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02.01.2017

11:10 Uhr

Deutscher Arbeitsmarkt

Wie Goldgräber Karriere machen

VonJürgen Ulbrich

Ein Jahr der Superlative ist vorbei. Nie waren mehr Stellen ausgeschrieben als 2016 – der Aufschwung hat alle von karriere.de analysierten Berufsfelder erfasst. Welche Chancen der Arbeitsmarkt im neuen Jahr bietet.

Der Arbeitsmarkt boomt. Fotolia.com

Jobs im Überangebot

Der Arbeitsmarkt boomt.

KölnDie Zeichen für Jobsuchende oder Wechselwillige stehen aktuell sehr gut. Die Zahl der Stellenangebote ist seit dem Sommer stetig gestiegen und auch für das neue Jahr sieht es auf dem deutschen Arbeitsmarkt gut aus.

War der Start ins Jahr 2016 noch sehr verhalten, wurde im März mit 5.375.694 ausgeschriebenen Stellen das von karriere.de im April 2012 gemessene Allzeithoch übertroffen. Noch dazu war das Job-Angebot erstmals seit März 2015 wieder höher als die Nachfrage. Nach einer dreimonatigen Konsolidierungsphase, in der erneut ein Bewerber-Überhang zu verzeichnen war, startete der Job-Markt ab Juni einen einzigartigen Höhenflug: Bei stetig fallender Nachfrage glänzte bereits der Urlaubsmonat August mit 5.464.801 Annoncen, der „Goldene Oktober“ schließlich markierte mit 5.616.554 Stellenanzeigen das beste Job-Angebot aller Zeiten.

Nie waren die Job-Chancen für wechselwillige Fachkräfte also besser – zumal die deutsche Wirtschaft laut Konjunkturprognose des Münchner ifo-Instituts auch 2017 zusätzliches Personal einstellen will: Der seit 2013 vorhandene robuste Aufschwung werde sich weiter fortsetzen. Ebenso zeigt der Frühindikator des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) positive Tendenzen für das neue Jahr. Und wie es aussieht, bereiten sich zahlreiche Arbeitnehmer auf mögliche Wechsel vor.

Wie eine repräsentative Umfrage von TNS Emnid im Auftrag des Personaldienstleisters Adecco ergab, wollen 65 Prozent der Arbeitnehmer ihr Fachwissen vergrößern. Der Wunsch nach einem höheren Gehalt ist dafür nur ein Grund, eine Beförderung und ein besseres Ansehen geben für andere den Ausschlag. Der Wissensdurst der einzelnen Altersgruppen unterscheidet sich dabei deutlich: Speziell die Jüngeren (bis zum Alter von 39 Jahren) sind es, für die in Zeiten der Digitalisierung und des demographischen Wandels lebenslanges Lernen zur Selbstverständlichkeit gehört.

Seit dem Sommer übersteigt die Anzahl der Angebote die Menge der Bewerber. (Quelle: karriere.de)

Jahresrückblick

Seit dem Sommer übersteigt die Anzahl der Angebote die Menge der Bewerber.

(Quelle: karriere.de)

Der Blick auf den Gesamtmarkt:

Einzelne Berufsfelder glänzen mit gigantischen Angebots-Sprüngen.

Die Wirtschaft floriert, der Arbeitsmarkt boomt, die Beschäftigungsquoten erreichten immer neue historische Höchstwerte. Doch viele Unternehmen und die öffentliche Hand konnten ihren Bedarf an gut ausgebildeten und berufserfahrenden Fachkräften im Jahr 2016 nicht decken und suchen weiter händeringend nach Experten.

So stieg die Zahl der Annoncen seit dem letzten Jahr (Vergleichsmonat: November 2015) um starke 22,80 Prozent. Einzelne Berufsfelder und Berufsbereiche fielen mit Sonderentwicklungen auf und übertrafen die Werte des Gesamtmarktes mühelos. Das zeigen die folgenden Rankings.

Kommentare (2)

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Herr Hans-Jörg Griesinger

02.01.2017, 12:30 Uhr

Das Problem bei der Jobsuche liegt nicht auf Seiten der Bewerber, sondern auf Seiten der Personaler und Entscheider.
Jemand mit gebrochener Erwerbsbiografie, unglatten Lebensläufen, ohne Abi, Ältere und Kranke haben doch eh keine Chance mehr. Die werden sofort ausgesiebt, jedenfalls in Jobs, in denen man noch einn gutes Arbeitsumfeld und eine gute Bezahlung erwarten kann.
Für die miesen schlechtbezahlten Jobs, oft im Handwerk, finden sich kaum noch Bewerber, weshalb man da ja auch auf die Zuwanderer hofft, aber nur, wenn man den Mindestlohn aussetzt.
Arbeit muss sich gerade für Nichtakademiker finanziell wieder lohnen.
Wenn ich nur noch mit einem abgeschlossenen Hochschulstudium eine 3-4 köpfige Familie ernähren kann, dann läuft in diesem Geld- und Wirtschaftssystem inkl. der Gesellschaft etwas gewaltig schief.

Herr Thomas Behrends

02.01.2017, 13:49 Uhr

Wenn die Deutsche Wirtschaft mit ihrer seit vielen Jahren praktizierten Einstellungsverweigerung bei Menschen (Bewerbern) über 45 Jahren so weiter macht, wird sie sich langfristig das Grab schaufeln, in welchem sie beerdigt wird.

Denn die Binnennachfrage wird stetig nach unten gehen, wenn Menschen dieser Alterskategorie auf Weisung der jeweiligen Obersten Herresleitungen keine Chance im Arbeitsleben geboten wird (also gutausgebildete Mitarbeiter mit Berufs- und Lebenserfahrung).

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