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21.11.2012

17:03 Uhr

Deutscher Handelskongress Berlin

Überleben in der digitalen Einkaufswelt

VonKirsten Ludowig

Multi-Channel, Cross-Channel: Was mitunter kryptisch klingt, bezeichnet die Überlebensstrategien für den Handel. Wer auf allen Kanälen zum Kunden kommt, hat gute Chancen in der digitalen Shopping-Welt der Zukunft.

In einem Café bezahlt eine Kundin ihren Cappuccino mit Karte, weil der Händler ein Programm nutzt, das es ermöglicht, Zahlungen mit dem Smartphone anzunehmen. obs

In einem Café bezahlt eine Kundin ihren Cappuccino mit Karte, weil der Händler ein Programm nutzt, das es ermöglicht, Zahlungen mit dem Smartphone anzunehmen.

BerlinWenn gestandene Handelsmanager in einem großen, holzvertäfelten Saal mit wuchtigen Kronleuchtern über die Zukunft des Verkaufens – und damit des Einkaufens – diskutieren, wird es mitunter kryptisch. Sie erzählen dann gerne von ihren sogenannten Multi- und Cross-Channel-Strategien, die nicht weniger sein sollen als ein Garant für das Überleben in der digitalisierten Shopping-Welt. Denn eins wissen sie alle: Der Online-Handel wächst rasant und mindert den Umsatz in den Läden. Wer sich nicht im Netz etabliert, hat keine Chance.

„Dass es in Zeiten des Wandels Gewinner und Verlierer gibt, ist nicht neu“, sagte Josef Sanktjohanser, Präsident des Handelsverbands Deutschland (HDE) zur Eröffnung des zweitägigen Branchentreffs ins Berlin. „Neu ist, dass prominente Unternehmen aus dem Markt verschwinden.“ In diesem Jahr gingen der einstige Drogeriemarktführer Schlecker und der traditionelle Versandhändler Neckermann pleite, auch die Baumarktkette Praktiker stand kurz vor der Insolvenz. Diese Entwicklung ist mal weniger, mal mehr dem Online-Boom geschuldet – fest aber steht: Das Internet hat den Handel „ordentlich durcheinander gewirbelt“, so Sanktjohanser.

Im Handel brechen massenhaft Jobs weg

Kahlschlag

Zehntausende Arbeitsplätze stehen im Handel auf der Kippe. Schlecker-Pleite, Stellenabbau bei Karstadt und Metro und auch bei Neckermann.de geht es um viele Jobs. Hier eine Übersicht…

Wie ist die Lage bei Karstadt?

Der Warenhaus-Konzern will 2000 Arbeitsplätze streichen. Ende August läuft der Sanierungstarifvertrag bei Karstadt aus - damit steigen die Personalkosten für das Unternehmen. Außerdem dämpft die Euro-Krise die Kauflaune der Verbraucher. Bis Ende 2014 soll der Jobabbau über die Bühne gehen - möglichst sozialverträglich.

Wie viele Stellen kostet die Schlecker-Pleite?

Mit dem Ende der Drogeriemarktkette Schlecker brachen bislang etwa 25 000 Arbeitsplätze weg. Offen ist derzeit noch die Zukunft der gut 4000 Mitarbeiter zählenden Tochter Ihr Platz. Der Insolvenzverwalter ringt gegenwärtig noch um den Einstieg eines Investors bei Ihr Platz.

Wie viele Stellen stehen bei Neckermann auf der Kippe?

Beim Versandhändler Neckermann.de stehen 1380 Jobs auf der Streichliste des Managements. Der vom US-Finanzinvestor Sun Capital beherrschte Versandhändler hat insgesamt 2400 Arbeitsplätze. Neckermann.de will den Eigenhandel mit Textilien und das Frankfurter Zentrallager aufgeben. Das Kataloggeschäft war zuletzt so rapide eingebrochen, dass Erfolge aus dem Onlinehandel aufgezehrt wurden.

Wie umfangreich ist der Stellenabbau bei Metro?

Der größte deutsche Handelskonzern will mittelfristig 900 Stellen abbauen. Betroffen davon ist vor allem die Verwaltung. Auf der Verkaufsfläche soll das Personal nicht reduziert werden. Konzernchef Olaf Koch hatte vor wenigem Monaten angekündigt, etwa 100 Millionen Euro einsparen zu wollen.

Strikter Sparkurs nötig

Die Metro AG, zu der neben den Metro- Großhandelsmärkten für Gewerbetreibende auch die Elektronikketten Media Markt und Saturn, der Lebensmittelhändler Real sowie die Kaufhof-Warenhäuser gehören, ist aber schon seit etlichen Jahren auf einem strikten Sparkurs mit Stellenstreichungen.

Cordes machte den Anfang

Unter Kochs Vorgänger Eckhard Cordes wurde die Metro AG 2009 einem milliardenschweren Sparprogramm („Shape“) unterzogen, mit dem weltweit etwa 19 000 Arbeitsplätze gestrichen wurden. An anderer Stelle entstanden durch neue Märkte und Dienstleistungen ähnlich viele Jobs. Ende 2011 hatte Metro weltweit 281 000 Mitarbeiter.

Welche Hintergründe haben die Stellenstreichungen?

Die Handelskonzerne bieten unterschiedliche Sortimente und sind zumeist auch in unterschiedlichen Ländern aktiv. Hinzu kommen auch hausgemachte Probleme. Erklärtes Ziel des Managements ist in der Regel, die Kosten zu senken und die Strukturen im Unternehmen zu verbessern. Konzepte müssen häufig den veränderten Konsumgewohnheiten angepasst. Die Staatsschuldenkrise und eine hohe Arbeitslosigkeit in vielen Ländern Europas dämpfen aktuell die Konsumlust der Kunden.

Das „böse“ Internet

Ein großer, übergreifender Faktor im Handel ist das boomende Internetgeschäft. Immer mehr Menschen kaufen online ein. Damit nimmt der Preisdruck für die Läden zu. Nur wenige Bereiche wie der Lebensmittelhandel sind bisher kaum von diesem Trend betroffen.

Zeitenwende

Nach Einschätzung von Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub (Obi, Kik, Kaiser's Tengelmann) sind die Zeiten, in denen Läden wie Pilze aus dem Boden schossen, vorbei. Das verdeutlichten viele leerstehende Läden nach der Schlecker-Pleite. Neue Verkaufsflächen entstünden inzwischen vor allem im Internet mit den zahlreichen Online-Shops.

Prognosen vom Institut für Handelsforschung (IfH) belegen das. Lag der E-Commerce-Umsatz in Deutschland 2005 gerade Mal bei rund acht Milliarden Euro, beziffern die IfH-Experten ihn in diesem Jahr auf fast 32 Milliarden Euro. Das entspricht einem Anteil von 7,5 Prozent an den Erlösen des gesamten Einzelhandels. 2025 könnten ein Fünftel aller Einzelhandels-Güter online gekauft werden, schätzt Sanktjohanser.

Besonders häufig im Internet bestellt werden Mode, Schuhe, Bücher und andere Medien, Unterhaltungselektronik sowie Computer und Zubehör. Auch Möbel, Drogerie- und Baumarktartikeln werden große Chancen im Netz eingeräumt. Zudem nutzen viele Kunden das Internet zur Recherche.
Laut einer Umfrage des E-Commerce-Center Handel informieren sich 65 Prozent der Bevölkerung online, bevor sie in den Laden gehen und einkaufen. Sie vergleichen Preise und Qualität der Produkte, lesen Kundenbewertungen und tauschen sich in Foren und via Facebook aus. Die zunehmende Verbreitung von Smartphones und Tablet-PCs fördert diesen Trend noch.

Was also steckt hinter dem „Megatrend Multi-Channel“, wie HDE-Präsident Sanktjohanser es nennt? Im Grunde nur eins: Die Fähigkeit der Händler, die Kunden auf ihrer Shopping-Tour durch möglichst viele Absatzkanäle zu begleiten – und sie dabei vor allem an sich zu binden.

Dazu gehören klassische Läden und das Kataloggeschäft ebenso wie Online-Marktplätze und -Shops, für Smartphones und Tablet-PCs optimierte Webseiten, Apps mit integrierter Shoppingfunktion und vieles mehr. Die Krönung ist dann die Verknüpfung, sprich Cross-Channel. Das heißt, die Kunden sollen beim Einkauf mehrere Kanäle gleichzeitig nutzen und reibungslos von einem in den anderen Kanal wechseln können.

Die größten Einzelhändler der Welt

Platz 10

Best Buy (USA)

Das US-Amerikaner aus Richfield, Minnesota sind einer der führenden Anbieter für Unterhaltungselektronik. Der Umsatz im Jahr 2010 betrug 50,27 Milliarden Dollar.

Platz 9

Walgreens (USA)

Mit rund 7.000 Filialen in den USA und Puerto Rico, von denen ein Drittel 24 Stunden am Tag geöffnet sind, schafft es Walgreens unter die zehn größten Einzelhändler. Am Hauptsitz in Deerfield, Illinois, konnte man sich 2010 über einen Umsatz von 67,42 Milliarden Dollar freuen.

Platz 8

Home Depot (USA)

Die Amerikaner bezeichnen sich selbst als größte Baumarktkette der Welt. Was den Umsatz angeht, haben sie recht. Mit rund 68 Milliarden Dollar kann keine andere Baumarktkette mitthalten.

Platz 7

Costco Wholesale (USA)

Die 500 Cash&Carry-Märkte der US-Großhandelskette sind in den USA weit verbreitet. Der Hauptsitz liegt in der Kleinstadt Issaquah bei Seattle im Bundesstaat Washington. Mit 77,95 Milliarden Dollar fiel der Umsatz auch 2010 gigantisch aus.

Platz 6

Kroger

Was als kleiner Lebensmittelladen in Cincinnati begann, ist mittlerweile einer der größten Supermarktketten der Welt. Im Jahr 2010 setzte der Lebensmittelhändler 82,19 Milliarden Dollar um.

Platz 5

Metro (Deutschland)

Der deutsche Handelsriese aus Düsseldorf ist der drittgrößte Einzelhändler Europas. International erreicht der Dax-Konzern mit einem Umsatz von 89,08 Dollar im Jahr 2010 ebenfalls einen Spitzenplatz.

Platz 4

Tesco (Großbritannien)

Die blau-weiße Handelskette aus Cheshunt gehört schon seit Jahren zu den größten Supermarktkonzernen. Weltweit betreiben die Briten 5390 Supermärkte Großbritannien 94,185 4,104 384.389 Einzelhandel Philip Clarke

Platz 3

CVS Caremark (USA)

In der Kleinstadt Woonsocket im US-Bundesstaat Rhode Island ist die drittgrößte Handelskette der Welt beheimatet. Die Drogerie- und Pharmahändler setzten im Jahr 2010 rund 96,4 Milliarden Dollar um.

Platz 2

Carrefour (Frankreich)

Kein europäischer Einzelhändler ist größer als Carrefour. Mit 471.755 Mitarbeitern weltweit machten die Franzosen im Jahr 2010 einen Umsatz von 120,3 Milliarden Dollar. Nur ein Einzelhändler setzte mehr um.

Platz 1

Walmart (USA)

Unangefochten an der Spitze bleibt der Handelsgigant aus Bentonville, Arkansas. Gigantische 421,85 Milliarden Dollar setzte der Konzern 2010 um - bei einem Gewinn von 16 Milliarden Dollar. Weltweit beschäftigt der Konzern 2,1 Millionen Angestellte.

Eine wichtige Rolle spielen neue Technologien, bei der sich realer und virtueller Einkauf vermischen. Einiges ist schon in Ansätzen erlebbar, vieles noch Vision wie Ebay in der Studie „Die Zukunft des Handels“ zeigt.
So können Kunden im Geschäft über das Handy den Barcode eines Produkts einscannen und erhalten nicht nur Details zu Preis und Verfügbarkeit, sondern auch Empfehlungen für ergänzende Artikel und individuelle Sonderangebote. Zudem sind wir, glaubt man Ebay-Deutschlandchef Martin Tschopp, nicht weit entfernt davon, dass Outfits virtuell anprobiert werden können und eine App mithilfe eines Fotos vom Kleidungsstück Vorschläge zu Kombinationsmöglichkeiten macht. Die generelle Tendenz, wohin es mit dem Handel geht, beschreibt Tschopp so: „Bargeldloses Bezahlen, Lieferung am selben Tag, Läden als Showrooms.“

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