Internet-Server betreiben lassen.

Webhosting-Kunden gelten im Vergleich zu Mobilfunk-Kunden als treuer, was sie für die Telekommunikations-Unternehmen - aber auch für Finanzinvestoren - attraktiv macht. HEG hat nach eigenen Angaben rund 1,7 Millionen Kunden und verwaltet sieben Millionen Internet-Domains. Das Unternehmen erwartet in diesem Jahr einen operativen Gewinn (Ebitda) von 140 Millionen Euro. Strato kommt auf vier Millionen Domains für 1,5 Millionen Vertragskunden. Der Markt ist noch stark fragmentiert.

Von

rtr

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